ZUG / BAAR: Bahnunfall ohne juristisches Nachspiel

Anfang 2012 wurde in Baar ein Pöstler beim Beladen eines SBB-Gepäckwagens von der Türe eingeklemmt und drei Kilometer mitgeschleift. Die Staatsanwaltschaft Zug hat die Strafuntersuchung nun eingestellt. Ein Drittverschulden kann ausgeschlossen werden.

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Bei diesem Wagen wurde der Postangestellte eingeklemmt. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Bei diesem Wagen wurde der Postangestellte eingeklemmt. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug kommt zum Schluss, dass der Unfall auf einen technischen Defekt am Gepäcktor und auf ein Fehlverhalten des Geschädigten selbst zurückzuführen ist. Das schreiben die Strafverfolgungsbehörden in einer Medienmitteilung vom Dienstag. Es würden keine Hinweise auf ein Drittverschulden vorliegen. Das bedeutet, es ergeben sich keine Anhaltspunkte, wonach der technische Defekt an der Türe auf eine unsachgemässe Wartung oder auf eine mangelnde Konstruktion zurückzuführen wäre.

Hingegen hat die Strafuntersuchung ergeben, dass folgende zwei Faktoren zum Unfall beigetragen haben:

  • Nichtbeachten des Warntons der Türschliessung durch den Postbeamten.
  • Bedienung des Gepäcktores von der dem Perron abgewandten Seite aus.


Aus diesen Gründen wird die Strafuntersuchung gegen Unbekannt wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung eingestellt. Die Einstellungsverfügung ist rechtskräftig.

Der Geschädigte erklärte bereits vorgängig sein Desinteresse an der Strafuntersuchung und an der strafrechtlichen Beurteilung des Vorfalles. Bei ihrer Untersuchung hat sich die Staatsanwaltschaft insbesondere auf einen Bericht der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (Sust) abgestützt.

Drei Kilometer weit mitgeschleift

Der verhängnisvolle Zwischenfall ereignete sich am Mittag des 24. Januar 2012 beim Bahnhof Baar. Nach der Einfahrt des Interregios Zürich-Luzern öffnete der damals 47-jährige Pöstler die Tür des Gepäckwagens, um Pakete ein- und auszuladen. Als er dabei auf der perronabgewandten Seite des Zuges stehend in den Waggon griff, schloss sich die automatische Türe des Gepäckwagens. Der Mann wurde eingeklemmt und rund drei Kilometer bis zum Bahnhof Zug mitgeschleift. Mit schweren Verletzungen wurde er in Spitalpflege gebracht.

pd/zim