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ZUG: Die Demokratiekrise erfordert von allen mehr Mut

Die Politphilosophin Katja Gentinetta hat im Casino über die Herausforderungen der Gegenwart gesprochen, nachdem in einigen europäischen Ländern Populisten das Ruder übernommen haben.

Im Rahmen der Gesprächsreihe «Zuger Dialoge» lädt die Stadt Zug einmal im Jahr ins Casino ein, wo renommierte Stimmen ihre Sicht auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur ausbreiten.

Am vergangenen Dienstagabend sprach die Politphilosophin Katja Gentinetta über die Krisenkaskade der letzten Jahre und setzte vor dem Hintergrund der Entwicklungen in der Türkei, in Polen, Ungarn oder der Slowakei als jüngsten Punkt die Demokratiekrise auf die Liste.

«Wir haben uns zu bequem auf die Anziehungskraft von Freiheit und Demokratie verlassen, ohne dieses Erbe aktiv zu schützen», sagte Katja Gentinetta. Nun grassiere der Populismus in Europa.

Eine blosse Krise der Wahrnehmung sei das nicht: Die Zahlen seien zwar klar, noch nie in der Geschichte seit es der Menschheit so gut gegangen wie heute, wenn man etwa auf Hunger, Lebenserwartung und Bildung der Weltbevölkerung schaue. Daraus folgerte Gentinetta: «Den Nährboden für den grassierenden Populismus bildet nicht die Tatsache, dass es uns schlecht gehen würde, sondern das Gefühl, das wir unsere Identität verlieren und uns nicht mehr selbst bestimmen können.» Also nicht materieller Verlust, sondern gefühlte kulturelle Überfremdung und Kontrollverlustängste blasen den Wind in die Segel des starken Mannes an der Spitze.

Eine neue Wählergruppe mischt mit

Bei Abstimmungen wie der Masseneinwanderungs-Initiative, der Wahl Trumps oder der Wahl Erdogans sei ein überdurchschnittlich grosser Anteil jener Wähler mobilisiert worden, die sich früher nicht am Abstimmungsprozess beteiligt hätten, führte Gentinetta weiter aus.

Diese neue, wirtschaftlich oft weniger privilegierte Wählergruppe sei eher bereit, riskante Entscheide zu treffen, als die traditionelle Wählerschaft und treibe die Demokratie mit ihrem Ruf nach Populismus in eine Krise. «Das führt uns zu einer schwie­rigen Grundproblematik: Ist Demokratie nur stabil, solange nicht alle wählen?» Der derzeitigen Dynamik entgegensteuern könnten die ­gewählten Politiker, wenn sie ­gewisse Themen mutiger ansprechen würden und das Feld in diesen Debatten nicht nur jenen überliessen, die sich diese Themen auf die Fahne schrieben und einfache Lösungen versprächen.

Am Schluss der Veranstaltung sagte die Politphilosophin Katja Gentinetta: «Ich wünsche mir mehr Mut von allen Seiten, brenzlige Themen sachlich und zivilisiert anzusprechen.»

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

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