ZUG: «Crypto Valley» sucht ein Zuhause

In den letzten Jahren sind in Zug viele Blockchain-Start-ups entstanden. Nun sollen die Firmen an einem zentralen Standort gebündelt werden. Die Initianten wollen Dutzende Jobs schaffen.

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Sebastian Bürgel (links) und André Wolke (rechts) vom Start-up Validity Labs zusammen mit Ralf Glabischnig (Mitte) vom Investor Lakeside Partners am Sitz von Lakeside in Zug. (Bild: Maria Schmid (5. September 2017))

Sebastian Bürgel (links) und André Wolke (rechts) vom Start-up Validity Labs zusammen mit Ralf Glabischnig (Mitte) vom Investor Lakeside Partners am Sitz von Lakeside in Zug. (Bild: Maria Schmid (5. September 2017))

Maurizio Minetti

Das Prinzip der verteilten Buchführung Blockchain ist in aller Munde. Die Technologie könnte Grundlage sein für einen massiven Umbruch in mehreren Branchen. Der Umgang mit Währungen, Versicherungspolicen, Verträgen oder zum Beispiel auch mit Grundbucheinträgen könnte radikal vereinfacht werden.

Mittlerweile hat sich Zug als Schweizer Standort aufstrebender Blockchain-Firmen etabliert. Schon seit Jahren gilt Zug als «Crypto Valley» in Anspielung auf die Kryptowährung Bitcoin, die auf der Blockchain basiert. Bislang waren die zahlreichen Jungfirmen aber auf mehrere Standorte verteilt, zum Teil auch ausserhalb der Stadt. Das soll sich nun ändern.

100 Arbeitsplätze in der Stadt Zug

Die Investmentfirmen Lakeside Partners, Blockhaus und das Krypto-Team des Rechtsberaters MME haben die Crypto Valley Labs lanciert. Das Ziel: Eine Bündelung der Firmen an einem Standort. «Wir sind derzeit auf der Suche nach Büroräumlichkeiten. Ende 2017 soll es losgehen», sagt Ralf Glabischnig. Er ist Gründer von Lakeside Partners und seit Jahren im Umfeld der Krypto-Firmen aktiv. Geplant ist ein sogenannter Coworking-Space mitten in der Stadt Zug, der mindestens tausend Quadratmeter Platz bieten soll.

«Mittelfristig sollen dort 100 Leute arbeiten», hofft Glabischnig. Er rechnet damit, dass rund ein Drittel dieser Arbeitsplätze von bestehenden Firmen kommen. Die restlichen Jobs sollen neu entstehen. Derzeit sind am Sitz von Lakeside in Zug rund 18 Blockchain-Jungfirmen präsent, die zusammen aber lediglich 15 Personen in Zug beschäftigen. Geplant ist, dass diese Firmen an den neuen Standort ziehen. Die Chance, dass der neue Standort schnell gefüllt werden kann, scheint gross: «Wir bekommen derzeit pro Tag rund zehn Anfragen aus dem In- und Ausland», sagt Glabischnig.

In Anspielung auf den Ursprung der Blockchain-Szene in Zug soll der hiesige Standort Genesis Hub heissen. Dabei soll die Stadt Zug lediglich der erste einer ganzen Reihe internationaler «Hubs» sein. Die Initianten haben ihre Fühler bereits in die Westschweiz ausgestreckt. Mittelfristig sollen weltweit diverse Hubs entstehen. Ziel ist der Aufbau eines dezentralisierten Start-up-Ökosystems. «Wir sind in fortgeschrittenen Gesprächen mit Partnern in Dubai», sagt Glabischnig. Die Stadt am Persischen Golf hat unlängst bekannt gegeben, dass sie bis 2020 sämtliche staatlichen Dienste auf Blockchain-Basis anbieten will. Die Initianten nehmen in einem ersten Schritt mindestens eine Million Franken in die Hand, um den Schweizer Hub hochzuziehen. Die laufenden Kosten beziffert Glabischnig mit 800 000 bis 1,2 Millionen Franken. Finanziert werden soll das Ganze einerseits durch die Vermietung der Arbeitsplätze, wobei Start-ups im ersten Jahr keine Miete bezahlen. Andererseits treten die Firmen als Sponsoren auf. Weiter sollen Grossfirmen an Bord geholt werden, die im Hub eigene Innovationsteams temporär ausgliedern können.

Finanzierung über die Schaffung neuer Währungen

Die mit Abstand wichtigste Finanzierungsquelle sind jedoch sogenannte Initial Coin Offerings (ICO), über die – analog zum Initial Public Offering (IPO), also dem Börsengang einer Firma – neue Cyberwährungen geschaffen werden können.

Unternehmen können ICO nutzen, um Kapital zu generieren. Sie schaffen dadurch über die Blockchain eine eigene Währung, die von den Investoren in der Regel über Bitcoins erworben wird. Bei dieser Art der Finanzierung erhalten Anleger keine Aktien, sondern sogenannte Token, die an speziellen Krypto-Börsenplätzen gehandelt werden können. «Es gibt in Zug einige Firmen, die über ICO viele Millionen gesammelt haben. Diese Unternehmen sollten einen Teil des gesammelten Kapitals in den Hub investieren», sagt Glabischnig, selber Verwaltungsrat der Zuger Ethe­risc Holding AG, die noch in diesem Jahr einen ICO durchführen wird. Im Zuger «Genesis Hub» sollen Zahlungen für Dienstleistungen und Raummieten mit dem neu geschaffenen Crypto Valley Labs Token bezahlt werden.

Allerdings sind ICO nicht unumstritten. Erst am Montag hat China diese Form der Finanzierung landesweit verboten. «ICO sind eine Art illegale öffentliche Kapitalbeschaffung, die im Zusammenhang mit kriminellen Machenschaften wie Betrug und Schneeballsystemen stehen», teilte die Zentralbank mit. Glabischnig betont allerdings, dass ICO in der Schweiz «deutlich seriöser vorbereitet» würden als anderswo: «Die Tokens werden bei uns in der Regel nicht als Spekulationsinstrument verwenden. In China herrschen diesbezüglich eher Wildwestmethoden.»

Man sei sich aber durchaus bewusst, dass hier Aufklärungsbedarf bestehe. Deshalb unterstütze der Rechtsberater MME die Finanzmarktaufsicht, die eine Regulierung erarbeitet. Glabischnig glaubt, dass der Standort Schweiz letztlich vom ICO-Verbot in China profitieren werde.