ZUG: Das Messefundstück: Der Mixer, der alles mixt

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Mann am mirakulösen Mixer: Josef Raggam mischt kuriose Mischungen zu köstlich Essbarem. (Bild Werner Schelbert)

Mann am mirakulösen Mixer: Josef Raggam mischt kuriose Mischungen zu köstlich Essbarem. (Bild Werner Schelbert)

Der Knoblauch stösst ein wenig auf. Wunderbar sei das alles, sagte Josef Raggam, der Mann mit den buschigen Brauen und dem breiten Lächeln, noch vor fünf Minuten und meinte die Auslegeordnung auf seinem Tisch. Als hätte er per Würfel eingekauft. Sein Mixer mixe alles. Ein Schweizer Produkt, wahre Ingenieurskunst sei das, pries er selbstbewusst sein Wunderwerk der Technik an. Mein Blick schweifte über das gewagt breite Spektrum seiner Auslage. Alles? Klingt ja lustig, dann bitte einmal etwas mit diesem blauen Likörzeugs bitte und möglichst auch etwas von dem gelben Gemüse da.

Ich wusste nicht, auf was ich mich einlasse. Ich dachte, meine Kühnheit schüchtere ihn ein. Doch seine Augenbrauen hüpften vor Freude in die Höhe und, zack, zack, landete Gemüse und Likör im Mixer. Wie er denn die Mischungen mache, obs da Rezepte gäbe, fragte ich unschuldig. «Ja, ja, natürlich gibts da Rezepte.» Mein Blick blieb an etwas Eingelegtem kleben. Nur kurz. Ihm reichte der Moment. «Mögen Sie das?», fragte er rhetorisch und schwups, landete es im Mixer. Entgeistert schaute ich ihn an. Von wegen Rezepte! Mir wurde mulmig, und plötzlich sahen seine Augenbrauen auch nicht mehr so freundlich und kuschelig-buschig aus. Na gut! Er will spielen? Kann er haben! Betont lässig lehnte ich mich an den Tisch und ging zum Angriff über. Beiläufig fragte ich, ob wohl auch noch das da passen würde, und zeigte auf ein Gemüse mit besonders gewagter Farbe. «Aber natürlich.» Mit einer dienstfertigen Geste landete das Ding im Mixer. Er durchschaut das Spiel und macht sich lustig, dachte ich. Kalter Schweiss bildete sich auf meiner Stirn, doch ich wollte ihm die Genugtuung meines Rückzugs nicht gönnen. Also schluckte ich einmal leer und presste mit einem mühsamen Lächeln hervor: «Etwas Minze könnte ja auch nicht schaden.» Das begeisterte Blitzen in seinen Augen liess meine Knie weich werden. Und zack vermischte sich die Minze mit dem Rest meines sicheren Untergangs. Die Angst liess mein Herz klopfen, und ich fühlte mich einem Kollaps nahe. Ich konnte mir von aussen zusehen, wie ich, am Ende meiner Kräfte, noch hilflos auf den Knoblauch zeigte. Wie dumm von mir.

Der Mixer verstummte. Meine schweissbedeckte Hand griff nach dem dargebotenen Becher. So endet es also. Auch Sokrates musste letzten Endes vor dem Giftbecher kapitulieren, ich trat also in würdige Fussstapfen. Mit zitternden Fingern führte ich das Gebräu an meine trockenen Lippen. Und es schmeckte! Sehr gut sogar. Ein wahrer Künstler, dieser Herr. Nur eben der Knoblauch, der stösst ein wenig auf.

Lionel Hausheer