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Eine Brauerei für die Zuger Goldgasse

Nach fast 140 Jahren wird in der Stadt Zug nun wieder Bier hergestellt – dort wo einst Kälber zu Fleisch verarbeitet wurden.

Zoe Gwerder
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Sie ist eng und erhält selten Besuch von flanierenden Spaziergängern: Die Goldgasse, die an der Südwand des Restaurants Schiff entlangführt. Hier soll etwas mehr Leben einkehren – vorerst zumindest am Samstag. Denn hinter einer grossen Industrietür, hinter der einst die Metzgerei Aklin Fleischwaren und Gerichte produzierte, wird ab dieser Woche Bier gebraut – und verkauft. Die Bachweg-Brauerei, mit der drei Amerikaner 2016 in Edlibach ihren Betrieb aufnahmen, zieht in das Gebäude in der Zuger Altstadt ein, welches offiziell die Hausnummer Seestrasse 15b trägt – auch wenn der Eingang zur Goldgasse hinausführt.

Die Gärtanks werden vom Lastwagen genommen, sodass sie vom Gabelstapler weitertransportiert werden können.

Die Gärtanks werden vom Lastwagen genommen, sodass sie vom Gabelstapler weitertransportiert werden können.

Bild: Patrick Hürlimann, Zug,
03. Dezember 2019

Es ist Dienstagmorgen – der Umzugsmorgen der Brauerei. Der grosse Lastwagen mit mehreren Chromstahl-Tanks steht zwischen Restaurant Platzmühle und der Vogelvoliere. Thomas Doebeli, der zu den inzwischen sechs Miteigentümern der Brauerei gehört, verfolgt das Verladen der Tanks ganz genau. «Der heikle Teil kommt erst noch.» Er spricht von der engen Goldgasse und der Eingangstüre. «Dort müssen wir die grossen Tanks liegend durch die Tür bringen.» Tief in der Goldgasse, gleich neben dem Cheibeturm, der für Nichtkenner nur schwierig als Turm zu erkennen ist, führt der Eingang in die neuen Räumlichkeiten der Bachweg-Brauerei. «Abgesehen von den verschiedenen Brauereiutensilien haben wir hier alles – von der Küche bis zum Kühler.»

Die Eingangstür zur künftigen Brauerei wird für den Transport bereit gemacht.

Die Eingangstür zur künftigen Brauerei wird für den Transport bereit gemacht.

Bild: Patrick Hürlimann, Zug,
03. Dezember 2019

Doebeli und seine Mitbrauer waren schon seit längerem auf der Suche nach einem grösseren Standort – wenn möglich in der Stadt Zug. «Wir möchten näher bei unserer Kundschaft sein.» Gescheitert sei das Unterfangen aber lange an der geeigneten Lokalität. «Entweder waren wir zu spät oder es wurde nicht vermietet.» In der Zwischennutzung «Freiruum» habe deren Vertrag mit einer anderen Brauerei das Vorhaben verunmöglicht. Und das Lokal einer alten Käserei an der Ägeristrasse schied ebenfalls aus, da die Gärtanks nicht reingepasst hätten, so Doebeli. Doch speziell diese Gärtanks sind den Brauern wichtig. «Wir wollen ein authentisches Kundenerlebnis anbieten. Deshalb möchten wir auch die Braukessel in unserem neuen Lokal haben.»

Braukessel werden liegend zur Tür hineingeschoben

Bei Kesseln mit einer Höhe von über zweieinhalb Metern und einem Gewicht von rund 400 Kilogramm ist dies in der Altstadt ein schwieriges Unterfangen. Doebeli und einige seiner Brau-Kollegen helfen den Mitarbeitern des Spezialtransport-Unternehmens und packen gleich selber mit an. Nach dem die Chromstahl-Tanks vorsichtig vor dem Restaurant Schiff abgeladen wurden, werden sie jetzt einzeln mit dem Gabelstapler hochgehoben und in die Goldgasse gefahren.

Mit dem Gabelstapler werden die Tanks durch die Goldgasse gefahren.

Mit dem Gabelstapler werden die Tanks durch die Goldgasse gefahren.

