ZUG: Der kurze Weg zur Hilfe

Bürgergemeinden gelten manchen als Relikte vergangener Zeiten und als Hort von Nostalgikern. Dabei erfüllen diese Gemeinwesen auch in heutiger Zeit wichtige Dienste, wie das Beispiel der Studentin Samira Zouaoui zeigt.

Raphael Biermayr
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Samira Zouaoui blättert an der Zuger Seepromenade durch ihre «Bibel», wie sie ihr Ideenheft für das Studium nennt. (Bild: Stefan Kaiser (4. Mai 2017))

Samira Zouaoui blättert an der Zuger Seepromenade durch ihre «Bibel», wie sie ihr Ideenheft für das Studium nennt. (Bild: Stefan Kaiser (4. Mai 2017))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Sollte Zug Tourismus einst ein Gesicht für Werbekampagnen suchen: Samira Zouaoui würde sich bestens eignen. Die 27-Jährige schwärmt in so hohen Tönen vom Kanton und insbesondere von der Stadt, dass man in Versuchung gerät, ihre Motive zu hinterfragen. Schliesslich ist sie während ihres Studiums von der Zuger Bürgergemeinde mit einem Stipendium unterstützt worden. «Ich würde das auch sagen, wenn ich das Stipendium nicht erhalten hätte», stellt Zouaoui klar.

Sie ist in Zug geboren und bis heute wohnhaft. Ihr Vater ist gebürtiger Tunesier, er kam der Liebe wegen nach Zug und habe sich sogleich von sich aus integriert, «mit Mitgliedschaft in der Guggenmusig und der Feuerwehr», sagt die mittlere von drei Töchtern. Die Familie liess sich in Zug einbürgern, und als Samira ­Zouaoui 2012 ihr Studium in Objektdesign begann, erinnerte sich die Mutter an das Stipendium von der Bürgergemeinde.

Viele wissen nichts von der Möglichkeit

Das Bewerbungsprozedere ist «sehr unkompliziert» abgelaufen – im Gegenteil zum Kanton, wo Zouaoui zuvor vergeblich um Unterstützung ersucht hatte. Zudem ist der Umgang persönlich: «Bei der Bürgergemeinde bin ich keine Nummer, sondern werde wiedererkannt», schildert sie. Weil gemäss ihrer Weltsicht alles zurückkommt, was man gibt, hat sie sich auf persönliche Art mit Briefen und selbst gebackenen Guetzli bedankt.

Die Tatsache, dass in der gegen 6000 Mitglieder starken Zuger Bürgergemeinde der Topf für Stipendien nicht ausgeschöpft wird, ist nicht nur auf das hohe Wohlstandsniveau vieler Eltern zurückzuführen. «Es wissen viele gar nicht von dieser Möglichkeit», hat Zouaoui festgestellt, als sie ihrem Umfeld davon erzählte. 2000 Franken pro Jahr hat sie als Stipendium erhalten – den Höchstbetrag. Diesen hat sie in die Studiengebühren oder in Material investiert. Für die Deckung ihrer Freizeitausgaben hat sie an mehreren Orten gejobbt.

Nach der Bachelor-Ausbildung hat die Produktdesignerin sich für den Masterlehrgang in Art Teaching in Luzern entschieden, der diesen Sommer endet. Auf Deutsch: Sie wird Kantilehrerin für Bildnerisches Gestalten. Was danach ist, steht in den Sternen. Es sei in Zeiten des Bildungssparens schwierig, gerade in diesem Bereich eine Stelle zu finden. «Aber ich werde alles daransetzen», sagt die offenkundig hartnäckige Zouaoui. Sie würde – wo sonst? – am liebsten in Zug lehren.