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ZUG: Bohrkopf Isabelle soll sich durch den Zuger Untergrund fressen

Mit der Taufe eines Bohrkopfs ist gestern der offizielle Start für die Hauptvorflutleitung Zugersee und das WWZ-Energieverbundnetz Circulago erfolgt. Ein Schweizer Rekord.
Charly Keiser
Isabelle Flachsmann tauft den Bohrkopf Isabelle. Dies unter den Augen der Schutzpatronin Barbara (auf dem Bohrkopf) und den Gästen. (Bild: Maria Schmid (Zug, 7. Juli 2017))

Isabelle Flachsmann tauft den Bohrkopf Isabelle. Dies unter den Augen der Schutzpatronin Barbara (auf dem Bohrkopf) und den Gästen. (Bild: Maria Schmid (Zug, 7. Juli 2017))

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Die Musikkapelle ist von weitem zu hören. Im eigens für den Anlass aufgebauten weissen Zelt sind eine Bühne, eine Bar und Stehtische für den «Apéro danach» aufgestellt. Die Mehrheit der Gäste steht aber um die Ecke im Freien. Dort steht Bohrkopf Isabelle, der schon bald von Pfarrer Urs Steiner gesegnet und von Namensvetterin Isabelle Flachsmann mit einer Flasche Champagner getauft wird.

Es braucht zwei Versuche, bis die Taufpatin Flachsmann die Flasche mit dem edlen Saft zum Zerspringen bringt. Sie fände es schon speziell, dass ihr erstes Patenkind ein Bohrkopf sei, sagt die bekannte Künstlerin und Heimwehzugerin. Und Moderator Remo Hegglin witzelt. «Und das war bei der Geburt erst noch recht schwer.»

Grösstes Projekt der Schweiz

Die Taufe und Segnung des Bohrkopfs, die Musikkapelle WWZ-Powerband und die zahlreichen geladenen Gäste: Was wie ein traditioneller Provinzanlass aussieht, ist in Tat und Wahrheit der Startschuss zum grössten momentanen Tiefbauprojekt der Schweiz, wenn nicht gar Europas, verrät Bauchef André Wicki.

Es sind genauer zwei Vorhaben, die gleichzeitig in Angriff genommen werden. Die Stadt bohrt für die Entwässerung Zug Nord eine Vorflutleitung. Diese beginnt bei der Kreuzung Göblistrasse/Industriestrasse bei der V-Zug zur Gotthardstrasse/Industriestrasse, führt von da zum Kreisel an der Aabachstrasse und endet bei der Schützenmattwiese im See. Seit 1995 trennt die Stadt Zug Ab­wasser und Regenwasser. Mit der «Aorta», wie Bauchchef Wicki die Vorflutleitung nennt, wird die Trennung von Schmutz- und Regenwasser weiter vorangetrieben. Dies mit dem positiven Nebeneffekt, «dass die Gefahr von Überschwemmungen sinkt», betont er. Die Wasserqualität des Zugersees verbessere sich damit, und die weitergeleiteten Wassermengen zur Kläranlage würden so selbst bei starkem Regen zurückgehen.

100-Millionen- Franken-Projekt

Eigene Tunnel auf der Strecke vom See bis zur Kreuzung Gotthardstrasse/Industriestrasse bohren die Wasserwerke Zug AG (WWZ). Einen gemeinsamen Tunnel treiben WWZ und Stadt von dort in Richtung Norden zur V-Zug. Die WWZ brauchen ihre Rohre für ihr Energieverbundnetz Circulago, das im Endausbau bis zu 100 Millionen Franken kosten wird. Die Erschliessung von Zug und Baar Süd erfolgt in mehreren Etappen und orientiert sich an den Bedürfnissen der Kunden. Die Zusammenarbeit der ersten Leitungsabschnitte von Circulago mit dem Entwässerungsprojekt der Stadt bietet Vorteile. «Es ist für uns eine grosse Chance, dass wir das Projekt zusammen mit der Stadt starten können», sagt denn auch WWZ-CEO Andreas Widmer. «So kann ein grosser Teil der Stadt schnell erschlossen werden.»

Der Bohrkopf Isabelle hat einen Durchmesser von 2,7 Metern. Trotz seiner beträchtlichen Grösse spricht man im Fachjargon von «Microtunneling». Dies, weil eine ähnliche, aber deutlich kleinere Tunnelbohrmaschine benutzt wird als diejenige für den Bau des Gotthard-Basistunnels. Mit dem Microtunneling ist die Realisierung der Tunnel schneller, kaum hörbar und erst noch günstiger, als wenn man die Strassen auf der gesamten Strecke von 1,8 Kilometern aufreissen würde, rechnet Wicki vor.

19,5 Millionen Franken kostet die Stadt die Vorflutleitung, die Ende 2018 fertig erstellt sein soll. Rund 20 bis 25 Meter pro Tag bohrt sich Isabelle auf acht bis zehn Metern Tiefe und im Grundwasser durch den meist sandigen Boden. «Wenn’s optimal läuft», betont Roger von Ah, technischer Leiter der Arge Seapipe 2.0, die für die Bohrarbeiten zuständig ist.

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