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ZUG: Der «Dinosaurier» des Grundbuchamts

Viktor Schicker arbeitet seit 45 Jahren im Grundbuch- und Vermessungsamt. Das ist rekordverdächtig. Ein anderer Job käme für den 62-Jährigen bis heute nicht in Frage.
«Ich habe Tausende Grundbuchauszüge geschrieben.» Viktor Schicker im Archivraum des Grundbuchamtes. (Bild: Stefan Kaiser)

«Ich habe Tausende Grundbuchauszüge geschrieben.» Viktor Schicker im Archivraum des Grundbuchamtes. (Bild: Stefan Kaiser)

Susanne Holz

Er trägt ein fröhlich gemustertes Hemd und hat ein freundliches Lachen im Gesicht: Viktor Schicker wirkt auf den ersten Blick überhaupt nicht so, als würde er sich seit 45 Jahren um Grundbuchauszüge, Schuldbriefe oder Grundpfandverschreibungen kümmern. Doch genau solch präziser Arbeit widmet sich der 62-jährige Baarer schon fast ein halbes Jahrhundert mit viel Herzblut.

Ein Freitag im Mai

Viktor Schicker erinnert sich noch gut an den 1. Mai 1970: Sein erster Arbeitstag war ein Freitag. Das Grundbuchamt des Kantons Zug war damals im Gebäude an der Bahnhofstrasse 5 zu dieser Zeit der Hauptsitz der Zuger Kantonalbank – untergebracht. Und heute? Seit August ist Viktor Schicker der dienstälteste Kantonsangestellte – 1970 war er im Grundbuchamt mit seinen knapp 17 Jahren der mit Abstand jüngste Mitarbeiter.

Der Baarer beweist damit einen wirklich langen Atem, was die Liebe zum Grundbuch betrifft. «Ich mochte das genaue und gewissenhafte Arbeiten sofort, und ich mag es bis heute», sagt Viktor Schicker. «Ich möchte keinen anderen Job haben.» Man dürfe nicht oberflächlich vorgehen, müsse sich Fehler eingestehen und stets einen zweiten Blick auf alles werfen. «Ich habe Tausende Grundbuchauszüge geschrieben und alle selber kontrolliert», blickt der 62-Jährige zurück. Seine Arbeitshaltung trage ihn seit 45 Jahren sehr gut.

Doch wie fand der 17-Jährige vor über vier Jahrzehnten überhaupt zu seiner Berufung rund ums Grundbuch? Viktor Schicker erzählt: «Meine Eltern hatten in Baar einen kleinen Bauernhof. Deshalb war zunächst die Landwirtschaft meine Perspektive.» In Muri absolvierte der Jugendliche zwei Lehrjahre in der Landwirtschaft. Doch dann sprach den 17-Jährigen ein Bekannter aus Blickensdorf an: Ob er sich für eine Lehre im Grundbuchamt interessieren würde? Der Bekannte hiess Wilhelm Kistler und war in jenen Jahren der Grundbuchverwalter des Kantons Zug. «Ich probiere das mal», sagte sich Viktor Schicker umgehend ganz der aufgeschlossene junge Mann. Und so startete er neugierig und motiviert in die Bürolehre.

Die Arbeit im Grundbuchamt machte dem bodenständigen Baarer so viel Spass, dass er fortan alle fünf Jahre ein Fest für seine Kollegen veranstaltete, das letzte zum 45. Dienstjubiläum – am 30. Mai diesen Jahres.

Warten bis zum Mittag

Dabei hatte es Viktor Schicker zu Beginn nicht immer so einfach: Immerhin war er 30 bis 40 Jahre jünger als seine Kollegen. Mit Humor in der Stimme erzählt er: «Wenn ich als Junger was Neues einführen wollte, musste ich psychologisch klug vorgehen. Und erst am Mittag fragen, ob das möglich wäre.» Die Hierarchien seien vor 40 Jahren noch strenger gewesen, vor manchen Vorgesetzten habe man schon etwas gezittert. Für Viktor Schicker hingegen gilt damals wie heute der Grundsatz: Alle Menschen sind gleich.

Doch nicht nur die Umstände haben sich im Lauf der Zeit stark gewandelt, auch die Arbeit selbst veränderte sich in vier Jahrzehnten stark: In den Siebzigern führte man Einträge und Löschungen im eidgenössischen Grundbuch und im kantonalen Hypothekenbuch handschriftlich in schwarzer und roter Tinte aus. Grundbuchauszüge und Schuldbriefe wurden abgetippt und gegengelesen wurde ein Fehler entdeckt, hatte die Schreibarbeit von vorne zu beginnen. Als Viktor Schicker bereits ein Vierteljahrhundert im Grundbuchwesen gearbeitet hatte, wurde im Kanton das informatisierte Grundbuch eingeführt – will heissen, das Grundbuch gelangte im digitalen Zeitalter an.

Die Regierungsrätin gratuliert

Zum 45. Dienstjubiläum gratulierte Regierungsrätin Manuela Weichelt-­Picard dem treuen Mitarbeiter herzlich: «Papiergrundbuch und digitales Grundbuch Sie kennen das Grundbuch in fachlicher wie historischer Hinsicht von der Pike auf. Als Sie Ihre Tätigkeit am Grundbuchamt aufgenommen haben, war der amtierende Landammann noch nicht einmal zehn Jahre alt und das jüngste Regierungsmitglied noch gar nicht auf der Welt. Ihr Dienstjubiläum ist so ausserordentlich, dass es nicht einmal in der Personalgesetzgebung vorgesehen ist.» Worte, über die sich Viktor Schicker sehr gefreut hat.

Mit Blick in die Zukunft sagt der «Dinosaurier» des kantonalen Grundbuchamts: «Meine 46 Dienstjahre werde ich sicher vollenden.» Der 62-Jährige wird das mit einer «flexiblen Sturheit» tun genauso hat jüngst sein Vorgesetzter Patrick Bopp, Abteilungsleiter Grundbuch im Grundbuch- und Vermessungsamt, die ideale Vorgehensweise des «fortschrittlichen Grundbüchlers» beschrieben. Viktor Schicker findet: «Patrick Bopp hat den Nagel da genau auf den Kopf getroffen.»

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