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ZUG: «Das sind alles legale Firmen»

Es gibt sie zu Tausenden in Zug: jene Firmen, die nur auf dem Papier existieren, aber ein Bankkonto haben. Schaden diese gemäss jüngsten Enthüllungen nicht dem heimischen Wirtschaftsstandort?
Wolfgang Holz
Umstritten: Briefkastenfirmen in Zug. Allein an der Baarerstrasse in der Stadt Zug sind über 700 solcher Firmen registriert. (Bild Werner Schelbert)

Umstritten: Briefkastenfirmen in Zug. Allein an der Baarerstrasse in der Stadt Zug sind über 700 solcher Firmen registriert. (Bild Werner Schelbert)

Wolfgang Holz

«Briefkastenfirmen schaden dem Image des Wirtschaftsstandorts Zug nicht», stellt Finanzdirektor Heinz Tännler klar. «Schliesslich sind alle diese Firmen in Zug legal – und wir haben keine Probleme mit ihnen.» Der Zuger Landammann hat die Informationen über die Panama Papers den Medien entnommen. Informationen darüber hinaus stünden dem Kanton Zug nicht zur Verfügung. Falls die veröffentlichten Daten stimmen, seien diese «bedauerlich» und «untragbar» – insbesondere, was die Machenschaften internationaler Staatsoberhäupter angehe.

Was die wirtschaftliche Bedeutung der Briefkastenfirmen für den Kanton Zug angeht, unterstreicht Tännler, dass diese «substanzarm» seien und gerade mal 1 Prozent des Kantonssteuerertrags ausmachten. Allerdings würden diese Domizilgesellschaften mit 8 bis 9 Prozent direkt vom Bund besteuert, wovon der Kanton Zug wiederum 17 Prozent erhalte. Was die Möglichkeit des Missbrauchs solcher Briefkastenfirmen betrifft, würden das strenge schweizerische Geldwäschereigesetz sowie das Controlling der Zuger Steuerverwaltung entsprechende Riegel vorschieben. Tännler: «Gerade auf dem Platz Zug haben wir mit dem Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen pionierhaft eine Selbstregulierungsorganisation aufgebaut. Und in Zukunft werden steuerrechtliche Privilegien der Domizilgesellschaften durch die Unternehmenssteuerreform III ja ohnehin wegfallen – Briefkastenfirmen werden dann ordentlich besteuert.» Dies könnte zu einer Reduktion dieser Firmen in Zug führen.

«Verbot prüfen»

Laut Jonas Feldmann, Vorstandsmitglied der Jungen Alternative in Zug, offenbaren die Panama Papers indes die Korruption und die gewaltigen Dimensionen der legalen und der illegalen Steuerflucht. Die jüngsten Enthüllungen zerrten schonungslos die Praktiken des heutigen Offshore-Finanzsystems ans Licht. «Leider stehen die konservativen bürgerlichen Parteien immer wieder auf die Bremse. Sie wollen weder die Verwendung von unversteuerten Geldern sanktionieren noch die Hürden für Geldübertragungen aus beziehungsweise in Steueroasen erhöhen.» Die Junge Alternative will daher prüfen, ob ein Verbot für Briefkastenfirmen auf kantonaler Ebene möglich ist.

Zugs neuer CVP-Ständerat und Finanzexperte Peter Hegglin warnt davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. «Man sollte sich vor undifferenzierten Verallgemeinerungen hüten.» Er habe persönlich keine Erfahrungen mit Briefkastenfirmen, zumindest nicht aus erster Hand. Er habe aber regelmässig mitbekommen, dass in den Medien immer mal wieder darüber diskutiert wurde und dass es offenbar auch ärgerliche Missbrauchsfälle gab. «Gleichzeitig habe ich aber auch von Fällen erfahren, in denen solche Strukturen durchaus Sinn machten und auch den in- und ausländischen Steuerbehörden gegenüber immer transparent offengelegt wurden.»

Bis vor einigen Jahren bestand laut Bruno Aeschlimann, dem Präsidenten der Zuger Treuhändervereinigung, nach privilegiert besteuerten Firmen in der Tat eine relativ grosse Nachfrage, was zu einem entsprechenden Angebot von Dienstleistern geführt habe. Im Zuge der Entwicklungen im internationalen Steuerbereich verliere die Besteuerung als Domizilgesellschaft aber seit einiger Zeit stetig an Attraktivität. Grund: Diese Firmen würden von ausländischen Steuerämtern entsprechend ihren eigenen Steuergesetzen besteuert. Aeschlimann geht deshalb davon aus, «dass diese Domizilgesellschaften in absehbarer Zeit mehr oder weniger verschwinden.» Der Zuger Treuhänder räumt grundsätzlich aber ein, «dass solche Briefkastenfirmen für illegale Zwecke missbraucht werden können».

