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ZUG: Das Nötigste für ein wenig Privatsphäre

Seit März wohnen die ersten Flüchtlinge im Salesianum. Unsere Zeitung war für einen Augenschein vor Ort.
Andreas Faessler
Unterhalten sich im Aufenthaltsraum des Salesianums (von links): Medi der Betreuer, Muna, Hodan und Wardo. (Bild Christian Herbert Hildebrand)

Unterhalten sich im Aufenthaltsraum des Salesianums (von links): Medi der Betreuer, Muna, Hodan und Wardo. (Bild Christian Herbert Hildebrand)

Vor rund fünf Wochen ist im zuvor leer stehenden Salesianum wieder Leben eingekehrt. 20 Männer und 5 Frauen aus Afghanistan, Somalia, Eritrea, Sri Lanka und dem Irak bilden die erste Gruppe an Flüchtlingen, welche derzeit im historischen Haus am See eine temporäre Unterkunft finden. Vor­aussichtlich nächste Woche werden weitere Menschen einziehen. Die Zimmer stehen auch für sie bereit. Ausgestattet mit einem Kühlschrank pro Raum und einfachen Betten mit je einem Schaft ist das Nötigste vorhanden, um den Menschen ein wenig Privatsphäre zu ermöglichen. Für die Männer gibt es Mehrbettzimmer, die Frauen wohnen hauptsächlich in Zweibett- und teils Einzelzimmern. Abgesehen von der Bettenzahl ist die Ausstattung überall gleich schlicht, einzig die – noch leeren – Familienzimmer verfügen über eine kleine Küche.

Selbstständigkeit lernen

Mehdi Grond, Mitarbeiter soziale Dienste Asyl, ist Leiter der Unterkunft und einer von zwei Beaufsichtigern, die im Salesianum zum Rechten schauen. Der gebürtige Tunesier lebt seit zwölf Jahren in der Schweiz und spricht neben Deutsch, Italienisch und Französisch auch Arabisch, was ihm für die Kommunikation mit den Bewohnern sehr entgegenkommt. Es verlaufe bisher alles friedlich und ohne irgendwelche Komplikationen, sagt Grond. «Auch die Hausordnung wird von allen respektiert und eingehalten.» Ein Anschlagbrett informiert über die wichtigsten Punkte. Auseinandersetzungen etwa oder ernstere Spannungen habe man trotz der unterschiedlichen Ethnien auf kleinem Raum bislang noch keine beobachtet.

«Wichtig ist, dass die Bewohner schnell Selbstständigkeit lernen und ihren Alltag strukturieren», sagt Jris Bischof, Leiterin des kantonalen Sozialamtes. Jeder Bewohner habe einen persönlichen Sozialarbeiter zugewiesen, der dabei Unterstützung biete. Waschen, einkaufen, kochen, die Zimmer ordentlich halten – Dinge, die selbstverständlich werden müssen. «Die Einführung der Neuankömmlinge ist jeweils recht aufwendig», sagt Roland Hotz, Leiter Liegenschaften soziale Dienste Asyl. Sind es doch Punkte und Regeln, die für einige Menschen ganz neu sind. Ein Glücksfall für die Unterkunft im Salesianum waren einerseits die Internetstationen, welche von einer Firma spendiert worden sind, sowie die Möglichkeit, dass im ehemaligen Bibliotheksraum im Untergeschoss ein Arztzimmer eingerichtet werden konnte, was die Betreuung erleichtert. Als kleines gemeinnütziges Beschäftigungsprogramm haben die Bewohner die Möglichkeit, den Reinigungsdienst für die gemeinschaftlichen Räume zu übernehmen. Dafür werden sie entlöhnt.

Weitere Liegenschaften gesucht

Das Thema Unterkünfte für Flüchtlinge wird den Kanton Zug 2016 weiterhin stark beschäftigen, denn mit einer Kapazität von gut 80 Personen stösst auch das Salesianum früher oder später an seine Grenzen. Der Kanton will weitere Liegenschaften realisieren bzw. anmieten, welche für Asylzwecke genutzt werden können. «Es ist insbesondere für Familien mit Kindern wichtig, dass sie an einem Ort langfristig bleiben können», sagt Jris Bischof. Darum strebe man möglichst unbefristete Mietverträge an. Das trifft beim Salesianum bekanntlich nicht zu – der Mietvertrag mit Verlängerungsoption läuft bis Ende August 2017. Mindestens bis dahin werden Menschen unterschiedlicher Nationen das denkmalgeschützte Haus am Zugersee beleben.

Andreas Faessler

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