ZUG: Die Frau für Fussballfeste

Im September spielte Zug 94 gegen den FC Basel im Cup. Da musste viel organisiert werden. Für Doris Keller, die schon andere Hochkaräter managte, war das kein Problem.

Wolfgang Holz
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Doris Keller mit dem speziellen Fanschal. (Bild: Maria Schmid (22. Dezember 2016))

Doris Keller mit dem speziellen Fanschal. (Bild: Maria Schmid (22. Dezember 2016))

Wolfgang Holz

wolfgang.holz@zugerzeitung.ch

Sie sind legendär – jene Sportmoderatorinnen, die noch von Schalke 05 und Eintracht Dortmund geredet haben. Doch das ist schon fast eine Ewigkeit her. Längst haben auch Frauen den Fussball erobert. Das liegt nicht nur daran, dass Frauen inzwischen selbst spannenden Fussball auf höchstem Niveau spielen, im Stadion ihrem Lieblingsklub zujubeln oder sogar über Fussballländerspiele an Weltmeisterschaften live berichten. Frauen und Fussball – das funktioniert bestens. Beispiel Zug 94.

Rund drei Monate ist es her, dass der Zuger Fussballklub den Schweizer Fussball-Giganten FC Basel zum Cup-Match in der Hertiallmend begrüssen konnte. Ein Traumlos. Ein Traum, der aber demjenigen, der verantwortlich für die Organisation einer solchen Mammutveranstaltung ist, unter Umständen schlaflose Nächte bereiten könnte. Denn normalerweise kickt Zug 94 bei seinen Erstliga-Matches vor ein paar hundert beschaulichen Zuschauern in der Herti. Beim Cup-Spiel gegen den FC Basel würden aber sicher Tausende kommen. Da gabs eine Menge zu tun.

«Zum Fussball bin ich wie die Jungfrau zum Kind gekommen»

Doris Keller haben all diese Aussichten auf Stress, Hektik, zig Telefonate, und, und, und ... überhaupt nicht aus der Ruhe gebracht. Im Gegenteil. Wobei es ihr vielleicht auch hilft, dass sie als passionierte Orientierungsläuferin grundsätzlich nicht so leicht die eingeschlagene Richtung verliert. Die 44-Jährige war 2012 im Gefolge von Apollo-Projekt-Zünder Martin Blaser nach Zug gekommen. Seitdem ist die gebürtige Bernerin immer wieder für den Zuger Fussballverein aktiv. Seit 2014 sitzt sie im Verwaltungsrat des Klubs, seit 2015 ist sie verantwortlich für Events.

«Eigentlich bin ich zum Fussball wie die Jungfrau zum Kinde gekommen», sagt die gelernte KV-Frau und lacht. Sie hat eine Zeit lang bei Team Marketing in Luzern gearbeitet – jener Agentur, welche die Vermarktung der Fussball-Champions-League managt. «Inzwischen bin ich seit 15 Jahren im Fussballgeschäft auf der Vermarktungsseite tätig und habe mich selbstständig gemacht», sagt Keller. Dabei zählen durchaus Hochkaräter als Beweis für ihr Organisationstalent. Sie stellte beispielsweise das Fussballtrainingslager der brasilianischen «Seleçao» 2006 in Weggis auf die Beine. Oder etwa als lokale Organisationsverantwortliche das Europa-League-Endspiel zwischen dem FC Liverpool und dem FC Sevilla dieses Jahr im Basler St.-Jakob-Stadion.

Doch zurück zum Cup-Match zwischen Zug 94 und dem FC Basel. Vier Wochen blieben Doris Keller, um als Hauptverantwortliche zusammen mit zwei, drei anderen Personen von Zug 94, inklusive Präsident Beat Knoblauch, diese Herausforderung zu stemmen. «Der Zeitdruck und die Komplexität eines solchen Ereignisses sind das Schwierigste», räumt sie im Nachhinein ein. Die Organisation des Zuger Mega-Kicks fing allein schon damit an, dass man das Cup-Spiel vom Samstag auf den Sonntag verschieben musste. «Fussballspiele sind bewilligungspflichtig. Und am Samstag spielte eben schon der EVZ. Zwei solche Grossereignisse am gleichen Tag sind nicht möglich», erklärt Keller.

