ZUG: Diät für einen guten Zweck

Aleksandar Kostic hat fast 14 Kilogramm abgenommen – und dabei 7500 Franken gesammelt. Davon profitieren nun Familien in Serbien.

Rahel Hug
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Gestern hat Aleksandar Kostic die 7500 Franken auf der Bank eingezahlt. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Gestern hat Aleksandar Kostic die 7500 Franken auf der Bank eingezahlt. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

125 Kilogramm hatte Aleksandar Kostic im Frühjahr auf den Rippen – zu viel für seinen Geschmack. Der 27-jährige Zuger suchte daraufhin nach Möglichkeiten, wie er abnehmen kann. Mit klassischen Diäten konnte er nicht viel anfangen. Sein Ziel war, etwas Aussergewöhnliches und etwas Persönliches zu machen. So kam er auf die Idee, eine Aktion auf Facebook zu starten. Das Konzept ist so simpel wie originell: Für jedes Kilo, das er verliert, spenden Freunde und Bekannte einen von ihnen bestimmten Betrag. Das Geld kommt anschliessend Familien in Serbien und Bosnien zugute, die von den Überschwemmungen im Mai 2014 besonders stark betroffen waren und nach wie vor sind.

Drei Monate dauerte die Aktion des jungen Zugers, dessen Eltern beide aus Serbien stammen. Anfang September beendete er sein Projekt – mit einem beeindruckenden Fazit: Er hatte 13,7 Kilo verloren – und 7500 Franken an Spenden eingenommen. Gestern schliesslich konnte er das gesammelte Geld auf der Bank einzahlen.

Idealer Zeitpunkt

Abzunehmen war seit längerem ein Thema für Aleksandar Kostic. Als sich vor drei Jahren in Serbien ein Erdbeben ereignete, kam ihm zum ersten Mal der Gedanke, Kilos loszuwerden und dies gleichzeitig mit einer Spendenaktion zu verbinden. «Wo ich die Idee aufgeschnappt habe, weiss ich nicht mehr genau», erzählt Kostic, der das Fach Osteuropa-Studien an der Universität Zürich besucht. Damals habe er jedoch kalte Füsse bekommen. «So eine Aktion ist nicht ohne. Du stehst unter grossem Druck. Wenn du einmal angefangen hast, kannst du keinen Rückzieher mehr machen.» Diesen Frühling aber hat er sich entschieden, das Projekt zu starten – für sich selber und für die Allgemeinheit: «Der Zeitpunkt war ideal, und ich war überzeugt, etwas verändern zu wollen.»

Gesagt, getan. Seit dem 1. Juni ass Aleksandar Kostic deutlich weniger, verzichtete auf Fast Food, machte jeden zweiten Tag Sport. «Wenn ich nicht oder nur wenig abgenommen hätte, wäre das eine Blamage gewesen. Das hat mich angetrieben.» Motiviert hat ihn aber auch, dass er mit seiner aussergewöhnlichen Diät direkt von Armut betroffene Familien unterstützen kann – im Land, wo seine Wurzeln liegen. Die Organisation, für die er die 7500 Franken gespendet hat, unterstützt Familien nicht finanziell, sondern direkt mit wichtigen Gütern. Sozial engagiert hat sich Aleksandar Kostic bereits früher: «Es geht uns so gut hier. Und nur anderthalb Flugstunden von der Schweiz entfernt herrscht so viel Armut.» Mit seiner Aktion sei der Nutzen gleich doppelt gross. «Denn diese Idee hat mich nichts gekostet, ausser dass ich gesünder geworden bin.»

Positive Rückmeldungen

Insgesamt 108 Leute aus seinem Bekanntenkreis haben schliesslich einen Batzen für Kostics Aktion springen lassen. Die Rückmeldungen seien ausschliesslich positiv gewesen, erzählt der 27-jährige Zuger. «Viele alte Bekannte haben sich wieder gemeldet und waren begeistert von der Idee.»

Die aufmunternden Worte und die Unterstützung aus seinem Freundeskreis hätten ihn zusätzlich darin gestärkt, die Aktion bis zum Schluss durchzuziehen. Mit dem, was er in den drei Monaten erreicht hat, ist Aleksandar Kostic sehr zufrieden. «Es war ein Chrampf», blickt er zurück, «aber ich bin froh, dass ich es gemacht habe.» Mit seinen 13,7 verlorenen Kilos habe er sein Minimalziel, 10 Kilo abzunehmen, erreicht. «Es hätte zwar noch mehr sein können», resümiert er. Jedoch habe er auf gewisse Dinge nicht verzichten und nicht übertreiben wollen.

Ein Vorbild sein

Und wie geht es jetzt weiter? Sein Gewicht will der Student zu halten versuchen – sein langfristiges Ziel ist sogar, noch mehr abzunehmen. Aleksandar Kostic schliesst auch nicht aus, dass es allenfalls eine nächste, neue Aktion geben wird. Geplant hat er aktuell aber nichts. Denn im Moment liegt ihm vor allem eines am Herzen: «Ich hoffe, dass ich mit meiner Aktion ein Vorbild bin und andere motivieren kann, ebenfalls auf diese Art und Weise aktiv zu werden.»