Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZUG: Das grosse Geld mit Bambus-Plantagen versprochen

Der Hauptverurteilte im Prozess gegen die «Käfer-Truppe» wird noch einige Monate mehr im Gefängnis verbringen müssen. In einem weiteren Betrugsverfahren hat das Obergericht kürzlich eine Zusatzstrafe gegen ihn und seine Ehefrau verhängt.
Das Zuger Obergericht. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Das Zuger Obergericht. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Im Mai letzten Jahres wurde der führende Kopf der sogenannten «Käfer-Truppe» vom Zuger Obergericht wegen gewerbsmässigen Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Misswirtschaft zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Auch andere Mitglieder der Truppe waren angeklagt, unter anderem seine Ex-Frau.

Die Truppe hat unter anderem zwischen 2006 und 2007 Investoren mit aggressiven Telefonmarketingmethoden Aktien eines «Start-up-Unternehmens» verkauft, die sich danach als Schrottpapiere herausstellten. Mit dem Unternehmen sollte das sogenannte Mixed-Martial-Arts-Konzept der Ultimate Fighting Championship (UFC) in Europa im grossen Stil aufgezogen werden. Geködert wurden die Opfer mit der Aussicht auf sensationelle Renditen. Der Gesamtschaden belief sich auf mindestens 7 Millionen Franken. Das damalige Ehepaar soll aber schon seit den 90er-Jahren Geld in Millionen­höhe ergaunert haben. Das SRF nannte sie einmal in einer Doku «Die Verführer».

Bambuspflanzungen auf den Philippinen

Im Herbst letzten Jahres nun gab es ein weiteres Verfahren vor dem Obergericht Zug gegen die beiden, für das nun das Urteil veröffentlicht wurde. Die Verhandlung dazu vor dem Strafgericht Zug hatte 2016 stattgefunden. Es ging wieder um gewerbsmässigen Betrug. Die beiden sollen zwischen März 2012 und März 2013 über eine von ihnen beherrschte Firma Investoren angeworben haben, um diese zum Abschluss von Pacht-, Service- und Abnahmeverträgen zu bewegen. Gesagt wurde, dass die Firma Land für die Investoren auf den Philippinen pachte, darauf einen speziellen Bambus anpflanze, den geernteten Bambus abnehme und verkaufe. Geheissen habe es, das Investment sei sicher und frei von wesentlichen Risiken. In Wirklichkeit jedoch hätten die beiden von Anfang an geplant, die akquirierten Gelder eben nicht in das Projekt zu investieren, sondern für Provisionen und ihren Lebensunterhalt zu verwenden, so die Staatsanwaltschaft. Zehn Investoren hätten somit insgesamt 170000 Franken verloren. Der Frau wurde zudem zur Last gelegt, jemanden dazu gebracht zu haben, ein Darlehen für die Firma zu gewähren, obwohl diese überschuldet und nicht kreditwürdig gewesen sei. Zudem wurde den beiden ungetreue Geschäftsbesorgung zur Last gelegt, da sie das Geschäftsvermögen ohne sachlichen Grund um die 170000 Franken vermindert und für private Zwecke verwendet hätten.

Auch Staatsanwaltschaft legte Berufung ein

Der Angeklagte wurde vom Strafgericht deswegen unter anderem zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten verurteilt, seine Ex-Frau unter anderem zu einer bedingten von 16 Monaten. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Angeklagte legten Berufung ein. Letztere zweifelte unter anderem die Glaubwürdigkeit der Aussagen des Darlehensgebers an. Dieser habe schon zweimal in Gesellschaften der Familie investiert gehabt und die Investitionen im Anschluss verloren. Deshalb sei es nachvollziehbar, dass er im aktuellen Fall ein Interesse daran habe, es so darzustellen, dass er betrogen worden sei, um sein Geld zurückzuerhalten oder immerhin eine Verurteilung gegen die Angeklagten zu erwirken. Die Verurteilung gegen sie beruhe aber grösstenteils auf dessen Aussagen. Zudem behauptete sie, bei der Tat nur die Strohfrau ihres Mannes gewesen zu sein. Sie verlangte eine Aufhebung des Urteils gegen sich. Das Obergericht schätzte die Aussagen des Darlehensgebers aber analog zur Vorinstanz als glaubhaft ein. Dieser habe glaubhaft versichert, wie subtil sie vorgegangen sei, in dem sie ihn erst nach seinen Träumen gefragt habe und ihm dann vorgaukelte, bei der Realisierung behilflich zu sein. Auch ihre anderen Kritikpunkte wurden nicht goutiert und das Urteil nicht aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft hingegen wandte in der Berufung ein, dass die Vorinstanz einige Indizien, die aufzeigen würden, dass auch der Angeklagte durchgehend über den Betrug mit dem Unternehmen informiert gewesen sei, zu wenig gewürdigt habe, wie etwa E-Mails mit unzähligen Hinweisen darauf. Das Strafgericht hatte es hingegen aufgrund der Beweislage nicht für möglich erachtet, ihm eine zentrale und führende Rolle nachzuweisen.

Das Obergericht sieht dies anders, es verurteilt ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Monaten, die er zusätzlich zur bestehenden Haftstrafe von fünf Jahren verbüssen muss. Schon zum Zeitpunkt der Verhandlung hielt er sich in der Strafanstalt Bostadel im vorzeitigen Strafvollzug auf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Beide Verteidiger teilen aber auf Nachfrage mit, dass sie den Fall eher nicht weiterziehen werden.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.