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ZUG: «Der Freund der Armen und Verlassenen»

Eine etwas versteckte Gedenktafel in der Kirche St. Oswald fällt durch ihre Qualität auf. Der Stifter hatte damit einen namhaften Münchner Künstler beauftragt. Der Widmungsträger war ein angesehener Gottesmann, der in Zug vieles bewirkt hat.
Andreas Faessler
Die kunstvolle Gedenktafel mit Relief und Widmungsinschrift in der Oswaldkirche hat der Neffe des Geehrten im Jahre 1930 anfertigen lassen. Die Tafel ist am vorderen Pfeiler im rechten Seitenschiff angebracht.

Die kunstvolle Gedenktafel mit Relief und Widmungsinschrift in der Oswaldkirche hat der Neffe des Geehrten im Jahre 1930 anfertigen lassen. Die Tafel ist am vorderen Pfeiler im rechten Seitenschiff angebracht.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Wem in einem bedeutenden Gotteshaus ein künstlerisches Denkmal gesetzt ist, der muss zumindest zu Lebzeiten ein gewisses Ansehen genossen haben. In der Oswaldkirche in Zug liest der aufmerksame Besucher zahlreiche Namen und Widmungen – seien es Bildnisse, Inschriften, Epitaphe oder Gedenk­tafeln. Ein stilistisch bemer­kenswertes Exemplar aus der Zwischenkriegszeit finden wir am vordersten Pfeiler im rechten Seitenschiff: ein aufwendig gearbeitetes, hochrechteckiges Bronzewerk mit einem stimmigen Relief, welches Jesus zeigt, wie er einem Gottesmann die Kommunion spendet. Dar­über ist im Stil einer Durchbrucharbeit zu lesen «Zum Andenken an Hchw. H. Jos. Weiss *1.5.1841 †17.11.1920 in Zug». Im Sockel steht in derselben Manier geschrieben «53 Jahre lang dieses Gotteshauses und der Seelen treuer Hüter und Helfer». Im oberen Reliefbereich sind das Familienwappen der Zuger Weiss sowie das Zuger Wappen mit eingebracht. Eine feine Prägung an der untersten Leiste der Konsole weist darauf hin, dass die Gedenktafel im Jahre 1930 von des Widmungsträgers Neffen, Stadtpfarrer Franz Weiss (1877–1934), gespendet worden ist. Anfertigen liess er sie vom seinerzeit bekannten Münchner Bildhauer August Weckbecker (1888–1939), der hauptsächlich sakrale Darstellungen schuf. Die Wahl dieses Künstlers lässt nicht zuletzt auf die Bedeutsamkeit des Geehrten schliessen.

Wer also war Hochwürden Josef Weiss? Online-Archive geben nicht viel her, und nach seinem Tod taucht der Name nur noch selten in Publikationen auf. Am 1. Mai 1841 geboren, empfing Josef Weiss im Jahre 1865 seine Priesterweihe, feierte am 30. Juli selben Jahres seine erste Messe und war anschliessend zwei Jahre lang Pfarrhelfer in Ruswil. Ab 1868 bis zu seinem Tod am 17. November 1920 war Weiss Pfarrhelfer zu St. Oswald in Zug – es sind die auf der Tafel erwähnten stolzen 53 Jahre. Josef Weiss muss ein aufopfernder, engagierter Mann gewesen sein, der den Menschen sehr nahe stand. So notiert das «Zuger Neujahrsblatt» von 1925 in seiner Chronik, dass mit dem Ableben von Pfarrhelfer Weiss ein frommer, seeleneifriger Priester, tief innerlicher Geistesmann, Freund der Armen und Verlassenen, dessen Tugenden das gewöhnliche Mass hochüberragten, von uns gegangen sei.

Tatsächlich legen zahlreiche Publikationen und Notizen aus den Zuger Medien von anno dazumal nahe, dass sich Josef Weiss tüchtig um viel Gutes verdient gemacht hat. Als Sextar war Weiss innerhalb der Pfarrei für die Wohltätigkeit verantwortlich. So taucht sein Name regelmässig im Zusammenhang mit öffentlichen Sammelaktionen für diverse gute, dem Allgemeinwohl dienende Zwecke auf. Zahllose Danksagungen zeugen von seinem Engagement für Kranke, Sterbende und Vernachlässigte. Ferner machte sich Pfarrhelfer Weiss mit Spendenaufrufen und Warensammlungen für den Gesellen- und Jünglingsverein stark, in dem junge Werksleute gemeinsam erbauenden Tätigkeiten wie Bildungsarbeit frönten. Ausserdem leitete Josef Weiss den Zuger Lehrlingsverein. Bei zahlreichen Spendenaktionen für diverse gute Zwecke ist der Name des Pfarrhelfers in der Liste der grosszügigsten Geldgeber zu lesen.

Eine Rolle schien Josef Weiss zudem gespielt zu haben, als es darum ging, die alte Michaelskirche abzureissen und durch einen Neubau zu ersetzen. Während Stadtpfarrer Franz Xaver Uttinger (1845–1904) dafür kämpfte, dass die kostbare Altargruppe der alten Michaelskirche in Zug verbleibt, liess Pfarrhelfer Franz Weiss gar prüfen, ob sich die Alte Kirche – anstatt abgebrochen zu wer- den – nicht auf eine Weise umbauen liesse, dass der Chor, die Sakristei und der Glockenturm erhalten werden könnten. Bekanntlich waren beide Bestreben erfolglos. Für die neue Pfarrkirche trug Josef Weiss eine grosse Menge an Spendengeldern zusammen. Die Kirche St. Oswald schien er mit Liebe zu hegen und zu pflegen, als wäre sie sein persönliches Heim. Auch davon legen mehrere Zeitungsnotizen Zeugnis ab: Jahrzehnte waltete Josef Weiss als grosszügiger Spender für sämtlichen Blumen- und Festschmuck in der Kirche.

Die vom Nidwaldner Maler Melchior Paul Deschwanden persönlich abgefasste Beschreibung zu seinem monumentalen Wandgemälde «Das Jüngste Gericht» über dem Chorbogen der Oswaldkirche liess Josef Weiss in Gravur auf eine Metallplatte übertragen und unter der Orgelempore montieren. Und als in den 1870er-Jahren eine Erneuerung der Kirchenorgel unumgänglich geworden war, wirkte Weiss als treibende Kraft für die Umsetzung. Er führte die Gespräche mit der Orgelbaufirma Goll und spendierte der Kirchgemeinde am Nachweihnachtstag 1916 stolze 950 Franken für die Anschaffung eines Elektromotors für das Orgelgebläse.

Am 17. November 1920 starb Pfarrhelfer Josef Weiss in Zug nach einem sehr langen, schaffensreichen Wirken im Dienste der Pfarrei und der Zuger Bevölkerung.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie online unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut.

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