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ZUG: Beschreitet die Stadt bald neue Wege?

Die Kinder­betreuung soll umgekrempelt werden. Dabei könnte auch die Wirtschaft ihren Teil dazu beitragen müssen.
Bernard Marks
Das Angebot an Kinderbetreuung ist in den vergangenen Jahren sowohl in der ganzen Schweiz wie auch im Kanton Zug deutlich ausgebaut worden. (Archivbild Stefan Kaiser)

Das Angebot an Kinderbetreuung ist in den vergangenen Jahren sowohl in der ganzen Schweiz wie auch im Kanton Zug deutlich ausgebaut worden. (Archivbild Stefan Kaiser)

Bernard Marks

Wer Kinder im Vorschulalter hat und zudem berufstätig ist, muss in der Schweiz nicht selten finanziell in den sauren Apfel beissen. Denn die finanzielle Belastung der Familien ist in der Regel gross. Kinderkleidung, Spielsachen und die Ernährung von Kleinkindern schlägt im Familienbudget ordentlich zu Buche. Schon ein Säugling belastet die Familienkasse monatlich mit ungefähr 300 bis 400 Franken. Mit dem Alter nehmen die Kosten tendenziell zu. Hochgerechnet bis zum 18. Lebensjahr, kostet ein Kind also je nach Berechnungen ungefähr 180 000 Franken.

Einen grossen Posten nehmen dabei indirekte Kosten ein. Dazu zählt zum Beispiel die vorschulische Kinderbetreuung. Besonders diejenigen Eltern, die ein doppeltes Einkommen haben, geben eines von zwei Einkommen oftmals gleich wieder für die Kinderbetreuung ihres Sprösslings in der Kindertagesstätte aus. Diese Kosten können zwar von der Steuer abgezogen werden. Doch die Kinderbetreuungskosten sind in der Regel nur bei einer tatsächlichen Verhinderung, die Kinder selbst zu betreuen, abzugsfähig. Bei Ehepaaren liegt eine solche dann vor, wenn beide Elternteile gleichzeitig einer Erwerbstätigkeit nachgehen beziehungsweise in Ausbildung stehen oder erwerbsunfähig sind. Unterm Strich bleibt aber eine hohe Mehrbelastung.

Immer mehr Frauen arbeiten

Das Angebot an Kinderbetreuung ist in den vergangenen Jahren sowohl in der ganzen Schweiz wie auch im Kanton Zug deutlich ausgebaut worden. Dies liegt unter anderem daran, dass mehr Frauen in die Berufe streben. Lag die Erwerbsquote der Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 25 und 39 Jahren im Jahr 1991 noch bei 72 Prozent, liegt diese heute bei 86 Prozent gemäss aktuellen Erhebungen. Die Stadt Zug subventioniert bei diesem Angebot die Plätze mit jährlich 3,3 Millionen Franken. «Diese Subventionen sind gut angelegtes Geld», sagt Vroni Straub-Müller. Sie ist Vorsteherin des Bildungsdepartements der Stadt Zug. Denn dieser «Return on Investment» wird durch verschiedene Studien belegt, und man erkennt den positiven Nutzen in Zahlen wie zum Beispiel höheres Steuersubstrat oder niedrigere Sozialhilfekosten. Und dennoch: «Die Stadt Zug hat heute ein gutes Finanzierungsmodell – aber es reicht nicht für alle Eltern», bekennt Vroni Straub-Müller. «Wir wollen den Mittelstand fördern, dafür müssten aber mehr Mittel zur Verfügung stehen», sagt sie.

Doch wie? Der Stadtrat behandelt aktuell eine Motion zur Einführung von Betreuungsgutscheinen im Kita-Bereich. «Es ist geplant, die Motion im September dem Grossen Gemeinderat der Stadt Zug zur Behandlung vorzulegen. Auch die Motionäre fordern ausdrücklich die Berücksichtigung des Mittelstands», sagt Straub weiter. In der Stadt Luzern funktioniert das System der Betreuungsgutscheine seit Jahren gut. Auch Cham und Baar kennen ein Gutscheinsystem. Trotz allem sind die Kosten für Eltern in vielen Fällen aber immer noch hoch. Sind Betreuungsgutscheine die Lösung? Dazu Vroni Straub: «Bei der Finanzierung ist weniger das Modell entscheidend als die angesetzten Parameter», erläutert die Stadträtin. Fragen wie Wer erhält aufgrund welcher Kriterien noch eine Subvention? oder Wie viele Kinder können mit dem Familienbudget fremd betreut werden? müssen im Finanzierungsmodell beantwortet und gelöst werden. Die Festlegung der Bezugsberechtigung ist entscheidend für die Subvention oder den Gutschein. «Der Vorteil des Gutscheins ist, dass alle Eltern mit einem Betreuungsplatz und einer Bezugsberechtigung einen Gutschein erhalten können», erklärt Straub.

Doch was, wenn die Betreuungsgutscheine in Zug vom Grossen Gemeinderat nicht durchgewinkt werden? Gibt es Alternativen? «Es gibt eine Vielzahl von Familienmodellen», entgegnet Straub. Es lasse sich unschwer herauslesen, dass viele gut ausgebildete Frauen auch nach der Familiengründung in beruflicher Position eingebunden werden wollen. «Das geht nur mit guten Angeboten der familienexternen Kinderbetreuung», so Straub. Der Stadtrat steht dazu und propagiert in seinen Legislaturzielen die Unterstützung der Familien durch gute Angebote und Strukturen. «Aber das ist nicht gratis zu haben. Die Frage ist, was uns die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wert ist», sagt Straub.

Mittelstand steht im Fokus

Der Nutzen, das hiesse die Förderung von Mittelstandsfamilien, Chancengerechtigkeit für Kinder, die in bildungsfernen Familien aufwachsen oder allenfalls einen migrantischen Hintergrund haben, oder eben auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, würde im Vordergrund stehen. «Und zu guter Letzt müssen wir uns überlegen, ob wir nicht die Arbeitgeber grundsätzlich mehr in die Pflicht nehmen wollen», sagt Straub. Es sei doch das Interesse der Wirtschaft, auch die gut ausgebildeten Frauen im Arbeitsprozess behalten zu können.

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