Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZUG: «Der gute Mensch von Sezuan»: Wo selbst die Götter aufgeben

Erfolgreiche Premiere der Zuger Spiillüüt mit Bertolt Brechts Parabel «Der gute Mensch von Sezuan»: Das Stück zeigt eindrücklich auf, wohin die Selbstentfremdung des Menschen führen kann.
Monika Wegmann
Auch Yang Sun (Thomas Kühl, rechts) versucht, Shen Te, hier als Shui Ta (Sandra Kull), auszunützen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 16. Januar 2018))

Auch Yang Sun (Thomas Kühl, rechts) versucht, Shen Te, hier als Shui Ta (Sandra Kull), auszunützen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 16. Januar 2018))

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch

Ist die Nächstenliebe lebbar? Um diese provokative Frage dreht sich das Lehrstück von Bertolt Brecht «Der gute Mensch von Sezuan», das die Zuger Spiillüüt auf die Bühne des Burgbachkellers bringen. Am vergangenen Donnerstag feierte die Truppe dort unter der Regie von Peter Niklaus Steiner eine erfolgreiche Premiere. Und niemand musste Chinesisch können, um die in den Jahren 1938/39 entstandene Parabel von Brecht zu verstehen – Steiner hatte sie eigens für die Spiillüüt in Mundart übersetzt.

In Sekundenschnelle wird das Publikum von der Oswaldsgasse in die chinesische Provinz Sezuan versetzt. Dort sind Korruption und Armut an der Tagesordnung – und wie drei Rauchende im ersten Bild zeigen, floriert der Opiumhandel. Eines Tages kommen drei in chinesische Seide gehüllte und mit Drachenköpfen behütete Götter (Beatriz Mondin, Inez Hochreutener, Helmut Angerler) vorbei, um zu prüfen, ob die Welt noch gut genug ist. Aber sie müssen lange nach einer Unterkunft suchen. Erst als der Wasserverkäufer (Rémy Frick) sie zur Prostituierten Shen Te (Sandra Kull), die selber nur wenig Platz hat, führt, klappt es. Zum Dank erhält sie von den Göttern 1000 Silberdollar geschenkt.

Das Gute wird zum Schlechten

Shen Te freut sich über den Wohlstand und ahnt nicht, welchen Sturm sie auslöst. Mit dem Geld kauft sie einen Tabakladen. Doch sobald die Familie, die Witwe Shin und andere erfahren, dass Shen Te zu Geld gekommen ist, wird sie massenhaft angebettelt. Und weil sie offen ist für die Nöte der Menschen und in jedem nur das Gute sieht, wird sie nach Strich und Faden ausgenützt, bis sie mit leeren Händen dasteht. Einzig der Glaube an die Liebe hat sie sich bewahrt. Die Götter überlassen die Menschen ihrem Schicksal – und verschwinden wieder in den Himmel.

Doch es wäre nicht Brecht, wenn die mit Musik und Gesang bereicherte Parabel einfach so verlaufen würde. Schliesslich hat er das mit humoristischen bis zynischen Sprüchen angelegte Werk als Lehrstück konzipiert, das die Selbstentfremdung des Menschen ins Zentrum stellt. In diesem Fall ist es Shen Te, welche die Nächstenliebe lebt – und sich selber dabei vergisst. Als sich der Ruin abzeichnet, versucht sie, in der Maske ihres strengen Cousins Shui Ta (Sandra Kull) mit krummen Geschäften doch noch das Ruder herumzureissen. Aber was sie Gutes tut, zerstört sie. Zuletzt bleibt Shen Te ver­zweifelt zurück. Brecht, der gern soziale Zusammenhänge in die Dramaturgie einbringt, zeigt hier, dass der einzige Gute inmitten des systematischen Elends nicht gut sein kann.

Die Truppe, bei der neue Aktive mitwirken, begeisterte das Publikum mit dem engagierten, lebendigen Spiel. Einige Darsteller treten in Doppelrollen auf, so auch Sandra Kull, welche den anspruchsvollen Hauptpart mit Bravour leistet und zudem das schlichte, mobile Bühnenbild konzipiert hat. Guido Weber gibt neben dem Coiffeur Shu Fu einen Arbeitslosen und wirkt gleichzeitig als Pianist, der feine, musikalische Akzente setzt.

Engagiertes Helferteam

Rémy Frick kauft man den listigen Wasserverkäufer ab. Zuletzt warnt er das Publikum vor einer allzu grenzenlosen Nächstenliebe. Diese berge Gefahr, dass man die Balance verliere und plötzlich selber in Not käme. Frick wies ausserdem darauf hin, dass die Aufführung mit ihren komplexen filigranen Strukturen nur möglich sei dank der Helfer im Hintergrund, zu denen er insbesondere die Kostümbildnerin Agatha Imfeld, Maskenbildnerin Sarina Nussbaumer und das Lichtkonzept von Beat Auer zählte.

Alle Darsteller, Helfer und der Regisseur Peter Niklaus Steiner genossen zuletzt den begeisterten Beifall des Publikums. Beim Apéro zeigte sich Steiner zufrieden mit dem Verlauf der Premiere und der Leistung der Truppe. Die Schauspieler mit den Doppelrollen hätten die Herausforderung gut bewältigt. «Das Stück behandelt ein komplexes, zeitloses Thema, und es ist mutig, dass die Spiillüüt es gewählt haben. Es geht ja um die Frage: Wie kann ich die Nächstenliebe leben, ohne selber zugrunde zu gehen? Das ist sehr spannend.»

Broadway-Version neu in der Schweiz

Peter Niklaus Steiner ist es zu verdanken, dass die erst im Jahre 2017 freigegebene Broadway-Fassung in Zug erstaufgeführt werden kann. «Die Geschichte ist nicht verändert. Aber diese Fassung ist emotionaler angelegt als das Original, wo bei den Familienmitgliedern mehr Figuren konzipiert sind. Auch der Opiumhandel ist dort nicht drin.»

Ein grosses Lob wurde den Spiillüüt auch von zwei Wädenswilern ausgesprochen. «Mir hat es sehr gut gefallen, wenn man bedenkt, dass das Team aus Laiendarstellern besteht. Es ist sicher schwierig, ein solch komplexes Stück auf die kleine Bühne des Kellertheaters zu bringen», sagt Marianne Weiss. Und ihr Mann Heiri ergänzt: «Ich habe mich vorgängig mit dem mehrschichtigen Stück befasst. Das Schlusswort des Wasserverkäufers finde ich sehr wichtig, und es hilft, die Moral dieses schwierigen Stücks von Brecht besser zu verstehen.»

Hinweis

Weitere Aufführungen an folgenden Daten: 20., 25., 26., 31. Januar, 1., 2., 3., 7., 8., 9., 10., 15., 16., 17. Februar, jeweils 20 Uhr, am 21. und 28. Ja­nuar und 4. und 11. Februar um 17 Uhr, im Burgbachkeller Zug. Infos und Tickets: www.zuspi.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.