ZUG: Der grosse Aufmarsch der Legionäre

Im Museum für Ur­geschichte(n) trafen Besucher auf authentisch hergerichtete römische Soldaten. Ein Er­lebnis für Geschichtsfans und Kinder gleichermassen.

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Authentische Aufmachung: Im Museum für Urgeschichte(n) konnte eine interessierte Besucherschar auf Tuchfühlung mit den römischen Soldaten gehen. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)

Authentische Aufmachung: Im Museum für Urgeschichte(n) konnte eine interessierte Besucherschar auf Tuchfühlung mit den römischen Soldaten gehen. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)

Vanessa Varisco

Auf Kommando werden die Speere auf die römischen Legionäre gerichtet und schliesslich mit wildem Kriegsgeschrei abgefeuert. Was früher eiskalte Realität war auf dem römischen Schlachtfeld, ist an diesem Sonntag ein packender Anlass für Gross und Klein im Zuger Museum für Urgeschichte(n) an der Hofstrasse. Hier sind die römischen Legionäre nämlich zu Gast für die Sonderausstellung «Geschichte(n) am Kanal». Thema sind die herausragenden Funde aus römischer Zeit in Cham-Hagendorn. «Seit vielen Jahren bin ich ein grosser Fan der Römerzeit, und als ich von diesem Anlass gehört habe, war ich sofort Feuer und Flamme», erklärt Roman Roth aus Cham.

«Modeschau» der Legionäre

Viel zu sehen und erleben gibt es an diesem Sonntag. Eine Kurzführung etwa mit dem Thema «Römisches Militär in Zug» oder eine Schlacht, bei welcher die Kinder gegen die prunkvoll verkleideten Legionäre kämpfen dürfen. Und ausserdem präsentieren die Legionäre bei einer Modeschau ihre Waffen und Gewänder. Die Schuppen- und Plattenpanzer glänzen in der Sonne und beeindrucken mächtig. «Die Kostüme sind einfach unglaublich, so real», findet Michelle Roth, die die Vorführung gespannt beobachtet.

Bei der gespielten Schlacht kämpfen alle direkt mit harten Bandagen, immer sechs Kinder dürfen sich auf die mit Schilden bewaffneten Legionäre stürzen. Tapfer werfen sie die Speere – und sich selbst dann gegen die römischen Kämpfer. «Die Jungs haben unheimlichen Spass bei der Sache. Wer hätte denn als Kind nicht einmal gerne gegen einen echten Römer gekämpft?», fragt Leonardo Wiedemann aus Steinhausen verschmitzt.

Nach dieser anstrengenden Schlacht auf dem Pausenplatz geht es zurück ins Innere des Museums. Dort dürfen alle Fragen, die auf der Zunge brennen, an die Experten gestellt werden. Da ist auch die Frage, wie denn die römischen Legionäre Geburtstag gefeiert hätten, nicht abwegig. Der Wissensdurst der vielen jungen Besucher scheint unersättlich, aber auch die Eltern sind neugierig, vor allem was die Logistik und den Alltag der Soldaten betrifft. Fragen zur Lebensweise, zu Transport, Lohn und der Kleidung sind weiter wichtig. «Das Leben der Soldaten neben dem Krieg war teilweise sehr eintönig, sie waren auf der Wache, haben stundenlang darauf gewartet, dass etwas geschieht», berichtet der zweitoberste Legionär der Truppe.

Ein grosses Volk

Weiter schildert er, wie beispielsweise der Kaiser mit einem Bild von sich auf der Münze Präsenz gezeigt hat. «Die Römer haben ihren Lebensstil auf Prestige ausgelegt. Mit ihren schimmernden, prunkvollen Rüstungen wollten sie den Gegner einschüchtern, beweisen, dass sie ein grosses Volk waren», erzählt er.

Gross und Klein schlängelt sich also durch das Museum und geniesst die atemberaubende Vorstellung über das erste Jahrhundert, die nirgends besser hätte präsentiert werden können als im Museum für Urgeschichte(n).