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ZUG: Der neue Takt im Fahrplan teilt die Stadt

Wer an Sonntagen durch die Stadt fährt, ist viel länger unterwegs als früher. Der Groll dagegen hält sich in Grenzen. Ein Unternehmen sieht trotzdem Erklärungsbedarf.
Marco Morosoli
Sonntags müssen Reisende beim Metalli Warte­zeiten in Kauf nehmen. (Bild Werner Schelbert)

Sonntags müssen Reisende beim Metalli Warte­zeiten in Kauf nehmen. (Bild Werner Schelbert)

Marco Morosoli

Am vergangenen Sonntag um kurz nach 11 Uhr auf dem Vorplatz der Kirche St. Johannes der Täufer im Westen der Stadt Zug. Gerade ist die Erstkommunionsmesse vorbei. Die Familie eines Knaben aus der Letzi, der erstmals das geweihte Brot in Empfang nehmen durfte, steht auf dem Vorplatz. Nach dem speziellen Kirchgang geht es hinterher zu einem Essen mit der Familie und Verwandten. Die Eltern des Erstkommunikanten haben ein edles Restaurant unterhalb der Schönegg ausgesucht. Einige aus der Festgemeinde haben sich entschlossen, das Auto zu Hause zu lassen und mit dem Bus in dieses Lokal zu fahren.

An einem Sonntag kann diese Wahl des Transportmittels allerdings seit der Aufhebung des Viertelstundentaktes am siebten Wochentag im Dezember 2015 ein Unterfangen sein, das Geduld und Improvisation erfordert. Vor allem dann, wenn noch Kinder mit im Tross sind. Denn der Bus der Linie 11 fährt von der Endhaltestelle St. Johannes zur zentralen Umsteigestelle Metalli und wartet dort eine Viertelstunde, ehe er zu seiner Endhaltestelle aufbricht. «Das ist aber nicht gerade kundenfreundlich», sagt ein Familienvater der vorerwähnten Gemeinde. Da könne er ja gleich das Auto holen. Er verzichtet dann aber doch auf diese wohl schnellere Variante und macht sich mit der Gruppe zu Fuss in Richtung Metalli auf, um die Warteschlaufe zu verkürzen.

Einschränkungen schenken ein

Der seit fast vier Monaten gültige Busfahrplan, der auf vielen Linien zu spürbaren Einschränkungen führte, hat die Zahl der Busnutzer erhöht, welche beim Transportunternehmen Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) ihren Unwillen über das neue Angebot geäussert haben. Dies bestätigt Kathrin Howald, Medienverantwortliche der ZVB. Auf Unverständnis stiessen dabei oftmals die langen Wartezeiten der Busse bei der Haltestelle Metalli.

Auch die Aufhebung der Bushaltestelle Steinhof zwischen dem Postplatz und dem Hub im Metalli hat laut Howald zu Reaktionen geführt (wir berichteten). Zu einer Zunahme der Rückmeldungen gegenüber früheren Jahren komme es, so Howald, natürlich auch durch die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft. Ein E-Mail zu schreiben sei mit einem Smartphone eben schnell gemacht. «Wir nehmen aber alle Reklamationen ernst», verspricht die ZVB-Mediensprecherin. Oftmals würden auch die Buschauffeure als Klagemauer genutzt. Das seien aber die falschen Adressanten für den Frust über das neue Angebot. Aufgrund der Zahl der Rückmeldungen reagiert nun die ZVB und will im Kundenmagazin im Mai dar­legen, worin genau die Ursache für die langen Busstillstandszeiten beim zentralen Umsteigepunkt Metalli liegt.

Hans-Kaspar Weber, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr, greift dem ZVB-Aussand schon einmal vor. Und erwähnt ein Beispiel zur Begründung der Teilung der Stadt in zwei Hälften: «Wir könnten die Herti-Busnutzer bevorzugen, darunter leiden dann diejenigen, die Richtung Schönegg fahren. Oder aber wir machen es genau umgekehrt.» Bei beiden Varianten würde ein Teil der Kundschaft grollen. Seit dem Jahr 2004 hat man mit dem Konzept «Bahn und Bus aus einem Guss» den pragmatischen Weg gewählt und den Anschlussreisenden ein hohes Gewicht beigemessen. Die Folge davon ist die vorerwähnte Warteschlaufe in der Metalli.

