Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZUG: «Bei uns fährt keiner einen Ferrari»

Die Rohstoffpreise sind im Keller. Wie gehts da einem Rohstoffhändler, der gerne Gas gibt? Die Antworten sind überraschend. Und relativieren ein Klischee.
Wolfgang Holz
Die Krawatte ist abgelegt – die Rohstoffhändler legen los. (Bild Werner Schelbert)

Die Krawatte ist abgelegt – die Rohstoffhändler legen los. (Bild Werner Schelbert)

Wolfgang Holz

«Die Erdgaspreise sind deutlich gefallen, um rund 30 Prozent allein im letzten halben Jahr», sagt Jan Massmann, CEO der MET International AG und gleichzeitig fürs operative Geschäft der MET Holding AG zuständig. Die Laune des Deutschen scheint allerdings alles andere als getrübt. Und das, obwohl die MET Group, die ihren Sitz am Eschenring in Zug hat, in modernen und gediegenen Büros hinter Glas mit einem ebenso gediegenen Parkettboden, zu 90 Prozent vom Kauf und Verkauf von Erdgas lebt. Wie kann das funktionieren?

«Egal, wie das Preisniveau ist»

«Es ist für uns eigentlich relativ egal, wie hoch das Preisniveau liegt», bemerkt Massmann lächelnd, der mit seinem schlichten, locker geknöpften hellblauen Hemd ohne Krawatte und ohne dunkelblaues Sakko eigentlich gar nicht so nobel aussieht, wie man sich einen Rohstoffhändler vorstellt. Sprich: Der Preis für die Dienstleistung, Erdgas von einem Produzenten an einen der rund 2000 Kunden zu vermitteln, sei immer der Gleiche. «Klar ist dagegen, dass die Produzenten von Erdgas zurzeit weniger verdienen, und die Kunden sich im Augenblick über tiefere Preise freuen», so Massmann. Durch die künftige Verknappung des Energieträgers sei aber damit zu rechnen, dass der Erdgaspreis längerfristig auch wieder steige. «Das sind halt immer Wellenbewegungen».

Auch Martin Fasser, Chairman der Zuger Commodity Association (ZCA), einer Art Zuger Rohstoffhändlervereinigung, bestätigt, dass für die reinen Rohstoffhändler die tiefen Preise weniger ein Problem seien. «Mindestens für Ölhändler ist die Marge eine Bandbreite eines Betrages und nicht eines Prozentsatzes.» Wie es bei den Metallhändlern derzeit aussehe, so Fasser, könne er nicht sagen. Was immer das heissen mag. Rohstoffhändler müsste man sein – da sprudelt es offenbar immer. Oder wird da getrickst?

«Es gibt keine Tricksereien. Wir arbeiten im Vertrauen und zum Vorteil unserer Kunden – auch wenn wir vielleicht hochkomplexe Dienstleistungen anbieten, die für Aussenstehende schwer verständlich zu machen sind.» Womöglich führe auch die Tatsache, dass der Rohstoffhandel nicht aktiv für bestimmte Produkte Marketing betreibe, so Massmann, zu einer Distanz seitens der Öffentlichkeit. Was den Sozialneid angeht, ist der MET-Group-COO überzeugt, dass vieles einfach Klischee sei: «Ich persönlich habe einen Volkswagen, und in unserer Firma fährt keiner einen Ferrari.»

Rund 100 Rohstoffhändler in Zug

Rund 100 reine Rohstoffhandelsfirmen gibt es laut ZCA derzeit in Zug und Umgebung. «Das reicht von kleinen Ein-Mann-Betrieben bis zur grossen Firma wie Glencore in Baar», erklärt Martin Fasser. Daher sei es vielleicht besser, von Angestellten in Rohstoff-Firmen zu sprechen. «Da denke ich, sind 2000 realistisch.»

