ZUG: Baar verliert 71 Arbeitsplätze

Zu hohe Kosten und zu wenig Aufträge: Die Trichema AG in Baar will den Betrieb bis im Juni 2015 einstellen. 71 Mitarbeiter sind betroffen. Die Gemeinde bedauert den Entscheid – fürchtet aber keine finanziellen Einbussen.

Christian Hodel
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Der Betrieb der Trichema AG an der Lättichstrasse in Baar soll aus wirtschaftlichen Gründen Ende 2015 eingestellt werden. (Archivbild «Neue Zuger Zeitung»)

Der Betrieb der Trichema AG an der Lättichstrasse in Baar soll aus wirtschaftlichen Gründen Ende 2015 eingestellt werden. (Archivbild «Neue Zuger Zeitung»)

Die Zukunft ist schwarz für die Trichema AG in Baar. Der Lohnhersteller und Lohnabfüller für chemische und pharmazeutische Produkte (siehe Kasten) will die Produktion «phasenweise bis Juni 2015 einstellen und den Betrieb bis Ende 2015» gänzlich schliessen, wie das Unternehmen mitteilt. Davon wären letztlich 47 Fest- und 24 Teilzeitangestellte betroffen.

Firma seit 1963 in Baar ansässig

«Ich wurde vor ein paar Tagen über die mögliche Schliessung orientiert», sagte Andreas Hotz, Gemeindepräsident von Baar, gestern auf Anfrage unserer Zeitung. «Wir bedauern dies natürlich.» Die Firma, die unter anderem im Auftrag anderer Unternehmen Kosmetika oder Haushaltschemikalien herstellt, wurde 1956 in Zürich gegründet und hat ihr Firmengebäude seit 1963 in der Gemeinde Baar.

Er hoffe nun, dass das Unternehmen einen Sozialplan ausarbeite, der funktioniere, sagt Hotz weiter. «Die Firma hat vor allem auch viele niederschwellige Arbeitsplätze angeboten. Für diese Mitarbeiter wird es schwierig, eine neue Stelle zu finden.» Hotz schätzt, dass rund die Hälfte der Arbeiter in Baar wohnhaft sind. «Für die Betroffenen ist die Schliessung sicherlich tragisch.» Und für die Gemeinde? «Die Trichema AG gehört nicht zu den wichtigsten Steuerzahlern in Baar. Eine allfällige Schliessung bringt uns nicht in finanzielle Bedrängnis.»

Der Verlust von 71 Arbeitsplätzen habe sicherlich Auswirkungen, sagt auch Kurt Erni, Präsident des Gewerbeverbands des Kantons Zug – mit über 2000 Mitgliedern der grösste Wirtschaftsverband des Kantons. «Vor allem dann, wenn eher niederschwellige Jobs verloren gehen.» Details zur Firma kenne er aber nicht, sagt Erni. Eine Einschätzung zur Firma könne er darum nicht abgeben.

Kosten zu hoch

Der Grund für die Schliessung ist laut dem Unternehmen, dass die Produktion nicht mehr kostendeckend ist. «Obwohl das laufende Geschäftsjahr bisher erfreulich verlief, wird durch den finanziell bedingten Verkauf einer wichtigen Produktlinie im vergangenen Jahr und den Wegfall umfangreicher Kundenaufträge nicht mehr kostendeckend produziert werden können», hält die Unternehmensleitung in einer Mitteilung fest. «Neue Aufträge und ein beabsichtigter Verkauf des Unternehmens scheiterten am zu hohen Investitionsbedarf und an den ungünstigen Rahmenbedingungen.»

Wettbewerb hat sich verschärft

Der Wettbewerb habe sich durch Überkapazitäten und Produzenten an Standorten mit günstigeren Produktionsbedingungen enorm verschärft. Die Unternehmensleitung schreibt deshalb: «Das Auftragsvolumen wird sich im kommenden Jahr derart stark reduzieren, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr länger aufrechterhalten werden kann.» Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung würden darum beabsichtigen, die Produktion aus wirtschaftlichen Gründen bis spätestens Juni 2015 einzustellen.

Sozialplan kommt

Von den 71 Mitarbeitern sollen in etwa deren 50 per April 2015 die Kündigung erhalten – die übrigen bis Ende Jahr. Im Vordergrund eines geplanten Sozialplanes stünden Massnahmen zur Vermeidung der Arbeitslosigkeit, heisst es in der Mitteilung des Unternehmens.

Was dies genau bedeutet, bleibt unklar. Ivan Vollenweider, Geschäftsführer der Trichema AG, war gestern auf Anfrage unserer Zeitung nicht erreichbar.

Für die Mitarbeiter ab 50 beziehungsweise ab 60 Jahren sei aber zusätzlich ein «freiwilliger Sozialplan mit einer finanziellen Abfederung geplant», schreibt das Unternehmen.

Klar ist auch: Die Angestellten der Firma erhalten eine Konsultationsfrist bis zum 1. Dezember. Während dieser Zeit können die Angestellten mögliche Lösungsvorschläge und Alternativen zur Massenentlassung ausarbeiten und dem Arbeitgeber präsentieren.

Teil eines Schweizer Grosskonzerns

Die Trichema AG kann auf mehr als 55 Jahre Erfahrung im Bereich Lohnherstellung und -abfüllung zurückblicken. 2016 wird die Firma, die 1956 in Zürich gegründet wurde und seit 1963 ihr Firmengebäude in Baar hat, 60 Jahre alt. Doch so weit wird es wohl nicht kommen. Das Unternehmen will die Produktion bis Juni 2015 einstellen (siehe Haupttext). Die Firma produziert für andere Unternehmen auf Auftrag beispielsweise Kosmetik-, Pharma, Haushalts- und nicht sterile Medizinprodukte.

Hauptsitz in Appenzell

Die Firma Trichema AG ist in Besitz der Hedoga AG, einer international tätigen Industriegruppe mit Sitz im appenzellischen Bühler. Die Hedoga-Gruppe ist weltweit tätig und stellt pharmazeutische, chemisch-technische, nahrungsergänzende und kosmetische Produkte her. Diese werden in über 50 Ländern vertrieben. Niederlassungen hat die Hedoga AG etwa in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und Ungarn.