ZUG: Bohren und bauen für die Biker

Am Mountainbike-Trail auf dem Zugerberg wird derzeit mit vollem Einsatz gearbeitet. Das Vorhaben stellt die Planer immer wieder vor Herausforderungen.

Samantha Taylor
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Matthias Bartnick (links) und Philipp Renggli von der Korporation Zug stehen voll im Einsatz. (Bilder Stefan Kaiser)

Matthias Bartnick (links) und Philipp Renggli von der Korporation Zug stehen voll im Einsatz. (Bilder Stefan Kaiser)

Samantha Taylor

Eigentlich ist derzeit im Wald rund um den Zugerberg nicht viel los. Die Schlittelsaison ist vorbei, die Wandersaison noch nicht da. Trotzdem kracht, kreischt und klopft es im Gehölz. Motoren dröhnen, Hammer schlagen auf. Seit dem 29. Februar sind die Korporation Zug und die Biketrail-Baufirma Velosolutions GmbH aus Graubünden im Wald unterwegs. Ihr Vorhaben: der Zugerberg-Trail (siehe Kasten). «Sie arbeiten sich von oben nach unten vor. So wie die Strecke dann auch gefahren wird», sagt Lukas Blaser, Co-Projektleiter der IG Mountainbike Zug, die für das Vorhaben verantwortlich ist. Nur im obersten Abschnitt direkt beim Einstieg müsse man aufgrund der Schneeverhältnisse mit den Arbeiten noch etwas zuwarten.

«Sich vorarbeiten», das heisst Bäume fällen, den Boden umgraben, Kurven modellieren. Das heisst aber genauso eine Art Schanzen aus Holz für Sprünge zu bauen und zu installieren – sogenannte Drops –, Steinfelder auszulegen und Bretterwände – sogenannte Anliegerkurven – aufzubauen. «Wir haben natürlich im Vorfeld geplant, wie die Strecke verlaufen soll und welche Hindernisse wir integrieren wollen», sagt Blaser. Vieles entstehe aber auch jetzt während der Arbeiten. «Man kann so einen Trail nicht bis ins Detail planen.»

Es geht um den Schwung

Der Zugerberg-Trail führt grob gesagt von der Bahnstation auf dem Berg zur Bahnstation in der Schönegg und verläuft entlang der Bergbahn. «Wir haben auf einer alten Karte gesehen, dass die Strecke auf dem alten ‹Montanaweg› verläuft», erzählt Blaser, der selbst Inhaber eines Bikegeschäfts in der Stadt Zug ist und leidenschaftlich gerne bikt. Gearbeitet wird derzeit vor allem im mittleren und unteren Drittel. Dass man von oben nach unten vorgeht, hat einen guten Grund. «Man baut so, wie die Strecke gefahren wird, damit der Flow, also der Fahrfluss, am Ende stimmt.» Dieser Flow und der Schwung seien das Zentralste beim Biken, die eigentliche Essenz. «Wenn das nicht passt, dann taugt die Strecke wenig.» Am Zugerberg habe man sich dazu einiges einfallen lassen müssen. «Mit einem durchschnittlichen Gefälle von 16 Prozent ist der Berg ziemlich steil», sagt Blaser und erklärt: «Wir mussten etwas Gefälle wegnehmen, damit der Schwung stimmt.»

Und auch an einer anderen Stelle mussten sich die Biker etwas einfallen lassen. «Der Trail kreuzt die Geissbodenstrasse», sagt Blaser. Das hätte die Planer vor eine ziemliche Herausforderung gestellt. «Wir haben bald gemerkt, dass es viel zu gefährlich ist, wenn die Biker über die Strasse fahren. Also mussten wir das irgendwie umgehen», erzählt der 34-Jährige. Die Lösung war ein Tunnel – eine Art Metallrohr, das unter der Strasse durchführt. «Das ist in der Schweiz ziemlich einzigartig», berichtet der Co-Projektleiter sichtlich stolz.

Grosse Vorfreude

Noch haben die Bauer ein ziemliches Stück Arbeit vor sich. «Alle sind mit Vollgas bei der Sache», sagt Lukas Blaser. Das mit gutem Grund. Denn eröffnet werden soll die Mountainbike-­Strecke am 14. Mai mit einem Einweihungsfest. «Wir sind zuversichtlich, dass wir die Arbeiten bis dahin abschliessen können», sagt der Co-Projektleiter.

Den Trail als Erster testen wird Daniel Schärer von der Sport AG, die unter anderem das Boardstock-Festival in Zug organisiert. «Wir haben diese erste Fahrt versteigert. Nach Daniel laden wir unsere Sponsoren und offizielle Vertreter zu einer Fahrt ein», erklärt Blaser. Und wenn die alle unten sind, dann dürfen endlich auch die Macher runter. «Wir freuen uns schon jetzt sehr darauf», sagt Blaser und strahlt. «In diesem Projekt stecken enorm viel Leidenschaft, Zeit und Ausdauer. Wir können es darum kaum erwarten, unsere Strecke runterzufahren.»

Ein grosses Projekt

Die Biker im Kanton versuchen seit rund vier Jahren einen Trail am Zugerberg zu realisieren. Seit zwei Jahren sind die Pläne konkreter. Die IG Mountainbike hat sich mit der Korporation Zug sowie mit dem Kanton auf die Strecke am Zugerberg geeinigt. «Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut», sagt  Projektleiter Lukas Blaser. Die Strecke umfährt sämtliche Naturschutzgebiete. Grundeigentümerin ist die Korporation Zug. Der Trail weist folgende Eckdaten auf:
Streckenlänge: 2,1 Kilometer
Höhendifferenz: 340 Meter
Durchschnittsgefälle: 16 Prozent
Baukosten: 630 000 Franken, 400 000 davon aus dem kantonalen Lotteriefonds, der Rest kommt von Sponsoren und über Crowdfunding
Schwierigkeit: Für durchschnittliches Können mit Elementen für Fortgeschrittene.

red

Über diesen Drop springen die Biker. (Bilder Stefan Kaiser)

Über diesen Drop springen die Biker. (Bilder Stefan Kaiser)

Der Tunnel unterquert die Strasse. (Bilder Stefan Kaiser)

Der Tunnel unterquert die Strasse. (Bilder Stefan Kaiser)