ZUG: «Die Busse müssen stärker bevorzugt werden»

Kaum ein anderer Kanton ist verkehrstechnisch so gut erschlossen wie Zug. Der ZVB-Chef spricht über den weiteren Ausbau – und Engpässe.

Ernst Meier
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Cyrill Weber leitet seit drei Jahren den grössten Verkehrsverbund im Kanton Zug. (Bild Stefan Kaiser)

Cyrill Weber leitet seit drei Jahren den grössten Verkehrsverbund im Kanton Zug. (Bild Stefan Kaiser)

Die Festtage sind vorbei. Wie streng ist diese Zeit für die Angestellten der Zugerland Verkehrsbetriebe?

Cyrill Weber: Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr sind für unsere Mitarbeiter von starken Schwankungen geprägt. Während es zwischen den Weihnachtstagen sowie zum Jahreswechsel eher ruhig ist und wir deutlich weniger Fahrgäste befördern, sind die Tage dazwischen sehr hektisch. Die Leute strömen in die Stadt zum Einkauf.

Eine Herausforderung wird wohl auch die Schichtplanung sein. Wer arbeitet schon gerne an Heilig Abend oder an Silvester?

Weber: Jeder unserer 240 Fahrdienstmitarbeiter muss grundsätzlich auch an Feiertagen Einsätze übernehmen. Die Arbeitspläne werden jeweils frühzeitig erstellt, sodass es sich jeder einplanen kann. Häufig melden sich alleinstehende Mitarbeiter freiwillig für die Spätschichten an Heilig Abend. Schön ist es in diesen Tagen, aus der Bevölkerung Dank für die tägliche Arbeit zu erhalten. Das höre ich immer wieder von Chauffeuren, die von Kunden mit Guetzli und Schokolade beschenkt werden.

2013 ist Geschichte. Welche Bilanz ziehen Sie?

Weber: Es war einmal mehr ein intensives und erfolgreiches Jahr für die Zugerland Verkehrsbetriebe AG. Geprägt war der Start ins 2013 vom Fahrplanwechsel, der drei Wochen zuvor erfolgte. In Zug bewirkte er wichtige Angebotsverbesserungen wie den Viertelstundentakt bis 22 Uhr auf den Hauptlinien. Gesamthaft erhöhten wir das Transportangebot um 7 Prozent. Der Wechsel verlief reibungslos und erfolgreich. Dies zeigt auch die Nachfragesteigerung von Januar bis November von rund 3,3 Prozent. Im 2013 konnte auch mit Blick auf das Projekt Fokus – also auf den Bau des neuen ZVB-Hauptstützpunktes und des Verwaltungszentrums 3 – ein wichtiger Meilenstein erreicht werden. Denn in einer Generalplanersubmission wurde das Planerteam für die ZVB ausgewählt.

Stadttunnel, Umfahrung Hünenberg, Tangente Zug-Baar: Der Kanton plant mehrere grosse Projekte im Strassenbau. Was bedeutet dies für die ZVB?

Weber: Die genannten Infrastrukturprojekte bieten für den öffentlichen Verkehr zahlreiche Chancen. Wichtig ist, dass wir unsere Bedürfnisse – etwa die ungehinderte Zufahrt in die Ortszentren, den Bau von behindertengerechten Haltestellen oder den Einsatz von Verkehrsdosierungsmassnahmen – einbringen können.

Zug, Baar oder Walchwil profitieren von der Stadtbahn-Anbindung. Das Ägerital, Neuheim, aber auch Hünenberg-Dorf sind nicht angeschlossen. Wie gehen Sie mit diesen Unterschieden um?

Weber: Für die Bevölkerung sind in Sachen öffentlicher Verkehr schnelle und direkte Verbindungen an die SBB-Hauptverkehrsachsen wichtig. Ob sie mit der Stadtbahn oder mit einem ZVB-Bus dahin gelangen, spielt eine untergeordnete Rolle. Für jene Gemeinden und Ortsteile, die dem Stadtbahn-Netz nicht angeschlossen sind, hat die ZVB natürlich eine grössere Bedeutung. Im vergangenen Jahr haben wir mit verschiedenen Verbesserungen dafür gesorgt, dass die Regionen verkehrstechnisch nicht benachteiligt sind. Neben dem Viertelstundentakt ins Ägerital, setzen wir während den Pendlerspitzen zusätzliche Busse, sogenannte Verstärkerkurse, ein. Mit der Linie 34 (Unterägeri–Baar) kann man neu zu den Hauptverkehrszeiten ohne Umsteigen direkt zum Bahnhof Baar fahren. Auch in anderen Gemeinden wird das Angebot kontinuierlich ausgebaut.

