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ZUG: Das harte Geschäft mit der Milch

Die Zahl der Milchbetriebe im Kanton sinkt von Jahr zu Jahr. Mit der schwierigen Marktsituation kämpfen auch industrielle Betriebe – wie ein aktuelles Beispiel aus Hünenberg zeigt.
Investitionen in Melkanlagen rechnen sich für Bauern nur, wenn der Milchpreis ein gewisses Level hat. (Archivbild Stefan Kaiser)

Investitionen in Melkanlagen rechnen sich für Bauern nur, wenn der Milchpreis ein gewisses Level hat. (Archivbild Stefan Kaiser)

Rahel Hug

Kürzlich hat eine Nachricht aus Hünenberg in der Landwirtschaftsbranche für Aufruhr gesorgt. Der «Blick» ­machte Ende August publik, dass Reto Weibel, der grösste Zentralschweizer Milchbauer, seinen Betrieb einstellt. Auf ­seinem Hof hält der Landwirt rund 280 Kühe, bis zu 2,85 Millionen Liter Milch werden auf dem industriellen Milchbetrieb jährlich produziert. Was bringt einen der grössten Milchbauern der Schweiz dazu, aufzugeben? Über die Gründe für den Entscheid kann nur spekuliert werden, denn selber möchte sich die Bauernfamilie nicht zum Thema äussern. «Wir hören auf mit der Milchproduktion, aber nicht mit dem Bauern», sagt Jolanda Weibel, Reto Weibels Ehefrau, auf Anfrage lediglich. Man habe sich entschieden, keine weiteren Auskünfte zu geben.

Milchpreis als Hauptgrund

Im Kanton Zug jedenfalls hat der Entscheid aus Hünenberg zu reden gegeben – auch bei Franz-Toni Imfeld, dem Präsidenten des Zuger Bauernverbandes. «Ich kann nur eine allgemeine Einschätzung abgeben», betont der Landwirt aus Risch, denn er habe nicht persönlich mit Reto Weibel gesprochen. Er könne sich aber gut vorstellen, dass der tiefe Milchpreis der Hauptgrund für den Entscheid gewesen sei. Dieser liegt derzeit bei 68 Rappen pro Kilogramm, wobei die meisten Bauern rund zehn Rappen weniger ausbezahlt erhalten, und macht der Branche seit längerem zu schaffen.

Immerhin hat die Branchenorganisation Milch am 28. August entschieden, den Richtpreis für A-Milch (Molkereimilch) bis Ende Jahr bei 68 Rappen zu belassen (wir berichteten). Doch trotz diesem Signal geht offenbar für einige Bauern die Rechnung nicht auf: «Wenn ein Betrieb nur auf die Karte Milch setzt, kann das in guten Zeiten funktionieren. In schlechten Zeiten ist das Risiko dann umso grösser», hält Franz-Toni Imfeld fest. Die Neuigkeit habe ihn zwar überrascht, doch das ­Sterben von Milchproduktionsbetrieben finde schon seit längerer Zeit statt. «Früher hat es die kleineren Betriebe getroffen. Dass nun einer der grössten aufgibt, ist aber schon beunruhigend.» Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses habe die schwierige Situation der Milchbauern zusätzlich verschärft. «Beim Käsemarkt etwa sind die Grenzen in Europa offen. Dort herrscht aktuell ein enormer Preisdruck», sagt der Verbandspräsident. Für viele Bauern werde dieser Spagat immer schwieriger, das Geschäft lohne sich nicht mehr. «Ich kenne allein im Ennetsee rund fünf Milchbauern, die sich überlegen oder bereits konkrete Pläne haben, die Produktion einzustellen», berichtet Franz-Toni Imfeld.

Viele Faktoren spielen mit

Dass derzeit mehrere Landwirte im Kanton überlegen, aus der Milchproduktion auszusteigen, bestätigt auch Martin Pfister, Rektor des landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Schluechthof in Cham. Allerdings könne ein solcher Entscheid vielfältige Gründe haben. Pfister spricht unter anderem die Wirtschaftlichkeit, die Arbeitsorganisation, die familiäre Situation oder die strategische Ausrichtung an. «Es sind viele Faktoren, die mitspielen. Ich gehe davon aus, dass sich Reto Weibel diesen Schritt gut überlegt hat.» Bei vielen Betrieben sei es aber schon der Milchpreis und der dadurch entstehende Druck, der letztlich das Fass zum Überlaufen bringe. Gemäss Martin Pfister müsste ein Bauer rund 80 Rappen pro Liter Milch erhalten, um rentabel produzieren zu können. «Man kann deshalb schon sagen, dass die jetzige Marktsituation für Milchbauern nicht gerade motivierend ist.»

280 Milchbetriebe im Kanton

Gemäss dem Landwirtschaftsamt des Kantons Zug gibt es aktuell 280 sogenannte Verkehrsmilch produzierende Landwirtschaftsbetriebe. Im Jahr 2000 waren es noch 486. Die Anzahl der Milchproduzenten ist seitdem stetig gesunken: 2005 waren es noch 385 Betriebe, im Jahr 2010 produzierten 327 Bauern Milch. Allerdings, so hält Amtsleiter Roger Bisig fest, beträgt die im Kanton produzierte Milchmenge konstant rund 40 Millionen Kilogramm – trotz des Rückgangs der Milchbetriebe. «Es hat eine Konzentration der Produktion stattgefunden, ganz wie es die industrielle Logik will.»

Auch Bisig kennt die genauen Beweggründe von Reto Weibel nicht. Im Milchgeschäft seien aber die Margen generell klein: «Die Milchverarbeiter haben die Marktmacht, und die Bauern können sich nicht dagegen wehren», sagt der Amtsleiter. Ausserdem sei die Milchmenge in Europa zu gross, was den Preis auch in der Schweiz drücke. «Man kann mit der Milchproduktion derzeit nicht viel Geld verdienen. Entweder ein ­Bauer entscheidet sich in dieser Situation für ‹Augen zu und durch› oder er steckt den Kopf in seine Buchhaltung und entscheidet auf dieser sachlichen Grundlage.» Bei einem Entscheid für oder gegen die Weiterführung der Milchproduktion sei die Buchhaltung zwar nicht der einzige, aber ein wichtiger Aspekt. «Diese Rechnung hat wahrscheinlich auch Reto Weibel gemacht.»

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