Seit 2007 gibt es die MET Group, ursprünglich ein Ableger der ungarischen Mol-Gruppe. Und seit 2010 residiert die Firma in der Schweiz. Genauer gesagt, in Zug. Gut 40 Mitarbeiter sind hier an der Baarerstrasse 141 in den Headquarters tätig, darunter knapp 20 verschiedene Nationen. «Wir fühlen uns in Zug sehr wohl», sagt Massmann und versichert, dass die Verlockungen des Steuerparadieses nicht die Top eins auf der Agenda der MET Group gewesen sei, um sich hier niederzulassen (siehe Box). Wichtiger für das Wohlbefinden der Rohstoffhändler in Zug seien die stabilen rechtlichen Rahmenbedingungen. Und dass beispielsweise individuelle Lösungen für Firmen in Steuerfragen gefunden werden sowie die langfristigen Planungsmöglichkeiten. Wichtig sei auch der Zugang zu den Finanzen: 400 Millionen Euro betrage der Kreditrahmen momentan für die MET Group. «Wir zahlen jährlich Steuern in siebenstelliger Höhe, bei einem Umsatz von 4 Milliarden Franken.» Auch die Art und Weise, wie effizient man als Ausländer von der Zuger Migrationsbehörde eine Aufenthaltsbewilligung ausgestellt bekommen habe, sei sehr professionell. Massmann: «Das macht das Leben in Zug als Rohstoffhändler angenehm – neben der schnellen Erreichbarkeit eines internationalen Flughafens.»

«Wir machen nichts Verwerfliches»

Andererseits: Will man wirklich Rohstoffhändler sein – angesichts des zweifelhaften Images der Branche, angesichts der nicht verstummenden Anfeindungen von Menschenrechtsorganisationen wie im Fall Glencore etwa und nicht zuletzt angesichts der elitären und geheimniskrämerischen Geschäftspraktiken? Wie geht die MET Group mit diesem Image um? «Ohne dass ich den Einzelfall kommentieren kann, ist es leider so, dass es in jeder Branche schwarze Schafe gibt, die das Image beschädigen», räumt der MET-Group-COO ein. Sagts und betont im gleichen Atemzug, dass ihm die Aktivitäten der MET keine schlaflosen Nächte bereiten. Massmann: «Wir setzen komplexe Finanzprodukte dazu ein, Mehrwert für die Kunden zu schaffen und messen uns damit gerne im Wettbewerb mit anderen Anbietern. Wir machen damit nichts Verwerfliches.»

«Branche muss sich besser erklären»

Für ZCA-Chairman Martin Fasser ist das Imageproblem der Rohstoffhändler mehrschichtig. «Meiner Meinung verläuft die Diskussion über den Rohstoffhandel emotional. Und Emotionen kann man nur sehr schwer mit Argumenten begegnen.» Zudem würden Kritiker der Rohstoffbranche Mythen unterhalten und seien von diesen nur schwer abzubringen. Für Fasser steht aber auch fest: «Die Branche muss sich noch mehr und besser erklären.»

Das macht die Firma MET Group

Die in Zug ansässige MET Group versorgt mehr als 2000 Kunden – Grosshandel, Industrie und Handelspartner – in 19 Ländern Europas mit Erdgas, Strom, Öl und Flüssiggas (LPG). Die MET Group verfügt über Tochtergesellschaften in 10 Ländern und ist auf 14 europäischen Handelsplätzen aktiv. Die Unternehmensgruppe verfügt über eines der grössten Gasportfolios in Zentral- sowie Osteuropa und gehört damit zu den drei grössten Händlern an Österreichs VTP Gas Exchange (dem grössten Handelsplatz für Gas in Zentraleuropa). Der Zuger Rohstoffhändler zählt zu den 15 grössten Händlern auf dem niederländischen TTF – dem grössten Handelsplatz für Gas in Kontinentaleuropa. Die MET Group beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter aus der ganzen Welt und erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von 4 Milliarden Euro.

red

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.