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ZUG: Die Ahnen bauten mit System

Schon im späten Mittelalter baute man verdichtet und nach Art von «Playmobil». Hiesige Historiker haben am Samstag die Bohlenständerbauten in der Stadt beleuchtet.
Susanne Holz
Und gleich geht es los: Brigitte Moser erklärt den interessierten Zuhörern die spätmittelalterlichen Bohlenständerbauten in der Zuger Altstadt. Ein Ausflug in historische Bautechnik und Wohnkultur. (Bild Werner Schelbert)

Und gleich geht es los: Brigitte Moser erklärt den interessierten Zuhörern die spätmittelalterlichen Bohlenständerbauten in der Zuger Altstadt. Ein Ausflug in historische Bautechnik und Wohnkultur. (Bild Werner Schelbert)

Susanne Holz

Wer Kinder hat, der hat mit ziemlicher Sicherheit auch schon das eine oder andere Playmobil-Haus zusammengebaut. Wer vergangenen Samstag im Rahmen einer Führung des Historischen Vereins des Kantons Zug zusammen mit den Zuger Historikern Brigitte Moser und Thomas Glauser den Bohlenständerbauten der Altstadt nachspürte, der fühlte sich vielleicht an die «Playmobil-Stunden» in seinem Leben erinnert. Womöglich auch die Referentin selbst, denn Brigitte Moser führt mit Esprit und Leidenschaft ins Thema ihrer Dissertation ein: den Bohlenständerbau in Spätmittelalter und früher Neuzeit. Die Dissertation der Kunsthistorikerin und Mittelalterarchäologin ist im Rahmen eines Nationalfondsprojekts an der Uni Zürich entstanden – Forschungs- und Projektpartner war das Amt für Denkmalpflege und Archäologie Zug.

Prädestiniert für die Stadt

«Der Bohlenständerbau ist ein geniales Baukastensystem», erklärt Brigitte Moser zu Beginn, als man vor dem Haus an der Dorfstrasse 19 steht, das im Volksmund «Schoggihüüsli» heisst. «Man konnte flexibel bauen, hoch, breit oder schmal – diese Bauweise war prädestiniert für den Bau in der Stadt.»

Doch was bedeutet «Bohlenständerbau»? Brigitte Moser: «Dieser Bau setzt sich aus einem tragenden Gerüst und variablen Zwischenteilen zusammen. Der Bau ist ganz aus Holz. Das Gerüst besteht aus massiven Ständern, die unten und oben mit horizontalen Schwellen und Bundbalken verzapft sind. An den Verbindungsstellen der Balken angeblattete Kopf- und Fusshölzer stabilisieren das steife Gefüge zusätzlich. Wandbohlen und Bodenbretter sind in das fixe Gerüst eingeschoben und einfach auszutauschen.»

Sprich, man konnte diese Holzhäuser leicht umbauen, was auch häufig getan wurde. Zudem «versteinerte» man die Bohlenständerbauten im Nachhinein oft, sodass sie heute kaum mehr als solche zu erkennen sind. So wie das ehrwürdige Haus an der St.-OswaldsGasse 10. Der dreigeschossige Bau wurde 1447 errichtet, damals noch ausserhalb der Stadt. Was die Zuhörer beeindruckt: Brigitte Moser weiss, dass der Giebel des Hauses ursprünglich nach Norden zeigte, zur Kirchenstrasse hin. Der Grund: Die Kirchenstrasse führte direkt zur Kirche St. Michael und war somit die wichtigste Strasse rund ums Haus. Heute zeigt der Giebel nach Osten, direkt auf die Kirche St. Oswald, die ab 1478 erbaut wurde.

Stadtarchivar Thomas Glauser erläutert die Geschichte rund um die Hausbesitzer: Der Erbauer war ein wohlhabender Metzger. Brigitte Moser wiederum führt aus, dass in diesem Haus Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts Schuhe geflickt und hergestellt wurden – Archäologen fanden zwischen Decken- und Bodenbrettern über 600 Lederschnipsel.

Das Holz wurde knapp

Man erfährt noch sehr viel während dieser Führung, die in der Altstadthalle endet – einem weiteren Bohlenständerbau. Warum wohl kamen diese Bauten Ende des 16. Jahrhunderts aus der Mode? Womöglich, weil das Holz knapp wurde. Auch erreichte die Kleine Eiszeit einen Höhepunkt – und die Wände dieser Bauten waren sehr dünn. Zudem: Die eigentlich genialen, aber reinen Holzbauten neigten zur Fäulnis.

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