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ZUG: Der Hokuspokus ist für ihn mehr als nur ein Hobby

Steht er nicht hinter der Käsetheke in seinem Chamer Geschäft, tourt Fredy Wicki als Magier durch die Zentralschweiz. Er blickt auf jahrelange Zaubererfahrung zurück – und lernt trotzdem stets dazu.
Rahel Hug
Mit seinen Tricks verzauberte Fredy Wicki auch die Redaktion der «Zuger Zeitung». (Bild: Maria Schmid (Zug, 9. Oktober 2017))

Mit seinen Tricks verzauberte Fredy Wicki auch die Redaktion der «Zuger Zeitung». (Bild: Maria Schmid (Zug, 9. Oktober 2017))

Viele Chamerinnen und Chamer kennen Fredy Wicki als Chef des Chäslands im Neudorf-Center. Dort steht er seit 18 Jahren hinter der Theke, zuvor hat er zehn Jahre lang in Niederwil Käse hergestellt. Doch Fredy Wicki ist nicht nur Käsermeister, er ist auch Zauberer. An Abenden, freien Tagen und am Wochen­ende schlüpft er in seinen roten Frack und bringt mit seinen Tricks Geschäftsleute oder Partygäste zum Staunen. Dies, indem er etwa ein Seil mehrmals zerschneidet und wieder zusammensetzt oder altes Papier in echte Fünfzigernoten verwandelt.

Dem ungewöhnlichen Hobby frönt der 59-Jährige mit grosser Leidenschaft. «Das Zaubern ist für mich ein Ausgleich zur Arbeit. Wenn ich zaubere, erhole ich mich. Bekomme ich Applaus und sind die Leute verblüfft, dann bin ich glücklich.» Wobei: Von einem Hobby zu reden, ist untertrieben, denn Wicki nimmt seine Rolle als Magier sehr ernst. 1996 hat er die Aufnahmeprüfung in den Schweizerischen Magischen Ring absolviert, der zirka 300 aktive Mitglieder umfasst. Regelmässig besucht Wicki Kurse und Weiterbildungen, einmal im Monat trifft er sich mit Gleichgesinnten aus der Zentralschweiz im Club Luzerner Zauberkünstler zum Austausch. Er sagt: «Als Zauberer musst du immer wieder neue Tricks lernen, du darfst nicht stehenbleiben.»

Inspiriert vom Tafelmajor

Heute zaubert der Chamer oft an Geburtstagspartys, aber auch an Hochzeiten – auf den Geschmack kam er an seinem eigenen Trauungsfest. Als er und seine Frau Alice vor 31 Jahren heirateten, unterhielt der Tafelmajor die Festgesellschaft mit Zaubertricks. «Er hat einen Ring verschwinden lassen, und ich habe den Kniff sofort erkannt», erzählt Wicki. Schnell war für ihn klar: Auch er will zaubern.

Um ein Meister seines Fachs zu werden, braucht es vor allem eines, wie Fredy Wicki aus eigener Erfahrung weiss: Geduld. «Am Anfang heisst es: üben, üben, üben.» Man dürfe den einstudierten Trick erst dann vor Publikum aufführen, wenn er zu 100 Prozent sitze. Wicki präsentiert das Gelernte oft seiner Frau. «Sie hat einen kritischen Blick. Wenn sie dahinterkommt, bin ich noch nicht gut genug vorbereitet.» Im Laufe der Jahre hat der Künstler eine gewisse Routine entwickelt. «Ich bin nur noch nervös, wenn ich vor Regierungs­räten oder anderen Promis auftrete», sagt Wicki und schmunzelt. Gelernt habe er in seiner Magierlaufbahn auch, dass neben den Tricks das Auftreten und die Sprache eine wichtige Rolle spielen. «Ein Zauberer muss gut erzählen können und gleichzeitig lokale Begebenheiten in sein Programm einbauen.» Zu guter Letzt sei es wichtig, souverän zu reagieren, wenn etwas in die Hosen gehe. «Mit der richtigen Wortwahl kann man viel retten.»

Bekannt dank Mundpropaganda

Mit seinem Köfferchen, das mit Tüchern, Seilen, Fingerringen, Jasskarten und einer Zeitung gefüllt ist, tourt Zauberer Fredy durch die ganze Zentralschweiz. Er ist aber auch schon in Solothurn, im Rheintal oder im Oberaargau aufgetreten. «Es läuft gut, und das nur mit Mundpropaganda», erzählt Wicki nicht ohne Stolz.

Sind der Geschäftsführer des Chäslands und Zauberer Fredy zwei unterschiedliche Persönlichkeiten? Der 59-Jährige verneint. «Ich erlaube mir manchmal auch bei der Arbeit ein Spässchen, indem ich zum Beispiel das Rückgeld verschwinden lasse», erzählt der Mann, dem der Schalk stets im Nacken sitzt. Es kommt auch vor, dass Wicki seine beiden Standbeine verbindet. So organisiert er etwa «Magic Fondue»-Abende, an denen er Kunden die Käsespezialität liefert und gleichzeitig als Zauberer beim Essen auftritt.

Die Antwort von Fredy Wicki auf die Frage, was denn einen talentierten und guten Zauberer ausmache, liegt auf der Hand: «Der Zuschauer darf seine Technik nicht durchschauen.» Er jedenfalls hat diese Gabe: Als er in der Redaktion der «Zuger Zeitung» eine Ausgabe in mehrere Stücke zerreisst und kurz darauf wieder eine ganze Zeitung in den Händen hält, sind die Journalisten richtig verdutzt. Wie das wohl funktioniert? Diese Frage muss unbeantwortet bleiben. Es würde den Ehrenkodex verletzen, wenn Wicki es verraten würde.

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

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