ZUG: Clever einkaufen will gelernt sein

Auf dem Bundesplatz kann man sich zurzeit auf Entdeckungstour begeben und einer schwierigen Frage spielerisch auf den Grund gehen: Wie kauft man umweltbewusst und fair ein?

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Gemeinsam eröffnen sie die Ausstellung «Clever» auf dem Bundesplatz: Leiter Marcel Andermatt (links), der ehemalige Eishockeyprofi Lars ­Weibel und Zugs Stadträtin Vroni Straub-Müller. (Bild: Maria Schmid (1. Juni 2017))

Gemeinsam eröffnen sie die Ausstellung «Clever» auf dem Bundesplatz: Leiter Marcel Andermatt (links), der ehemalige Eishockeyprofi Lars ­Weibel und Zugs Stadträtin Vroni Straub-Müller. (Bild: Maria Schmid (1. Juni 2017))

Die interaktive Ausstellung «Clever» der Stiftung Biovision tourt durch die Deutschschweiz und gastiert zurzeit bis Mitte Juli in Zug. Das Kernstück der Ausstellung bildet ein kleiner Supermarkt mit rund 120 alltäglichen Artikeln, deren Herstellungsprozess auf sechs verschiedene Kriterien hin untersucht und bewertet wurde. Darunter Klimaschutz, Arbeitsbedingungen und Ressourcenverbrauch.

Die Besucher bummeln mit einem Einkaufskorb durch die Ausstellung und kaufen ein. An der Kasse wird jedoch nicht bezahlt, sondern gestaunt. Zu jedem eingescannten Artikel zeigt der Bildschirm die entsprechende Bewertung. Und die Experten von Biovision versorgen den Kunden mit weiteren Hintergrundinformationen.

Der Stiftung Biovision geht es dabei nicht darum, den Moralapostel zu spielen. «Unser Ziel ist es, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die Auswirkungen ihres Konsums zu lenken», erklärt Marcel Anderegg, Leiter der Ausstellung. Welche Entscheidungen man danach im Supermarkt trifft, bleibt jedem selbst überlassen.

Die Macht des Einzelnen

Dass diese Entscheidungen einen konkreten Effekt haben auf unsere Umwelt, davon ist Anderegg überzeugt. Er ist diplomierter Agrarwissenschaftler und weiss: «Mit jedem Einkauf setzen wir ein Zeichen. Der Detailhandel ist ein hart umkämpftes Business, und Konzerne wie der Coop hier gegenüber können und wollen es sich nicht leisten, die Bedürfnisse ihrer Kunden zu missachten.» Wird also mehr Fairtrade gekauft, so die Logik, wird auch mehr Fairtrade im Detailhandel angeboten.

An der Eröffnungsfeier lieferten sich die Stadträtin Vroni Straub und der ehemalige EVZ-Spieler Lars Weibel einen freundschaftlichen Einkaufswettkampf. Wer schafft es, die Zutaten für ein Menü für zwei Personen so zu wählen, dass am Ende die Leckereien auf dem Teller dem Rest der Welt nicht schwer im Magen liegen? «Ich war immer der Meinung, dass ich umweltbewusst einkaufe. Heute merkte ich aber, dass es da noch ein paar Aspekte gibt, über die ich mehr erfahren möchte», meint Straub nach ihrem knappen Sieg. Nachhaltig einkaufen will gelernt sein.

Wege durch den Label-Dschungel

Auch die bunte Flut der Qualitätssiegel und Nachhaltigkeitsversprechen verschiedenster Anbieter hilft hier nicht immer weiter. Durch die gestiegene Nachfrage nach verantwortungsvollen Produkten ist auch der Anreiz zum sogenannten «Greenwashing» gewachsen. Immer mehr Produzenten verwenden die Nachhaltigkeitsterminologie für ihre Marketingstrategie, weshalb es in erster Linie wichtig ist, auf Labels zu achten, die von den Produzenten unabhängig sind. Die Labels sind noch nicht perfekt, aber arbeiten stetig an Verbesserungen und können sich keine grossen Skandale leisten. Zu solchen und vielen weiteren Themen bietet die Ausstellung übersichtlich zusammengestellte Infopakete, die man vor Ort diskutieren oder auch mitnehmen kann.

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch