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ZUG: Der lange Kampf der Spielgruppen um Anerkennung

Anna Lustenberger hat 1998 den kantonalen Spielgruppenverband mitgegründet. Nun übergibt sie das Präsidium an Karin Stocker. Der Verband hat viel erreicht in den vergangenen Jahren – doch die Herausforderungen sind nach wie vor gross.
Rahel Hug
Karin Stocker (links) übernimmt das Präsidium von Anna Lustenberger. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 3. April 2017))

Karin Stocker (links) übernimmt das Präsidium von Anna Lustenberger. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 3. April 2017))

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Spielen, singen, basteln, Kräfte messen, sich draussen austoben, Zeit mit Gleichaltrigen verbringen und dabei viel lernen – das alles sind Erinnerungen, die viele mit der Spielgruppenzeit verbinden. Für die meisten Kinder bringt der Besuch einer Spielgruppe ausserdem erste Erlebnisse ausserhalb der eigenen Familie, weg von Papi und Mami, mit sich.

Spielgruppen gibt es in der Deutschschweiz seit rund 40 Jahren. Fast halb so alt ist der Spielgruppenverband des Kantons Zug. Dass sich die Zuger Spielgruppenleiterinnen und Trägerschaften überhaupt in dieser Organisation zusammengefunden haben, ist Anna Lustenberger zu verdanken. Die Baarerin gehörte 1998 zu den Gründungsmitgliedern und amtete bis zur letzten Generalversammlung als Präsidentin. Nun hat sie die Leitung an ihre langjährige Vorstandskollegin Karin Stocker aus Walchwil abgegeben.

Es besteht keine Bewilligungspflicht

Im Gespräch mit den beiden Frauen wird schnell klar: Bei ihrem Engagement ging und geht es stets darum, sich Gehör zu verschaffen. «Spielgruppenleiterinnen waren zu Beginn regelrechte Einzelkämpferinnen», blickt Anna Lustenberger zurück. Die 63-Jährige, die Anfang der 1990er-Jahre in Allenwinden selbst eine Spielgruppe leitete, setzte sich dafür ein, den Beruf in der Gesellschaft bekannt zu machen und ihm zu grösserer Anerkennung zu verhelfen. Die Herausforderung dabei – damals wie heute – ist, dass die Spielgruppenbranche «nirgends so richtig dazugehört», wie Lustenberger es ausdrückt. Eine Melde- oder Bewilligungspflicht, wie sie beispielsweise für Kinderkrippen gilt, besteht nicht. Das sei nur ein Beispiel von vielen, sagt die langjährige Präsidentin. «Spielgruppen übernehmen wichtige Aufgaben auf dem Gebiet der Vorschulbildung, sind aber trotzdem nicht bei der Bildungsdirektion angesiedelt.» Lustenberger, die 15 Jahre als Kantonsrätin für die Alternative– die Grünen politisiert hat, wünscht sich mehr Unterstützung seitens der Politik. «Es fehlt leider nach wie vor eine gesetzliche Grundlage für Spielgruppen. Das würde unsere Arbeit stark vereinfachen und auch die Kontrolle erleichtern», ist sie überzeugt.

Ihre Kollegin Karin Stocker – sie war bis im Jahr 2015 Spielgruppenleiterin in Walchwil – kommt in diesem Zusammenhang auf das Thema Finanzen zu sprechen. «Weil niemand den Ball zu sich nehmen will, fällt die finanzielle Unterstützung für Spielgruppen eher mager aus.» Das sei mit ein Grund, dass man als Leiterin in der Regel «nicht sehr gut» verdiene – und der Beruf darum auch für Männer kaum attraktiv sei, wie Stocker sagt. Die 54-Jährige engagiert sich in der IG Spielgruppen Bildung, die Aus- und Weiterbildungen anbietet. «Die Nachfrage ist gross, die Ausbildungen sind jeweils gut besucht», schildert sie. «Aber es wäre wünschenswert, wenn wir mehr Männer bei uns begrüssen könnten.»

Grosse Erfolge bei der Vernetzung

Trotz all der Herausforderungen, mit denen die abtretende und die neue Präsidentin in den vergangenen Jahren konfrontiert waren, sind sie sich einig: Der Verband hat viel erreicht. «Spielgruppen haben heute einen wichtigen Platz in der Gesellschaft und sind in der Öffentlichkeit bekannt. Die Anerkennung ist da», erklärt Karin Stocker. Anna Lustenberger fügt an, man könne grosse Erfolge bei der Vernetzung verzeichnen. «Wir haben zum Beispiel ein Leitbild nach den Grundsätzen des Schweizerischen Spielgruppenleiterinnenverbands erarbeitet. Der Austausch mit den Gemeinden, verschiedenen kantonalen Stellen und anderen Organisationen aus der Kinderbetreuung funktioniert gut.»

Rund 50 Spielgruppen gibt es im Kanton Zug. Das sind doppelt so viele wie noch vor 19 Jahren. Der Verband zählt aktuell 110 Mitglieder. «Wir sind gut auf­gestellt», hält Karin Stocker fest. Ihr Wunsch für die Zukunft ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung der Spielgruppen weiter stärken zu können. Die Grundlage sei da, betont sie. «Die Eltern sind froh um die Spielgruppen. Gerade auch für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund oder Kindern mit Beeinträchtigungen leisten wir einen wertvollen Beitrag. Unser Ziel ist es, dereinst allen Kindern den Besuch einer Spielgruppe zu ermöglichen.»

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