Wo sehen Sie weiteren Handlungsbedarf beim Ausbau des Busverkehrs?

Weber: Der Kanton hat in den letzten Jahren den öffentlichen Verkehr kontinuierlich ausgebaut und so dem Bevölkerungs- und Pendlerwachstum Rechnung getragen. Wenn wir heute an Grenzen stossen, dann aufgrund von Platzknappheit und Verkehrsstaus. Weil der Individualverkehr viel Platz einnimmt, entstehen an manchen Orten neue Herausforderungen. Gerade bei den Zufahrten zu den Bahnhöfen Cham oder Baar während den Hauptverkehrszeiten sieht man dies deutlich.

Mit welchen Verbesserungen kann man den Busverkehr gegenüber dem Individualverkehr stärken?

Weber: Es braucht vermehrt Busbevorzugungsmassnahmen. Das können Pförtneranlagen sein oder intelligente Lichtsignale, die den Verkehrsfluss regeln. Auf den Linien 3 und 5 planen wir zwischen Friedbach und Männibach eine elektronische Busspur.

Nicht nur zu den Hauptverkehrszeiten sind die ZVB gefragt. Die Jugend geht nach Zürich in den Ausgang und will spätere Verbindungen zurück nach Zug. Seit kurzem gibt es sogar einen Nachtexpress ins Freiamt. Geht der Ausbau auch in diesem Bereich weiter?

Weber: Vorläufig erachten wir das Angebot als ausreichend, beobachten die weitere Entwicklung aber genau. Seit Dezember 2012 fahren die Nachtbusse der ZVB unsere Kunden um 2 Uhr ab dem Bahnhof Zug in die Gemeinden. Von Januar bis Oktober haben 9500 Personen diesen Service genutzt. Das bedeutet eine Verdoppelung bei den Nachtbuskunden im Vergleich zum Vorjahr.

Nach wie vor gilt in den Bussen der ZVB die Selbstkontrolle – mit Stichproben. Wird eigentlich viel «schwarz» gefahren?

Weber: Die Schwarzfahrer-Quote beträgt 1,5 Prozent. Das ist ein im Branchenvergleich verhältnismässig tiefer Wert und hat wohl auch damit zu tun, dass wir eine hohe Abodichte unter den Fahrgästen aufweisen. Bei den ZVB sind täglich Kundenberater unterwegs, welche die Billette kontrollieren und unsere Kunden hinsichtlich dem Sortiment oder Angebot beraten.

Neben herkömmlich angetriebenen Bussen haben Sie auch Fahrzeuge mit Hybridmotor im Einsatz. Wie fahren die ZVB in einigen Jahren?

Weber: Wir testen aktuell drei Hybridbusse. Dabei handelt es sich um Prototypen. Diese verbrauchen zwar 30 Prozent weniger Treibstoff, sind im Unterhalt aber etwas teurer und im Fahrbetrieb weniger komfortabel. Weltweit werden derzeit verschiedene Antriebstechniken getestet: vom Elektro-, über Erdgas- bis zum Wasserstoffmotor. Welche Technologie sich durchsetzen wird und dereinst auch in unserer Flotte, die aus 120 Fahrzeugen besteht, zum Einsatz kommt, ist noch offen. Bei der Beschaffung von neuen Fahrzeugen schauen wir auf die Umweltfreundlichkeit, den wirtschaftlichen Betrieb sowie die Kundenfreundlichkeit. Die Busse sind im Schnitt 14 Jahre im Dauereinsatz und legen in dieser Zeit bis zu 1 Million Fahrkilometer zurück.

Hinweis

Cyrill Weber (42) ist seit 2010 Unternehmensleiter der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) mit 390 Mitarbeitern. Zum Unternehmensverbund gehören auch die Schifffahrtsgesellschaften Zugersee und Ägerisee, die Zugerberg-Bahn, die AHW Busbetriebe AG, die Busgarage Waldegg AG sowie die Zugerland Reisen.