ZUG: Den Bäumen in der Stadt auf der Spur

Die Grünanlage beim Park Tower ist fast fertig – der Bebauungsplan hat dabei die Form vorgegeben.

Luc Müller
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Entspannt im neuen Stadtpark beim Hochhaus Park-Tower: Claudius Berchtold, der in der Stadt als Projektleiter öffentliche Anlagen amtet. (Bild Werner Schelbert)

Entspannt im neuen Stadtpark beim Hochhaus Park-Tower: Claudius Berchtold, der in der Stadt als Projektleiter öffentliche Anlagen amtet. (Bild Werner Schelbert)

Die Sonne steht an diesem spätsommerlichen Nachmittag am strahlendblauen Himmel – und Claudius Berchtold im Schatten. Für diesen sorgen Platanen beim Park Tower. Das mit 81 Metern höchste Gebäude des Kantons Zug wird derzeit gestaffelt bezogen. Wie es der Name schon andeutet: Auch ein neuer Park gehört zum Hochhaus. Die rund 6000 Quadratmeter grosse und öffentliche Grünanlage ist nun fast fertiggestellt. Wo vorher rund 28 Platanen und Parkplätze standen, ist etwas weniger als die Hälfte der Bäume erhalten geblieben. Als Ersatz wurde das Dach der Tiefgarage begrünt, wie Claudius Berchtold, der in der Stadt Zug als Projektleiter öffentliche Anlagen amtet, erklärt. «Ich finde, die Gestaltung ist gelungen. Die neuen Bänke laden zum Verweilen ein – und das mitten in der Stadt.» Der Bebauungsplan «Foyer» aus dem Jahr 2009, der auch die Umgebung des Park Tower definiert, basiert auf einem Ideenwettbewerb unter namhaften Architekten, den Hans Kollhoff 1990 gewann. Für den Aussenraum wurde im Frühling 2004 ein Studienverfahren unter Landschaftsarchitekten durchgeführt: Übernommen wurde das Konzept von der Vogt Landschaftsarchitekten AG aus Zürich.

Der Bebauungsplan schreibt für die Bauherrschaft einen grossen urbanen Stadtpark «von hoher Durchlässigkeit mit verschiedenen Bereichen, welche durch die unterschiedliche Vegetation geprägt sind». Noch ist an diesem Nachmittag jedoch nicht viel los im Park. «Es braucht immer ein bisschen Zeit, bis eine neue Grünfläche bekannt ist und angenommen wird. Zudem wird beim Hochhaus noch gewerkt – diese Baustelle direkt beim Park stört noch, um gemütlich zu entspannen.»

Opus-Innenhof vorbildlich

Wo innerhalb der Stadt ein Vorzeigeprojekt realisiert wurde, zeigt Claudius Berchtold als Nächstes. Nur ein paar Schritte weiter befindet sich das Areal Opus: Im Innenhof des Bürokomplexes befindet sich ein künstlicher Teich mit Schilfgürtel – zudem ist die Umgebung mit Gitterrosten ausgelegt. Darunter befindet sich Wasser. Der Teich wird vom Siehbach gespeist, der hier durchfliesst und schliesslich im Zugersee mündet. «In keiner Schweizer Stadt ist mir im Zentrum eine so grosse Wasserfläche bekannt. Das ist einmalig. Auch dieser Ort hier ist öffentlich und für alle zugänglich.»

Ab sechs Wohneinheiten gebe es die Vorschrift, dass 15 Prozent der Geschossflächen als Spiel- und Freiflächen zu erstellen seien. Bei Arealbebauungen wie hier beim Opus gebe es zudem im Zusammenhang mit Bebauungsplan und Baugesuch klare Forderungen, wie die Umgebung zu gestalten ist und wie viel Grünfläche erstellt werden muss, sagt Berchtold.

