ZUG: Blick hinter die alten Mauern

Nach der Zwischennutzung beginnt die aufwendige Sanierung des Salesianums. Was oder wer hier dereinst einzieht, möchte man derzeit bewusst noch offen lassen.

Andreas Faessler
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Die Bauarbeiten im Salesianum sind noch in vollem Gange. Vorerst wird das Gebäude für die Zwischennutzung vorbereitet. (Bild Stefan Kaiser)

Die Bauarbeiten im Salesianum sind noch in vollem Gange. Vorerst wird das Gebäude für die Zwischennutzung vorbereitet. (Bild Stefan Kaiser)

Andreas Faessler

Ein Augenschein vor Ort zeigt: Es gibt viel zu tun hinter den historischen Mauern des Salesianums. Zwischen 10 und 13 Millionen Franken werden die Arbeiten kosten, welche das denkmalgeschützte Gebäudeensemble erhalten, respektive in Stand setzen sollen, wenn die Phase der Zwischennutzung vorbei ist (siehe Kasten). Das grösste Problem sind die hangseitig feuchten Mauern, deren Trockenlegung durch einen unterirdischen Korridor, der entlang dem Gebäude verlaufen wird, erfolgen soll. Ausserdem muss für eine spätere Nutzung die Tragfähigkeit der Holzdecken erhöht und die Elektroanlagen auf einen neuen Stand gebracht werden. Alle Sanitäreinrichtungen sowie die Gasheizung bedürfen einer Ersetzung, und das ganze Gebäudeensemble muss energetisch komplett saniert werden. Das äussere Erscheinungsbild – vor allem im Falle des historischen Herrenhauses – wird dabei erhalten.

Nutzung bleibt offen

Das grosse Fragezeichen schwebt noch über der künftigen Nutzung des Salesianums. «Wie die aussehen wird, dazu können wir noch nichts sagen», hält David Hossli, Geschäftsleitungsvorsitzender der Bauherrschaft Alfred Müller AG, fest. Dass aber ein Interesse an der Belebung dieses Gebäudeensembles besteht, sei offensichtlich. Man strebe auf jeden Fall eine langfristige und nachhaltige Nutzung an. Dass dies jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt konkret werde, liege auch daran, dass sich nun erst zeigen müsse, wie es mit der Realisierung der geplanten Bebauung auf dem Terrain oberhalb des Salesianums weitergehe. Ein anfänglicher Interessent für ein Papiermuseum war zuvor wieder abgesprungen, weil die Lage für ihn nach dem Scheitern des ersten Bebauungsplanes schliesslich zu unsicher war. Man möchte nicht, dass sich so etwas wiederholt.

Am 28. Februar kommt der überarbeitete Bebauungsplan Salesianum erneut vors Volk. Dieser nimmt nun besonders stark Rücksicht auf das landschaftsbild-bestimmende Salesianum, indem nun einzelstehende Solitärbauten geplant sind, die in ihrer Anordnung einen Bezug zum Gebäudeensemble des Salesianums herstellen. «Die freien Räume zwischen den einzelnen Neubauten gewähren einen Durchblick», erklärt Michael Ringli, Abteilungsleiter Projektentwicklung bei der Alfred Müller AG. Dadurch bleibe das Salesianum das prägende Objekt an diesem Ort. «Auch das leicht ansteigende Gelände wird nicht beeinträchtigt. Die Bauten fügen sich in den Hang ein. Somit bleibt die Landschaft ablesbar und deren Charakter erhalten.»

Gegenseitiges Beleben

Die Bauherrschaft und der ausführende Architekt Albi Nussbaumer sind sich einig, dass es zwischen der neuen Überbauung und dem sanierten Salesianum mit dessen neuer Nutzung eine positive Wechselwirkung geben wird. Beides werde aufgewertet. «Das Salesianum ist eine Chance für das neue Quartier und umgekehrt», sagt David Hossli. Architekt Albi Nussbaumer fügt an: «Diese Synergien braucht es. Wenn sich die Umgebung des Salesianums weiterentwickelt, kommt auch Leben in dieses.» Ansonsten drohe das historische Gebäude endgültig in einen Dornröschenschlaf zu fallen. «Und das wäre sehr schade.» Es ist vorgesehen, den Garten hinter dem Salesianum im neobarocken Stil neu zu gestalten. Auch die seeseitige Grünfläche zwischen Kapelle und Herrenhaus wird aufgewertet. Die Zufahrt zum Haupthaus wird von Süden her auf einen befestigten Vorplatz führen.

Dieser zweite Bebauungsplan aber ist nicht unumstritten. So gibt es im Grossen Gemeinderat kritische Stimmen. Befürchtet wird, dass das zweite Projekt zu wenig Rücksicht auf die Perle und den historischen Bau nimmt. Zudem wurde von CVP-Gemeinderätin Isabelle Reinhart die noch nicht definierte öffentliche Nutzung bemängelt. In dieser Reihenfolge würden dem Salesianum die Entwicklungsmöglichkeiten verbaut, so die Gemeinderätin.

Zwischennutzung

Derzeit laufen im Salesianum die Vorbereitungen für die Zwischennutzung als Flüchtlingsunterkunft. Demnächst werden rund 100 Menschen in die Gebäude einziehen – der Zwischennutzungsvertrag mit dem Kanton läuft zwei Jahre mit Verlängerungsoption. Provisorische Wände werden eingezogen, um die Wohnbereiche der Flüchtlinge zu gestalten und für Frauen, Männer oder Familien Bereiche mit Privatsphäre zu schaffen. Diese Wände bedeuten keinen baulichen Eingriff im eigentlichen Sinne. Sie können mit wenigen Handgriffen wieder entfernt werden. Die grössten Anpassungen für diese Zwischennutzung werden im Bereich der Sanitäranlagen und der Haustechnik vorgenommen.