ZUG: Datenschützer mahnt zur Vorsicht mit Smart Meters

Der Datenschützer des Kantons Zug, René Huber, mahnt im Umgang mit so genannten Smart Meters zur Vorsicht. Das ständige detaillierte Erfassen des Stromverbrauchs mache das Leben im einzelnen Haushalt weitgehend durchsichtig. Die Daten müssten laut Huber anonymisiert werden.

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Private Daten werden bei ungenügender Vorsicht schnell transparen. Themenbild. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Private Daten werden bei ungenügender Vorsicht schnell transparen. Themenbild. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Familie Müller pflegt kurz nach 7 Uhr morgens aufzustehen, Herr Meier trinkt gern einen Tee oder eine heisse Milch, bevor er um 23.30 Uhr das Licht löscht, Frau Schmid hat häufig spätabends Besuch und macht zweimal im Jahr mehrere Wochen Ferien.

Solche und ähnliche Erkenntnisse ermöglichen die neuen digitalen Stromzähler, die nun auch im Kanton Zug Einzug halten sollen - die so genannten Smart Meters. Die Informationen werden den einzelnen Kunden gleich mitgeteilt. Ziel ist, Strom zu sparen. Allerdings sei damit auch das "gläserne Leben" vorprogrammiert, warnt der Zuger Datenschützer. Obendrein sei der Spareffekt minimal.

Es sei verständlich, dass die Wasserwerke Zug auf das "Fernablesen" umstellen und nicht mehr in jeden Haushalt einen Stromableser schicken wollten, sagte Huber zur Nachrichtenagentur sda. Den WWZ sei auch nicht an den privaten Details gelegen - "die WWZ sind kein Daten-Krake": Aber wo Daten erhoben würden, würden sie auch ausgewertet.

Für die individuelle Stromabrechnung genügten die Aufzeichung der schon bisher erhobenen Angaben zum Stromverbrauch. Sie geben darüber Auskunft, wieviel Strom Familie Müller, Herr Meier und Frau Schmid pro Monat zum Nieder- und zum Hochtarif verbraucht. Die Smart Meters könnten entsprechend eingestellt werden.

Anonymisieren nötig

Was darüber hinaus gehe, müsse anonymisiert werden, schreibt Huber in seinem am Mittwoch veröffentlichten Tätigkeitsbericht 2012. Das könne durch den Zusammenzug von beispielsweise 20 Wohnungen oder den Haushalten eines ganzen Quartiers. Dann sei die Privatsphäre gewahrt.

Der Kanton Zug führt zurzeit in zwei Neuüberbauuungen einen Pilotversuch mit Smart Meters. Noch dieses Jahr soll das Kantonsparlament im Rahmen der Energiegesetz-Revision über die Einführung der digitalen Zähler entscheiden.

Auch in anderen Kantonen sind Smart Meters ein Thema. So haben etwa im Kanton Zürich die EKZ sich für eine schrittweise flächendeckende Installation entschieden, dies, obwohl erste Ergebnisse eines Pilotversuchs ernüchternd geringe Stromeinsparungen zeitigten. Flächendeckend eingeführt sind die intelligenten Zähler laut Huber längst etwa in den USA, in Italien und Spanien.

Mehr Privatsphäre für Immobilienbesitzer

Mehr Privatsphäre gibt es für Immobilienbesitzer im Kanton Zug. Seit 2005 konnte jeder, den es interessierte, im Internet abrufen, wem ein bestimmtes Haus oder eine Wohnung gehört. Das müssen sich die Betroffenen Besitzer seit Anfang 2013 nicht mehr gefallen lassen: Sie können die Veröffentlichung ihres Namens im Internet kostenlos sperren lassen.

Weiterhin einsehbar sind die Angaben auf dem Grundbuchamt, so Huber. Denn dafür besteht in der Schweiz ein gesetzlich verbriefter Anspruch. Dies sei ein legitimer Anspruch und das Amt habe eine gewisse Kontrolle, so Huber, der dies nicht beanstandet.

Ebenfalls kostenlos für das unkontrolliert Abrufen sperren lassen kann man seine Adresse beim Einwohneramt sowie das Auto- oder Töff-Nummernschild beim Strassenverkehrsamt, schreibt der Datenschützer in seinem Bericht.

Eine Anleitung zum Schutz privater Daten finden Sie hier.
(sda)