Neun Quadratmeter pro Einwohner

Wie grün ist denn die Stadt Zug seiner Meinung nach? «Zug ist eigentlich wie das Quartier einer Grossstadt», führt Berchtold aus. Einen grossen Park werde es aus Platzgründen nicht mehr geben. «Aber immer wieder kleinere Projekte. Neben dem Platz beim Park Tower wurde im vergangenen Herbst der 4000 Quadratmeter grosse Stadtgarten bei der Studienbibliothek und dem Obergericht eröffnet.» Angestrebt sind 9 Quadratmeter Grünfläche pro Einwohner und rund 5 Quadratmeter pro Arbeitsplatz. Dabei orientiere man sich an den Richtwerten der Stadt Zürich. «In Bahnhofsnähe erfüllen wir diesen Richtwert nicht, in Quartieren wie Oberwil, Lorzen oder Herti hingegen schon.» In der Stadt gibt es nach Angaben von Claudius Berchtold rund 230 000 Quadratmeter öffentliche Grünflächen.

Grafenau-Eiche wohl ältester Baum

In der Stadt Zug betreuen Berchtold und sein Team auf öffentlichem Boden rund 2500 Bäume (siehe Box). Der wahrscheinlich älteste Baum befindet sich bei der Grafenau: Die mächtige Eiche ist geschätzte 200 Jahre alt. Der Bebauungsplan Grafenau Süd definierte ganz klar, dass die Eiche stehen bleiben muss. «Die Neubauten mussten sich sozusagen an der Eiche orientieren – das war aussergewöhnlich und hat auch für einigen Diskussionsstoff gesorgt.» In Sichtweite deutet Berchtold auf schlanke Bäume, die an der Dammstrasse stehen: Diese Säuleneichen hat die Stadt bei der Sanierung gepflanzt. «Bäume machen ein Stadtbild attraktiv und wecken Emotionen. An ihnen sieht man die Jahreszeiten.» Viele Neuzuzüger informierten sich, wie grün die Stadt sei. «Das ist auch ein Standortvorteil. In Zug sind natürlich der See und der Zugerberg Trumpf.» Auch Baumfällungen würden von den Bürgern stets emotional miterlebt: Über jeden Baum, den er fällen muss, sei der Stadtrat und die Bevölkerung informiert. Die Stadt pflanzt aber auch immer wieder neue Bäume: so an der Allmendstrasse, wo 26 neue Ulmen, 17 Feldahorne und 15 Platanen stehen. «Diese kommen aus Berlin. In Deutschland gibt es grosse Baumplantagen.» Schweizer Baumschulen können da preislich nicht mit den viel billigeren Bäumen aus dem Ausland mithalten. «In der Schweiz konzentrieren sich viele Baumschulen auf Spezialitätenbäume», weiss Berchtold.

Bauarbeiten als Gefahr

Was sind eigentlich die grössten Gefahren für die Stadtbäume? «Eine Faustregel besagt: So gross das Volumen der Krone, so gross ist das Wurzelvolumen unter der Erde.» Bei Bauarbeiten – jetzt werden vor allem Glasfaserkabel verlegt – komme es immer wieder zu Zerstörungen des Wurzelgeflechts. «Schäden entwickeln sich dann über die Jahre. Die beschädigten Wurzeln beginnen zu faulen, und schlussendlich stirbt der Baum ab.» Daneben sei auch das Salz im Winter schädlich. Dank der genauen Dosierung der Salzstreuer und den milden Wintern habe sich das Problem in den vergangenen Jahren reduziert. Und was ist mit Schädlingen? «Grosse Probleme haben wir nicht. In Oberwil bei Trubikon ist die Eschenwelkkrankheit diagnostiziert», berichtet Berchtold. Der Pilz wütet aber nicht so stark wie in Luzern, wo 90 Prozent aller Eschen betroffen sind.

Baumkataster

Zug/Chamred. Im Internet sind in unter zugmap.ch kann unter den Themenkarten auch das Baumkataster der Stadt Zug und von Cham aufgerufen werden. Zu einzelnen Bäumen, die mit einem grünen Punkt gekennzeichnet sind, gibt es Informationen, um welche Art es sich handelt.