Erster Abbau seit langem

Auch bei der kantonalen Fachstelle haben sich Buskunden gemeldet, die den neuen Fahrplan nicht toll finden. «Wir haben aber mehr Rückmeldungen erwartet», sagt Amtsleiter Hans-Kaspar Weber. Einen Angebotsabbau wie im vergangenen Dezember hat er noch nie begleiten müssen. Doch die Premiere scheint aus seiner Sicht trotzdem gelungen zu sein: «Erste Zahlen zeigen, dass es mit der Nutzung des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zug weiterhin aufwärtsgeht. Wir haben also am richtigen Ort gespart.» Ein endgültiges Ergebnis liegt aber erst im kommenden Jahr vor.

Im Zuge der Sparbemühungen sind auf den nächsten Fahrplanwechsel im Kanton Zug laut Weber aber keine weiteren Einschränkungen geplant. Noch nicht endgültig definiert ist einzig das von der Gemeinde Baar zusätzlich gestemmte Busangebot. «Die Gespräche dazu laufen noch», sagt Weber. Klar ist: Der neue Fahrplan wird am 30. Mai zur Vernehmlassung auf www.fahrplanentwurf.ch aufgeschaltet. Bis zu diesem Datum muss alles klar sein.

Warten auf bessere Zeiten

Für den Familienvater aus dem Zuger Westen ist hingegen klar, dass er beim nächsten Mal wieder sein eigenes Gefährt nehmen wird. Andere beissen in den sauren Apfel und vertreiben sich mit Lesen oder Einkaufen die erzwungene Warteschlaufe. Vielleicht, so räumt Hans-Kaspar Weber ein, kann bei besserer Finanzlage des Kantons ja dereinst ein ausgebauter Viertelstundentakt, der alle Probleme lösen wird, wieder eingeführt werden. Doch derzeit ist dies wohl Wunschdenken. Die Rechnung des Kantons ist tiefrot und Besserung ist noch nicht in Sicht.

Grosses Einsparpotenzial beim Steinhof

Die Streichung der Bushaltestelle Steinhof in der Stadt Zug hat hohe Wellen geworfen und schon zu politischen Aktivitäten geführt (wir berichteten). Im Zuge der im vergangenen Jahr angestossenen Sparbemühungen mussten im öffentlichen Verkehr rund 1 Million Franken eingespart werden. Es wurden dabei Strecken gestrichen (Buslinie 44 in Hünenberg), der Fahrplan am Abend und am Sonntag querbeet ausgedünnt oder aber Linien früher gewendet. Dies zum Beispiel bei der Buslinie 6, welche nun bereits am Postplatz statt beim Casino wendet.

Auch die Stadt Zug wollte sparen. Die Haltestelle Steinhof, die in unmittelbarer Nähe von derjenigen beim Postplatz liegt, bot sich dabei geradezu an. Hans-Kaspar Weber vom Amt für öffentlichen Verkehr erklärt den Effekt: «Das Einsparpotenzial ist auf viel befahrenen Haltestellen viel grösser als auf Haltestellen, welche nur im Stundentakt bedient werden. Wenn zum Beispiel von Oberägeri in Richtung Raten eine Haltestelle aufgehoben würde, würden pro Jahr und Richtung nur 5500 Haltestellenabfahrten wegfallen. Bei der Haltestelle Steinhof, die nur in einer Richtung befahren wurde, fallen hingegen rund 118 000 Haltestellenabfahrten weg.» Bei einem Preis pro Anfahrt von rund 53 Rappen schenkt dieser Unterschied natürlich ein, wie Weber erläutert.

Der Preis für diese Haltestellenanfahrten wird, so sagt Weber, alle vier Jahre ermittelt. Derzeit wird er für die nächste vierjährige Periode nach einem vorgegebenen mathematischen Schlüssel ermittelt. Der neue Preis pro Haltestellenanfahrt gilt ab Anfang 2017. Weber sagt: «Er wird sich in der gleichen Grössenordnung bewegen wie heute. Allenfalls ist er ein wenig billiger als der aktuelle.»

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