ZUG: Charmantes Ein-Frau-Disney

In der Musikschule Troimbar in der Oberen Altstadt macht die Geschichtenerzählerin und Musikerin Andrea Gätzi Kultur für ein junges Publikum. Sie hat gleich mehrere Talente.
Wolfgang Meyer
Andrea Gätzi zieht die Kinder durch ihre Aufführungen in ihren Bann. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 3. Februar 2018))

Andrea Gätzi zieht die Kinder durch ihre Aufführungen in ihren Bann. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 3. Februar 2018))

Wolfgang Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

In der Oberen Altstadt in Zug stehen mehrere Kinder in Begleitung ihrer Eltern auf der Strasse – da muss was los sein. Vor dem Eingang der Nummer 28 sammeln sich die Besucher des Puppentheaters in der Troimbar. Jeden ersten Mittwoch und Samstag im Monat führt hier die Kindergartenlehrerin und Musikerin Andrea Gätzi ihre selbst geschriebenen Stücke auf.

Die bunte Mischung aus Kinderbüchern, Puppenspiel und Musical ist Gätzis ganz persönliche Kunstform. «Ich finde es wichtig, auch mit Kindern im Vorschulalter Kultur zu erkunden.» Im Gegensatz zum Fern­seher oder iPad erwartet die Besucher von Gätzis musikalischem Puppentheater eine direkte Begegnung mit einer mitreissenden Geschichtenerzählerin. Im gemütlichen Kreis sitzt man in dem kleinen Altstadt-Grotto auf Lammfellen und rätselt mit, singt gemeinsam Lieder oder folgt gebannt dem Geschehen.

«Wichtig ist das Gefühl»

Am Samstag spielte Gätzi in ihrem musikalischen Puppentheater die Geschichte vom guten Schneemann. Frei nach dem bekannten Kinderbuch von Franziska Stich. «Am besten hat mir die Gitarre gefallen», sagt Ben Gmür. Dem Dreijährigen sind beim Zuschauen fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Und als die Eule den Igel nach dem Aufenthaltsort des Schneemanns ausfragte, konnte er nicht an sich halten. Ben musste es der Eule einfach verraten. «Da! Da drüben ist der Schneemann!» Die Gitarre hat er mit einer Ukulele verwechselt. Das macht aber nichts. «Wichtig ist das Gefühl bei der Musik», erklärt Gätzi. Sie führt Kinder im Vorschulalter spielerisch an die Musik heran. Auf der Ukulele, der klassischen Blockflöte, den kleinen E-Pianos und anderen Instrumenten erkundet sie mit ihnen in Kleingruppen Tonalität, Rhythmus und das Musizieren an sich. «In diesem Alter ist mit Kindern schon sehr viel möglich. Mann muss es nur verstehen, sie neugierig zu machen und ihren Spieltrieb in die richtige Richtung zu locken.»

Ben und seine Mutter Monika Gmür sind schon zum zweiten Mal in der Troimbar. «Mit ganz wenig schafft es Andrea eine herzige Atmosphäre zu schaffen», sagt Monika Gmür. Hinter dem «ganz wenig» steckt aber einiges. Die Lieder, mit denen Gätzi ihre Geschichten erzählt, schreibt sie selbst. Ausserdem komponiert sie ausgefeilte Backintracks, die ihren Live-Gesang untermahlen. Eine virtuelle kleine Band also, die im Stil der grossen Broadwaystücke oder Disney das Geschehen auf der kleinen Bühne in Ton giesst. Dabei spielt Gätzi vom Drum bis zum Piano alles selber ein. «Ich bin kein Profi. Aber ich habe mir auf vielen Instrumenten die Basics erschlossen.»

Bei ihren Stücken animiert sie ihr Publikum gern zum Mitsingen oder anderem Schabernack. So bleibt der Zuschauer zwischen 2 und 82 Jahren in ständigem Wechselspiel mit der Geschichtenerzählerin. «Ich liebe den Kontakt mit meinem Publikum. Wenn die Kinder auf die Geschichte reagieren, kommt so viel Energie zurück, dass es eine Freude ist, meine kleine Bühne zu bespielen.»

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