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ZUG: Betonkunst gegen Asphalt-Tristesse

Eine neue Skulptur ziert den umgebauten Bundesplatz. Das gefällt nicht allen. Ganz abgesehen davon, dass die Leere noch viel Potenzial hat.
Kahl und leer - der Zuger Bundesplatz: Ob da diese Gussbeton-Skulptur (im Bildvordergrund) eine wesentliche Verbesserung bringt, ist fraglich. (Bild Werner Schelbert)

Kahl und leer - der Zuger Bundesplatz: Ob da diese Gussbeton-Skulptur (im Bildvordergrund) eine wesentliche Verbesserung bringt, ist fraglich. (Bild Werner Schelbert)

Wolfgang Holz

Ein Platz ist ein Platz. Um sich zu treffen. Zu verlustieren. Etwas zu veranstalten. Das scheint heutzutage nicht mehr so einfach. In Zug hat man daher schon auf dem riesigen Platz vor der Bossard-Arena verzweifelt ein Brünnlein und Bäumchen platziert um die im Prinzip nutzungsfeindliche Asphaltwüste zu romantisieren. Im Fall des Bundesplatzes, der mit dem Umbau von Coop City ein neues Gesicht erhielt, soll es nun anscheinend ein Kunstwerk richten. So mancher fragt sich aber, ob der aus Beton gegossene Brombeerstrauchbehälter – Relikt der Skulpturen-Ausstellung «Herrliche Zeiten» im letzten Jahr – nicht eher das Beton-Image des Platzes wieder aufleben lässt.

«Städtebaulicher Diskurs nötig»

«Etwas gar verloren steht das Kunstobjekt da und setzt in keiner Weise eine konstruktive Auseinandersetzung mit der gebauten Umgebung in Gang», sagt der Zuger GLP-Kantonsrat Daniel Stadlin und findet, dass ein städtebaulicher Diskurs rund um den Bundesplatz dringend nötig wäre. Selbst der Künstler und Schöpfer des besagten «Chateau Mure», Martin Chramosta, ist der Meinung, dass der Bundesplatz in seiner jetzigen Form «nicht gerade eine Ausgeburt an Schönheit ist». Er hat zwar grundsätzlich nichts gegen das Prinzip von Leere. Aber wenn diese nur in Form von plattem Asphalt gestaltet sei, «strahlt dies Trostlosigkeit aus», ist der Bildhauer überzeugt. Chramosta ist in Zug kein Unbekannter schliesslich hat er die «Shorty»-Skulptur am Seeufer kreiert. Der Basler ist andererseits natürlich froh, dass seine Skulptur am Bundesplatz weiter stehen bleiben soll. Er findet nämlich durchaus, dass diese einen Bezug zum Platz hat. «Sie ist wie ein Brunnen, aus dem Brombeeren wachsen, an denen sich viele Leute bedienen können.» Deshalb sei der Ort gut gewählt. «Vielleicht könnte der Platz künftig ja überhaupt als Ort von Skulpturenausstellungen dienen. Oder vielleicht könnte man auch einfach noch mehr Sitzmöglichkeiten schaffen.»

Eine Option, mit der sich auch Daniel Stadlin anfreunden würde. «Die Büsche könnte man wegmachen und den Platz grosszügiger bestuhlen das würde sicher für mehr Leben sorgen», ist er überzeugt. Ein Hauch von Italianita, also? Stadlin: «Das ist ein so zentraler Platz und eine so wichtige freie Fläche mitten in der Stadt, dass hier städtebaulich mehr passieren muss.» Auch der Inhaber des Ascot-Cafés, Vito Laubscher, bedauert das «kahle» Ambiente: «Im Sommer kann es auf dem Asphalt sehr heiss werden – es wäre wirklich schön, wenn hier etwas gemacht werden würde.»

Dass der Bundesplatz in Sachen Anmutung offenbar noch nicht seinen Endzustand erreicht hat, räumt der Stadtzuger Bauchef André Wicki ein. «Die Umgestaltung des Bundesplatzes ist integral mit den übrigen Aufwertungsmassnahmen in der Innenstadt zu betrachten.» Hierzu seien in Verbindung mit den flankierenden Massnahmen für den Stadttunnel erste Konzepte erarbeitet worden. Der Bundesplatz soll im Zusammenhang mit dem Stadttunnel verkehrsfrei werden. Wicki: «Die Fussgängerflächen werden somit zwischen Manor, Foto Grau und Coop City erheblich erweitert. In diesem Zusammenhang ist ein Gesamtkonzept im Aussenraum zu erarbeiten.»

«Brutalismus, Modernismus, ...»

Was die Betonskulptur auf dem Bundesplatz betrifft, ist Jacqueline Falk, Kulturbeauftragte der Stadt Zug, überzeugt: «Das Kunstobjekt ist von hohem künstlerischem Wert und geniesst grosse Beliebtheit in der Bevölkerung.» Die Skulptur zitiere die Formensprache des Brutalismus, Modernismus und Historismus und soll auf Wunsch der Stelle für Kultur für mindestens vier Jahre dort stehen bleiben. «Deshalb ist dem Baudepartement ein Baugesuch für den neuen, definitiven Standort auf privatem Grund eingereicht worden», so Falk. Das Verfahren sei noch hängig.

So viel zur Kunst. In Wahrheit wird sich an der Asphalt-Tristesse vor dem Coop City nicht mehr viel ändern. Denn Eigentümerin des Grundstücks ist die Swiss Life AG in Zürich. Und für die ist «die Gestaltung des Platzes abgeschlossen», wie das Unternehmen mitteilt. «Der Bundesplatz kommt unserer Ansicht nach jetzt städtischer, aufgeräumter und grosszügiger daher.» Swiss Life habe den Bundesplatz in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Zug gestaltet. Die zentrale Idee sei dabei explizit gewesen, mehr Freiraum zu schaffen. Swiss Life: «Die bestehende Platane wurde bewahrt und ist seit der Umgestaltung das Zentrum des Bundesplatzes. Die umlaufende Sitzbank ist Skulptur und Sitzgelegenheit zugleich. Hier steht die Idee eines ‹Treffpunkts› im Vordergrund umgeben von einer grosszügigen, städtischen Fläche.»

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