Dann musste sie gemäss den Vorgaben des Schweizerischen Fussballverbands ein Sicherheitskonzept erarbeiten und der Zuger Polizei vorlegen. Will heissen: strikte Fantrennung mit separatem Gästesektor – schliesslich sind 600 Basel-Fans erschienen. Das bedeutet: Zusätzliches Security-Personal im Stadion (20 Mann) sowie Kameras an den Faneingängen. Weitere Parkplätze organisieren. Verkehrskadetten aufbieten. Ticketpreise festlegen. Spezielle Mannschaftstrikots für den Match drucken lassen. «Das Problem ist, dass das Herti-Stadion mit der Tribüne mit rund 1500 Sitzplätzen eigentlich für so viele Zuschauer nicht geeignet ist und der Platz auf dem Gelände dann knapp wird», erklärt Keller. Bekanntlich laufen ja Verhandlungen mit der Stadt Zug im Rahmen des Apollo-Projekts für einen Stadionneubau. Konkretes gibt es aber noch nicht – dafür ist Zug 94 nicht zuletzt spielerisch derzeit zu weit weg von den Träumen, in ein paar Jahren in der Challenge League mitmischen zu wollen.

«Es gab keine Fan-Randale, keine Pyros wurden gezündet»

«Es kann manchmal noch vorkommen, dass man als Frau nicht ernst genommen wird – bis es klar ist, dass man sehr wohl Ahnung vom Geschäft hat», räumt die Fussballfrau ein, die sich gerne, ganz unabhängig von einem bestimmten Klub, gute Fussballspiele anschaut. Das Zuger Cup-Spiel gegen Basel ist aus ihrer Sicht sehr gut über die Bühne gegangen. «Es gab keine Fan-Randale, es wurden keine Pyros gezündet. Zug 94 hat nur knapp mit 0:1 gegen Basel verloren.» Unterm Strich seien dem Verein rund 30000 Franken Gewinn geblieben. Probleme habe es einzig durch die langen Fanschlangen an den zwei Eingängen gegeben. «Ein Fan hat im Nachhinein reklamiert, seinen Regenschirm nicht zurückbekommen zu haben, den er am Eingang aus Sicherheitsgründen abgeben musste», sagt Keller. Wobei sie es im Rückblick auf den Match, auf den es 90 Minuten lang nieselte, auch nicht verstehen kann, dass nicht alle Fans ihren Regenschirm mit ins Stadion nehmen durften, sondern nur diejenigen mit einem Knirps-Modell. «Der Regen war sicherlich ein Grund, dass am Ende nur rund 4200 Zuschauer gekommen sind.»

Und danach? Hat sie einen grossen Blumenstrauss für ihre gute Organisation erhalten? Sie lacht und schüttelt den Kopf. «Ich schaffe lieber im Hintergrund und stehe nicht so gerne im Rampenlicht», sagt Doris Keller. Sie habe zwei Trikots vom Match geschenkt bekommen – eins von Basel und eins von Zug. Rund 50 andere Fussballtrikots liegen bei ihr bereits im Kleiderschrank. Erzählts und freut sich schon – auf den nächsten Cup-Match von Zug 94.

Hinweis

In unserer Serie «Menschen hinter den Geschichten» zum Jahreswechsel lassen wir Menschen zu Wort kommen, die Teil eines schlagzeilenträchtigen Ereignisses im Jahr 2016 waren, dabei jedoch eher im Hintergrund blieben.

Da war die Tribüne auf der Herti-Allmend proppenvoll: Zuschauerkulisse während des Cup-Spiels von Zug 94 gegen den FC Basel. (Bild: Maria Schmid (18. September 2016))

Da war die Tribüne auf der Herti-Allmend proppenvoll: Zuschauerkulisse während des Cup-Spiels von Zug 94 gegen den FC Basel. (Bild: Maria Schmid (18. September 2016))