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ZUG: Der Schulpsychologische Dienst soll bleiben

Die SVP will den Schulpsychologischen Dienst des Kantons abschaffen. Der Regierungsrat stellt sich entschieden gegen diese Forderung. Unnötige Therapien gebe es nicht, und Kosten würden mit einer Aufhebung keine gespart.
Livio Brandenberg
Der Schulpsychologische Dienst des Kantons im ehemaligen Personalhaus des alten Kantonsspitals. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 18. Oktober 2017))

Der Schulpsychologische Dienst des Kantons im ehemaligen Personalhaus des alten Kantonsspitals. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 18. Oktober 2017))

Der Vorstoss kommt einer Maximalforderung gleich: In einer Anfang Mai eingereichten Motion verlangt die SVP-Fraktion des Kantonsrats, dass der Schulpsychologische Dienst (SPD) des Kantons Zug abgeschafft werde. Die Begründung: «Ein solcher Dienst mit fest vom Kanton angestellten Psychologen birgt die Gefahr, dass Kinder psychologisch abgeklärt werden, obwohl es nicht nötig ist.» So könnten gesunde Kinder geschwächt und zu Unrecht zum Therapiefall erklärt werden. Ausserdem bestehe ein genügend grosses Angebot von Fachleuten im Kanton, falls ein Kind einen Psychologen brauche. Und schliesslich könnten durch die Abschaffung Kosten gespart werden, heisst es in der Motion.

Der Regierungsrat sieht dies allerdings anders. In seiner nun vorliegenden Antwort stellt er sich klar auf die Seite des Schulpsychologischen Dienstes. Es gebe «keinen Grund, den SPD aufzuheben». Die Regierung beantragt dem Parlament deshalb, die Motion als nicht erheblich zu erklären. Traktandiert ist das Geschäft an der nächsten Sitzung vom 26. Oktober.

Steuerung der Kosten als Gegenargument

Das Argument der SVP, der Dienst verursache unnötige Kosten, stimme nicht, schreibt der Regierungsrat. Durch die gegenüber den Schulen und den Eltern «fachlich neutrale Beratung können in vielen Fällen Abklärungen und unnötige Massnahmen verhindert werden». Damit komme dem SPD eine «wichtige Bedeutung» bei der Steuerung der Massnahmen und somit der Kostenbelastung für den Kanton im Sonderschulbereich zu. Das zeige sich an der Sonderschulquote von 2,4 bis 2,8 Prozent im Zeitraum von 2010 bis 2016/17. Das sei im Vergleich zu anderen Kantonen ein sehr moderater Wert. Im Kanton Zürich liegt die Quote der Platzierungen von Schülerinnen und Schülern in Sonderschulen im gleichen Zeitraum bei 3,1 bis 3,9 Prozent. In Luzern ist sie ebenfalls höher (rund 3,3 Prozent). Und im Kanton Schwyz ist sie vergleichbar mit 2,5 bis 2,7 Prozent.

Was die Kosten betreffe, sei der Kanton Zug sowieso zurückhaltend. Der SPD verfügt laut Regierung über 720 Stellenprozente für die Betreuung von rund 13 550 Schülerinnen und Schülern. Eine Vollzeit angestellte Fachperson sei somit für 1882 Schüler zuständig. Gemäss den Standards der Vereinigung Schulpsychologie Schweiz – Interkantonale Leitungskonferenz sollten auf einen vollamtlichen Betreuer nicht mehr als 1500 Schüler kommen. Und auch dass es genügend private Anbieter gebe, sei kein stichhaltiges Argument. Da die Schulpsychologie eine spezifische Fachrichtung sei, könne nicht jeder im Kanton tätige Psychologe eine dem schulischen Umfeld gerechte Beratung anbieten.

Bezüglich der Sorge der SVP, Kinder könnten ohne Grund therapiert werden, entgegnet die Regierung, sie sehe hier «keine Gefahr», da der SPD über alle Schulgemeinden hinweg «bei ähnlicher Problematik vergleichbare Beurteilungen» gewährleiste und «gleiche Massstäbe» anlege.

Auftrag ist im Gesetz verankert

Abklärungen würden grundsätzlich nur im Einverständnis mit den Erziehungsberechtigten gemacht. Selbst führt der SPD keine Psychotherapien durch. Um die Zufriedenheit mit dem Dienst zu untermauern, zitiert der Regierungsrat in seiner Antwort eine im Schuljahr 2014/15 durchgeführte Umfrage. Diese habe gezeigt, dass rund 85 Prozent der Eltern, Lehrpersonen und schulischen Heilpädagogen mit dem SPD sehr zufrieden seien.

Ein grundsätzliches Problem bei einer Aufhebung des Dienstes dürfte die gesetzliche Verankerung darstellen. Die Kantone sind gemäss der Bundesverfassung und dem Behindertengleichstellungsgesetz verpflichtet, für eine ausreichende Sonderschulung aller Kinder und Jugendlichen zu sorgen. Auch deshalb sei eine Aufhebung des Dienstes nicht zielführend, ist der Regierungsrat überzeugt. Schliesslich könne ohne die Steuerung durch einen kantonalen Dienst die Gleichbehandlung aller Kinder wohl nicht mehr gleich gut gewährleistet werden.

Neben der Regierung stellt sich auch die Schulpräsidenten- und Rektorenkonferenz einstimmig gegen die Aufhebung.

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

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