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Zug aus Geschlechtersicht

Stadtführungen sind in Zug seit geraumer Zeit ein Garant für überraschende, spannende und ungewohnte Einblicke. Am Samstag wurde nun eine neue alte Perspektive in den Fokus gestellt.
Haymo Empl
Stadtführer Stemmle (rechts) versuchte den Teilnehmern der Führung eine neue Perspektive zu vermitteln. (Bild: Roger Zbinden (Zug, 30. Juni 2018))

Stadtführer Stemmle (rechts) versuchte den Teilnehmern der Führung eine neue Perspektive zu vermitteln. (Bild: Roger Zbinden (Zug, 30. Juni 2018))

Bei strahlendem Wetter hatten sich am Samstag eine Handvoll Interessierte vor dem Zytturm versammelt. Es handelte sich bei der bunt gemischten Schar nicht um Touristen, sondern um interessierte Zeitgenossen aus Zug, Zürich, Muri und dem Zugerland – alle haben sie in irgendeiner Form eine Beziehung zur Stadt. Auf dem Programm stand ein besonderer Leckerbissen. Es sollte nicht nur um architektonische Zeitzeugen und ihre Geschichten gehen, sondern um «Männersicht – Frauensicht».

Die Führung wurde von Donatus Stemmle durchgeführt. Der Lehrer der Pädagogischen Hochschule Zürich verstand es, die Gruppe bereits in den ersten Minuten für das eher sperrige Thema zu faszinieren. «Es geht in dieser Führung darum, neben den üblicherweise angesprochenen ‹Sehenswürdigkeiten› der Altstadt einen alternativen Zugang zu wagen», erklärte der Fremdenführer den roten Faden.

Auch in Zug war Politik reine Männersache

Während des Rundgangs durch die Stadt kamen Bilder und Texte zum Einsatz, manchmal sogar stromlos interaktiv und in 3D: Donatus Stemmle zückte beim Postplatz beispielsweise einen Karton mit aufgeklebten Gebäuden, die sich wie in den bekannten Pop-up-Kinderbüchern hochklappen liessen und so zeigten, wie sich der Postplatz früher und heute präsentiert(e). Es waren genau diese Kleinigkeiten, welche die Führung zu einem Erlebnis werden liessen. Männer schreiben Geschichte, Männer sind Helden, Männer sind Brunnenfiguren. Das ist in der Geschichte eine Tatsache. Wo aber versteckt sich die weibliche Seite im Patriarchat? Versteckt sich eine solche überhaupt und wenn ja, warum und weshalb? Die Führung wollte sich auf die Suche nach weiblichen Kontrapunkten machen und genau das war das Problem: Selbst das unglaubliche Wissen des Stadtführers Donatus Stemmle und seine offensichtliche Leidenschaft für das Thema und die Geschichte vermochte nicht darüber hinwegzutäuschen, dass die Frauen wenig zu melden hatten. «Wer die Auswahl der Frauensichten etwas gesucht findet, der hat recht, sie mussten gesucht werden», attestiert Donatus Stemmle.

Klassisches Beispiel: Die dritte Station war der Landsgemeindeplatz, denn auch in Zug war Politik reine Männersache. Erst beim Baarertor tut sich eine weibliche Sichtweise auf: Marie Keisers «E Gruess vom Baarertor» – und auch das stammt von 1935, ist also noch nicht wahnsinnig lange her. Sucht man dann aber etwas tiefer in der Geschichte – und das hat Donatus Stemmle gemacht – wird man fündig. Die Frauen waren vielleicht etwas leiser, aber immer hörbar, wenn man denn hinhört. Deutlich wurde dieser Umstand beispielsweise bei der Station «Burg»: Die französische Dichterin und Philosophin Christine de Pizan verfasste um das Jahr 1400 einen Text über «die Verteidigung einer Burg». In der Führung wurde dies dann geschickt mit der Tatsache verwoben, dass auch die Frau Militärexpertin sein kann. Solche Beispiele fand Stemmle haufenweise, aber eben: Sie mussten gesucht werden.

Hinweis

Die nächste Führung mit Donatus Stemmle findet am Montag, 27. August um 19 Uhr zum Thema «Barockes Zug?» statt.

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