Bild: Patrick Hürlimann, Zug,
03. Dezember 2019

Bei einem länglichen Lagertank müssen Doebeli und seine Männer mithelfen, sodass dieser schön längs und nicht plötzlich quer steht. Die nächste Hürde stellt der Eingang dar. Obwohl dieser ursprünglich schon eher breit ist, wurde er um weitere 20 Zentimeter vergrössert. In der Höhe passt es trotzdem nicht. Kurzerhand legen die Spezialisten das Ungetüm mit den Beinen auf kleine Wägeli und schieben es so rein.

Liegend kommt der Gärtank in die neuen Räumlichkeiten.

Liegend kommt der Gärtank in die neuen Räumlichkeiten.

Bild: Patrick Hürlimann, Zug,
03. Dezember 2019

Drinnen kommt der Mannschaft erneut die bestehende Einrichtung der ehemaligen Fleischproduktion zu Hilfe. Der Haken, der früher dem Verarbeiten von Kälbern diente, wird zur Aufstellhilfe für die Gärtanks.

Spezialisten stellen gemeinsam mit den Brauereiinhabern einen der Gärtanks auf.

Spezialisten stellen gemeinsam mit den Brauereiinhabern einen der Gärtanks auf.

Bild: Patrick Hürlimann, Zug,
03. Dezember 2019

Auf die ehemalige Produktionsstätte der Metzgerei Rogenmoser und Aklin an der Goldgasse in der Stadt Zug, sei man eher durch Zufall gekommen, erzählt Doebeli. «Wir haben uns auf ein Inserat für das Ladenlokal der ehemaligen Metzgerei beim Zytturm gemeldet.» Dabei sei ihnen auch besagter Produktionsraum an der Goldgasse gezeigt worden. «Dieser ist für uns optimal.»

Metzgerei-Lokal beim Zytturm: Eigentümer suchen passende Lösung

Neben den Produktionsräumen der ehemaligen Metzgerei Aklin steht seit Februar das Ladenlokal der Metzgerei beim Zytturm leer. Gemäss Marco Aklin, Miteigentümer des Gebäudes, ist man noch immer auf der Suche nach einem optimalen Mieter. «Uns ist es wichtig, dass hier etwas reinkommt, das zur Altstadt passt und diese vielleicht sogar noch etwas belebt.» Es gehe ihnen auch um das Wohl der Nachbarn. «Am liebsten hätten wir nochmals eine Metzgerei in den Räumlichkeiten gehabt. Aber da liess sich niemand mehr finden.» Nun seien sie weiter auf der Suche. «Es soll aber nicht mehr so lange dauern wie auch schon», sagt er. Auch dass es eine Bar sein könnte, schliesst er nicht aus. «Wir hatten schon einige Anfragen – bisher hat es für uns aber noch nicht gepasst. Wir wollen nichts überstürzen.» (zg)

Sie seien sich auch der etwas speziellen Situation in der Altstadt bewusst – ein Stadtteil, der zwar belebt werden soll, in dem viele Anwohner aber keinen Lärm und keine Emissionen möchten. «Der Duft, der beim Bierbrauen entsteht, erinnert eher an jenen einer Bäckerei und vorerst werden wir das Bier nur verkaufen. Jeweils am Samstag von 10 bis 16 Uhr.» Mit der Möglichkeit, dieses in einem sogenannten Tap-Room, wie es die Amerikaner nennen, probieren zu können.

Nun sind die Tanks gezügelt und die sechs Brauer können mit dem Einrichten beginnen. «Wir wollen schon ab diesem Samstag, dem 7. Dezember, mit dem Verkauf starten.» Doebeli hofft, dass – wie die grossen Gärtanks – auch bisherige Kunden von Edlibach nach Zug finden. Und er ist zuversichtlich, dass es bei einem Nischenprodukt, wie es solch kleine Brauereien darstellen, weniger auf die Laufkundschaft ankommt – die wohl auch in Zukunft nicht durch die Goldgasse ziehen wird – sondern auf Leute, die gezielt solche Angebote suchen.

Im «Hecht» wurde dereinst Bier hergestellt

Mit der Bachweg-Brauerei wird erstmals seit fast 140 Jahren in der Stadt Zug wieder Bier gebraut. Wie im Zuger Kalender von 1936 zu lesen ist, gab es im Gebäude des ehemaligen Restaurants Hecht ab 1871 eine Brauerei. Das Gebäude wurde 1881 verkauft, was zum Ende der Bierbrauerei in der Stadt Zug führte.

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