ZUG: Der virtuelle Chauffeur fährt mit

Möglichst pünktlich und sicher sollen die Busse der ZVB unterwegs sein. Darum kümmern sich nicht nur die Busfahrer auf der Strasse.

Wolfgang Holz
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Herr über den Busverkehr: Janko Jankovic, einer der beiden Mitarbeiter in der ZVB-Leitzentrale. (Bild Werner Schelbert)

Herr über den Busverkehr: Janko Jankovic, einer der beiden Mitarbeiter in der ZVB-Leitzentrale. (Bild Werner Schelbert)

Die Farben auf dem Computerbildschirm erinnern irgendwie an die Fussball-Weltmeisterschaft. Rot-gelb-grün – so sehen Flaggen afrikanischer Staaten aus. Doch hier oben im Gebäude der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) an der Aa ist dies alles andere als WM-Folklore: Die Farbkaskade dokumentiert auf die Sekunde genau, welche Busse pünktlich sind und welche Verspätung haben. «Grün bedeutet, die Busse sind pünktlich unterwegs – mit bis zu zwei Minuten Toleranz über den angegebenen Fahrplanzeiten», erklärt Tim Kakuschke, Teamleiter der Leitzentrale. Gelb zeige an, welche Busse mit mehr als zwei Minuten verspätet seien. «Und Rot heisst massive Verspätung ab fünf Minuten.»

Im Augenblick sind nur zwei Busse weit über dem Limit: «Einer der beiden hatte Probleme mit den Türen, deshalb musste er kurz anhalten – nun fährt er wieder», so der gebürtige Berliner. Die grosse Mehrzahl der Busse, die gerade unterwegs sind, liegen im wahrsten Sinne des Wortes im grünen Bereich.

Zug ist ein kleiner Kanton. Und doch verkehren auf den 25 ZVB-Linien täglich – von Montag bis Freitag – rund 2400 Kurse. Wobei ein Buskurs etwa auf der Linie 43 eine Fahrt von Rumentikon zum Chamer Bahnhof meint. Damit diese vielen Fahrten möglichst reibungslos funktionieren, wachen zwei Augenpaare in der Leitzentrale über jede Bewegung der Busse. Und das von 4.30 bis 21.30 Uhr unter der Woche und bis 1.30 Uhr am Wochenende.

«In der Regel warten die Fahrer»

In der Leitzentrale ist auf sechs Bildschirmen so ziemlich alles dokumentiert, was man über die Fahrten der einzelnen Busse wissen muss, die im Kanton Zug unterwegs sind. Etwa der Name jedes einzelnen Buschauffeurs und wo gerade jeder Bus konkret fährt – «bis auf 25 Meter genau», so Tim Kakuschke.

Auf einem anderen Screen ist zu sehen, welche Züge der SBB gerade wie viel Verspätung haben – deutlich mehr als die Busse der ZVB. Der Cisalpino aus Milano hinkt laut Computer schon wieder 17 Minuten hinterher und trifft endlich in Zug ein. «In der Regel geben wir den Busfahrern durch, sie sollen auf die Züge warten – denn gerade die Leute im Feierabendverkehr wollen sicher sein, dass sie auch nach Hause kommen», sagt Kakuschke. Und erzählt, dass ein Zugpassagier einmal sogar direkt in der Telefonzentrale der ZVB angerufen und händeringend darum gebeten habe, dass der Anschlussbus doch ja warten möge. Er habe den Zugpassagier dann persönlich zurückgerufen und diesem garantiert, der Bus werde warten. «Am Ende profitierten davon sogar rund zehn Reisende.»

«Pünktlichkeit soll und darf für die Fahrgäste eine Selbstverständlichkeit sein. Dafür setzen wir uns täglich mit Herz und Verstand ein – ob in der Planung, in der Leitzentrale als auch jeder einzelne Chauffeur», sagt Tanja Fedier, ZVB-Marketing-Leiterin. Sie erklärt, wie pünktlich genau die Busse tatsächlich unterwegs sind. «Der Zielwert sagt, 75 Prozent der Busse kommen pünktlich – mit einer Toleranz von bis zu 59 Sekunden über der angegebenen Fahrplanzeit. Oder 95 Prozent fahren pünktlich mit einer Toleranz von bis zu drei Minuten – wobei beide Zielwerte in der Realität locker eingehalten werden», sagt Fedier.

Staus und Fahrzeitreserven

Aber was passiert bei Staus – wie etwa jenem chronischen in Cham im Feierabendverkehr? Felix Gächter, Leiter der Abteilung Planung bei den ZVB, beruhigt. «Als die Autobahnsanierung bei Cham für lange Staus in der Ennetsee-Gemeinde sorgte, haben wir darauf reagiert, indem wir die Linie 8 von Baar nach Rotkreuz in Cham teilten. Seit dem letzten Fahrplanwechsel 2013 läuft die Linie wieder an einem Strang.» Zudem habe die elektronische Busspur auf der Artherstrasse in Zug dazu geführt, dass der Busverkehr flüssiger verlaufe. Nicht zuletzt gebe es auf jedem Kurs gewisse Fahrzeitreserven. «So manche Verspätung in der Hauptverkehrszeit lässt sich aber nicht vermeiden – wir sind Teil des Gesamtverkehrs.»

Andererseits wirken die virtuellen Busfahrer in der Leitzentrale – die sich immer wieder selbst ans Steuer setzen – auch darauf ein, dass ihre Kollegen nicht zu schnell unterwegs sind. Sprich: Ein Bus soll im Idealfall den Fahrplan auch im positiven Sinn pünktlich einhalten – und nicht an Haltestellen ohne Passagiere vorbeidüsen. «Ist ein Chauffeur mal zu schnell, schicken wir ihm eine SMS auf sein Kassa-Verkaufsgerät – mit dem Hinweis: Fahrplan bitte einhalten!», sagt Tim Kakuschke. Und drückt auf Enter.