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ZUG: Aus der Banken- in die Schuhwelt

In der Schuhmacherei Da Giovanni hat sich ein Generationenwechsel vollzogen: Sohn Michael übernimmt die Firma. Dafür hat er den Beruf gewechselt.
Es steht ein Generationenwechsel an. Michael Sergi (rechts) übernimmt das Schuhmachergeschäft seines Vaters Giovanni (Mitte) und arbeitet mit Bruder Patrick zusammen. (Bild: Maria Schmid (Zug, 25. Januar 2017))

Es steht ein Generationenwechsel an. Michael Sergi (rechts) übernimmt das Schuhmachergeschäft seines Vaters Giovanni (Mitte) und arbeitet mit Bruder Patrick zusammen. (Bild: Maria Schmid (Zug, 25. Januar 2017))

Vielleicht ist es Zufall, dass Michael (28) heute das Geschäft des Vaters Giovanni Sergi weiterführt. Der hatte nämlich im Jahre 1990, nur einige Monate nach Michaels Geburt, an der Zeughausgasse 11 in Zug eine kleine Schuhreparaturwerkstatt eröffnet. Giovanni Sergi, der in Baar wohnt, erinnert sich noch gut und sagt: «Die ersten zwei Monate waren schwierig.» Aber schon bald seien immer mehr Kunden gekommen: «Einige kannten mich bereits, weil ich vorher zwei Jahre bei Mister Minit im Untergeschoss des Manor die Schuhreparaturwerkstatt geführt hatte, diese gibt’s schon lange nicht mehr.»

Als 17-Jähriger ist Giovanni Sergi aus dem italienischen Lecce in die Schweiz gekommen – wegen der Arbeit. «Zuerst war ich Maurer, nach einigen Jahren bekam ich Probleme mit dem Rücken.» Weil er als Kind ab und zu einem Schuhmacher geholfen habe, habe er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Mittlerweile wird sein Angebot von den Zugern sehr geschätzt.

Eine zweite Ausbildung

Wegen seiner Pensionierung sei die Frage der Nachfolge angestanden. «Ich habe meinen Sohn Michael nie gedrängt. Er hat sich freiwillig entschieden, hier einzusteigen», sagt Giovanni Sergi (66) ein bisschen stolz. Doch er gibt zu, dass nach der langen Berufszeit das Loslassen nicht einfach sei. So hängt sein Arbeitskittel immer noch in der Werkstatt, denn bei Bedarf ist hier – und auch im Orthopädiegeschäft des älteren Sohns Patrick in Baar –seine Hilfe gefragt. «Jetzt habe ich mehr Freizeit und muss nicht mehr unbedingt früh aufstehen», sagt Giovanni Sergi und schmunzelt. Der Senior ist zufrieden, dass der kleine Betrieb in der Familie bleibt.

Das ist nicht selbstverständlich, denn Michael Sergi hat nach dem KV in einer Versicherung und später auf der Bank gearbeitet: «Die Büroarbeit hat mich nicht erfüllt, nach der Aushilfe hier hatte ich abends das Gefühl, etwas geleistet zu haben.» Diese Tätigkeit sei sein Hobby gewesen, denn für zwei Personen sei der Betrieb zu klein. Die Pensionierung des Vaters habe er als Chance gesehen und sie gepackt.

Die Massarbeit braucht Zeit

Den Schritt in die Schuhwelt hat Michael Sergi ganz seriös gestartet und sich in London, Florenz sowie in Mailand vom Design bis zur Schuhmassarbeit ausgebildet: «Die Theorie war anspruchsvoll, ich dachte, alles sei leichter.» Wenn er erklärt, wie er für Damen und Herren einen klassischen Massschuh herstellt – alles von Hand –, kommt der 28-Jährige richtig ins Schwärmen. Da dies 50 bis 70 Stunden erfordere, bewege sich ein Schuhpaar in einer gehobenen Preisklasse. «Ich nehme nur das beste Rindsleder, das ich persönlich in der Toskana aussuche. Dort gibt es Gerbereien, die verschiedene Qualitäten anbieten.» Das erste Paar nach Mass hat er bereits für einen Schuhliebhaber hergestellt. Seine fachliche Ausbildung sei auch für die Schuhreparaturen wertvoll. «So kann ich gut beurteilen, ob sich das Flicken lohnt.» Michael Sergi hat festgestellt, dass die Kunden dankbar sind, dass der Betrieb weiter besteht, obwohl heute im Wegwerfzeitalter weniger Leute ihre Schuhe flicken liessen. «Es sind eher Leute vom mittleren Alter an aufwärts», stellt er fest.

Neueröffnung wird gefeiert

Inzwischen ist Michael Sergi gut gestartet. Optisch hat sich der Laden durch einen sanften Umbau verändert. Sergi: «Die Maschinen kamen nach hinten, im Eingangsbereich ist heute ein Showraum, in dem Schuhe ausgestellt sind.» Die Übergabe des Betriebs ist im August 2017 erfolgt. Am letzten Samstag wurde die Neueröffnung mit einem Apéro gefeiert. Michael Sergi sagt, dass er ab Februar eine neue Dienstleistung anbieten wird, als Annahme- und Abgabestelle für Bandagen und Einlagen der Baarer Firma Orthorama, die sein Bruder Patrick Sergi führt.

Zuletzt sagt Michael Sergi: «Ich bin immer mehr überzeugt, dass mein Entscheid vom Büro zum Handwerk richtig ist. Ich bin prädestiniert für die Schuhwelt.» Als er seine schwarzen Hände sieht, lacht er und sagt: «Wenn ich drauf hämmere, tut es weh. Die Arbeit ist streng, man steht den ganzen Tag, es braucht Kraft, Geduld und Energie. Man muss wirklich wollen, wenn es um etwas geht, das nicht jeder tun will.»

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch

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