Bank ohne Offshore-Geschäfte

Die Zuger Kantonalbank hat deshalb schon seit Jahren ihre Konsequenzen in Sachen Briefkastenfirmen gezogen. «Wir haben die Panama Papers zur Kenntnis genommen – sie betreffen die Zuger Kantonalbank in keiner Weise», erklärt Carmen Wyss, Leiterin der Kommunikation. Grund: «Unsere Bank bietet keinerlei Dienstleistungen für sogenannte Offshore-Firmen an.»

Was halten Sie von den Panama Papers?

Schweizer Finanzintermediäre vermittelten 34 301 Offshore-Konstrukte. Darunter finden sich die Credit Suisse Channel Islands Limited, die UBS, die Luxemburger Tochterfirma der Basler Privatbank J. Safra Sarasin sowie die Schweizer HSBC-Tochter. Was halten Sie von dieser Praxis?
Maurice Pedergnana*:
Die Steuergesetzgebungen lassen diverse Wege zu, um Steuern zu optimieren. Solche Steuerpraktiken hat auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann mit seiner Ammann-Gruppe genutzt. Dabei seien Schweizer Steuerbehörden über jeden Schritt im Bild gewesen. Dies ist nicht unüblich, aber es hinterlässt ein laues Bauchgefühl, ob alles, was nicht verboten ist, getan werden sollte. Bei der UBS wie bei Credit Suisse würde es mich erstaunen, wenn sie trotz der Vereinbarungen mit der US-Justiz nebulöse Steuerhinterziehungspraktiken aufrechterhalten hätten.

In Zug gibt es viele Briefkastenfirmen. Ist das System noch transparent?
Pedergnana:
Die Mauern der Geheimnisse bröckeln immer mehr, das heisst die Transparenz wird eher grösser, auch weil die Datensicherheit nicht zu 100 Prozent garantiert werden kann. Zwar ist es immer noch möglich, eine Kette von vier Gesellschaften in drei Ländern mit zwei involvierten Banken zu errichten, um die Spuren von Geldtransaktionen danach möglichst rasch wieder zu verwischen. Möglicherweise verhält sich die eine oder andere Bank noch naiv, doch mir fehlt der Glaube, dass Schweizer Banken systematisch zu illegalen Praktiken immer noch Hand bieten. Gewiss ist: Bei den Kantonen wie auch bei Kantonalbanken sind Briefkastenfirmen verpönt. Sie werden abnehmen und liquidiert.

Ist das noch zeitgemäss?
Pedergnana:
Entscheidend ist das Bundesgericht. Dieses hat im Mai 2013 entschieden, dass der steuerlich massgebende Ort der Verwaltung einer Gesellschaft dort liegt, wo eine Gesellschaft ihren wirtschaftlichen und tatsächlichen Mittelpunkt hat. Das heisst, dass nicht der Briefkasten beispielsweise für die Besteuerung entscheidend ist, sondern der Ort, wo die Geschäftsführung substanziell besorgt wird. Deshalb hat auch der Kanton Zug kein Interesse an reinen Briefkastenfirmen, aber an Unternehmen, die ihre «Substanz» in den Kanton verlegen.

Was müsste sich ändern?
Pedergnana:
Die grössten Sünder hinsichtlich der Offshore-Strukturen sind die USA und Grossbritannien. Diese Länder hätten es in der Hand, mehr zu tun, müssten aber die meisten Fälle im eigenen Land angehen. Als OECD-Land hat sich die Schweiz verpflichtet, Reformvorhaben zu unterstützen und die erkannten Lücken in der länderübergreifenden Unternehmensbesteuerung zu schliessen. Für die Bekämpfung der Steuerhinterziehung gilt dasselbe: Es hat unseren Standort schon glaubwürdig gemacht, dass alle Handlungen aus einem gewichtigen Steuervergehen als Vortat für Geldwäscherei gelten und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft wird.

Bernard Marks

* Mauricio Pedergnana ist Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ)

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