ZUG: Das Ende einer wenig geliebten Schrift

Bald lernen die Erstklässler die sogenannte Basisschrift. Diese löst Block- und Schnürlischrift ab und soll den Schülern die Arbeit erleichtern. Manche Erwachsene hätten sich das schon längst gewünscht.

Susanne Holz
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Zugs Bildungsdirektor Stephan Schleiss schreibt gerne von Hand und mag die Schnürlischrift. (Bild Stefan Kaiser)

Zugs Bildungsdirektor Stephan Schleiss schreibt gerne von Hand und mag die Schnürlischrift. (Bild Stefan Kaiser)

«Man kann mit der Schnürlischrift nicht schnell schreiben – die Blockschrift ist viel einfacher», sagt eine Zuger Fünftklässlerin. Ein Drittklässler meint sogar: «Die Schnürlischrift ist so schwierig, dass nur die Lehrer sie schreiben können.» Zwei Primarschüler stöhnen über die Schnürlischrift. Und liegen damit wohl gar nicht so falsch. Denn im Rahmen einer Nationalfondsstudie hat man an der Pädagogischen Hochschule Luzern bereits im Schuljahr 2009/10 die schreibmotorischen Leistungen von Viertklässlern in Abhängigkeit vom unterrichteten Schrifttyp untersucht. Und dabei festgestellt: Bezüglich Leserlichkeit und Geläufigkeit der Schrift ist die der Blockschrift ähnliche Basisschrift gegenüber der Schnürlischrift eindeutig im Vorteil.

So wurde im Kanton Luzern die Basisschrift schon 2011 obligatorisch eingeführt. Und was genau ist nun die Basisschrift? Die Zuger Direktion für Bildung und Kultur erklärt: «Die Buchstabenformen der Basisschrift werden unverbunden gelernt und dann, wenn dies den Bewegungsablauf erleichtert, teilweise verbunden. Damit sollen unnatürliche Bewegungsabläufe mit vielen Richtungsänderungen, die bei den Kindern zu Verkrampfungen führen können, vermieden werden.»

Entkrampft und schnell

Die Leiterin der Zuger Schulentwicklung, Martina Krieg, führt aus: «Mit der Basisschrift lernt man früher, schnell zu schreiben. Ihre Buchstaben lassen sich leichter verbinden.» Bisher hätten Zuger Schüler in der ersten Klasse die Blockschrift gelernt und in der zweiten die Schnürlischrift, sprich Schweizer Schulschrift. Nun lerne man in den ersten zwei Primarklassen die Basisschrift – wobei man ab der dritten Klasse deren Buchstaben verbinden dürfe.

Eine entkrampfte und schnelle Art des Schreibens. Das klingt viel versprechend. Leserlich soll die Basisschrift sein und zugleich persönlich geprägt. Und sie soll nicht zuletzt den Knaben das Leben erleichtern. «Viele Buben leiden unter der Schnürlischrift», weiss Martina Krieg. «Sie bekunden Mühe mit ihr. In ihrer feinmotorischen Entwicklung sind Buben etwas später dran als die Mädchen.» Generell sei da viel Schmerz, der mit ins Erwachsenenalter genommen werde – so nachhaltig negativ würden manche die Schnürlischrift erleben.

Eine schöne Optik

Alle dann aber auch wieder nicht. Fragt man Zugs Bildungsdirektor Stephan Schleiss nach seinen Erfahrungen mit der Schnürlischrift, so lautet die Antwort: «Ich habe mich nie gegen die Schnürlischrift gesträubt – mir gefällt sie auch optisch sehr gut.» Weshalb er die Schnürlischrift nun nicht «mit Freude über Bord werfe». Stephan Schleiss betont jedoch: «Ich befürworte die Basisschrift. Sie ist eine Erleichterung für die Schüler.» Die in Luzern unternommenen Studien hätten gezeigt, dass es zur Entwicklung einer eigenen Handschrift gar keine Schnürlischrift brauche.

Und eine eigene Handschrift zu haben, ist auch im digitalen Zeitalter ein hohes Gut. «Ich schreibe gerne von Hand», erzählt der Bildungsdirektor von sich. Er führe ein Heft mit Notizen, schreibe gerne Karten und mache auch eine Auslegeordnung lieber von Hand: «Der kreative Prozess fliesst besser, wenn man sich auch physisch mit der Materie auseinandersetzt.» Genau zu diesem Schluss kommen laut Bildungsdirektion auch neurowissenschaftliche Studien: Kinder und Jugendliche begriffen Lerninhalte besser, wenn sie sich handschriftliche Notizen machten.

Andere Kantone ziehen nach

Vergangenen November empfahl die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz D-EDK den Kantonen die Basisschrift zur Einführung. Neben Zug wird auch Obwalden ab dem kommenden Schuljahr die neue Schrift etablieren. Ein Jahr später folgen Schwyz und Uri. In Nidwalden soll es ab dem Schuljahr 2017/18 so weit sein – zusammen mit der Einführung des Lehrplans 21.

In Zug nimmt die Gemeinde Neuheim eine Vorreiterrolle ein. Seit zwei Schuljahren wird dort mit der Basisschrift gearbeitet. «Sie ist ein Erfolgsmodell», teilt Neuheims Rektor Alois Huber mit. «Die Lehrpersonen waren sofort begeistert. Bei den Schülern ist sie auch sehr gut angekommen.» Alois Huber findet gut, dass es jetzt nur noch eine Schrift gibt: «Das befürworten auch die Psychomotoriker.» Er habe oft genug die Schwierigkeiten der Schüler miterlebt, wenn von der Block- auf die Schnürlischrift gewechselt worden sei. Beim aktuellen Wechsel besteht in dieser Hinsicht keine Gefahr. Denn nur Erstklässler und alle künftigen Schüler stellen um.

Susanne Holz