ZUG: Die Chriesi haben Vorsprung

Chriesi haben Vorsprung Zug Bis zu zwei Wochen sind die Bäume ihrem normalen Rhythmus voraus. Das lässt hoffen – und zugleich bangen.

Christian Glaus
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Linda Spadola betrachtet mit Sohn Maximilian die blühenden Kirschbäume in Rotkreuz. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Linda Spadola betrachtet mit Sohn Maximilian die blühenden Kirschbäume in Rotkreuz. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Wie der Winter aufgehört hat, macht der Frühling weiter: mild und sehr sonnig. So präsentierte sich das Wetter zumindest in den letzten Wochen und sorgte in der Natur für einen regelrechten Wachstumsschub. Dies merkt man nun auch bei den Chriesi-Bäumen, einem Markenzeichen von Zug. «Verglichen mit einem durchschnittlichen Jahr sind sie etwa 7 bis 14 Tage früher dran», sagt Louis Suter, Leiter der kantonalen Fachstelle für Obstbau. Die Bäume in den tieferen Lagen seien jenen in den Berggemeinden etwas voraus. «Die frühen Sorten sind bereits am Abblühen. Mittlere und späte Chriesi-Sorten sind nun in der Vollblut», klärt Suter auf.

Frostschäden

Nach dem schlechten letzten Jahr mit einer kleinen und späten Ernte dürfen die Zuger Obstbauern nun also hoffen. Es gibt aber auch bange Momente. So zum Beispiel letzte Woche, als die Temperatur gleich zweimal nachts unter null Grad gesunken ist. Die Nacht auf Dienstag und jene auf Freitag waren für die Chriesi-Bäume zu kalt. «Es gab Frostschäden», sagt Louis Suter, «zum Teil sind die Knospen erfroren, bevor sie aufgegangen sind.» Wie gross die Schäden sind, könne man jetzt noch nicht abschätzen. Suter relativiert aber: Selbst bei einer guten Ernte rechne man nicht damit, dass 100 Prozent der Blüten schliesslich auch Früchte bilden.

Fakt ist, dass das frühe Einsetzen der Blütephase die Risiken für die Obst- und Chriesi-Bauern erhöht: Die Gefahr, dass sich nachts nochmals Frost bildet, ist grösser. «Man weiss nie, was noch kommt», sagt Suter, zeigt sich aber optimistisch. Könnte er das Wetter beeinflussen, so würde er für milde Temperaturen und viel Sonne sorgen. Die Böden seien feucht genug, Regen brauche es deshalb nicht mehr. «Zu viel Föhn wäre allerdings nicht gut. Der trocknet nämlich die Blüten aus», weiss der Hünenberger Chriesi-Fachmann.

«Natur gibt auch etwas zurück»

Im letzten Jahr hatte die Blütenphase bei den Kirschbäumen erst spät begonnen. Und bekanntlich war es lange kalt. «Das war himmeltraurig», erinnert sich Louis Suter. Immerhin sei es während der Ernte trocken und warm gewesen. Das habe die Chriesi-Saison gerettet. «Es gab zwar nur wenige Chriesi, diese waren dafür qualitativ gut.» Bei dieser geringen Menge sei es auch nicht schlimm gewesen, dass viele ihre Chriesi erst während der Sommerferien ernten konnten.

Louis Suter hat schon viele Ernten erlebt und lässt sich von einem schlechten Jahr nicht so schnell aus der Fassung bringen. Genau so wenig, wie er bei einem guten Start wie heuer in Euphorie ausbricht: «Die Natur nimmt sich mal was – sie gibt aber auch immer wieder etwas zurück.»