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ZUG: Die Freiheit ennet der Grenze

Eine Initiative fordert längere Ladenöffnungszeiten. Rund um Zug kann man diesen Service schon längst in Anspruch nehmen.
Im Lidl in Küssnacht SZ ist einkaufen bis 20 Uhr möglich. (Bild: Christian H. Hildebrand / Neue ZZ)

Im Lidl in Küssnacht SZ ist einkaufen bis 20 Uhr möglich. (Bild: Christian H. Hildebrand / Neue ZZ)

Familiengrosseinkauf am Samstag – manche können davon ein Lied singen. Entweder wagt man sich morgens mit allen anderen in den Pulk. Das ist stressig. Oder man erledigt den Einkauf halt nachmittags – wenn man sich eigentlich zusammen mit den Kindern lieber anderen Dingen widmen würde.
Jenseits der Kantonsgrenzen rund um Zug ist etwa dieser Samstagseinkauf aufgrund längerer Ladenöffnungszeiten längst wesentlich verbraucherfreundlicher organisiert. Beispiel Affoltern am Albis im Kanton Zürich. Entspannt kann man dort nach 15 Minuten Autofahrt bis 20 Uhr bei der gut sortierten Migros im Dorfzentrum einkaufen. Die Verkäuferinnen wirken dort selbst noch nach 18 Uhr freundlich an der Kasse, die Kunden schieben entspannt ihre Einkaufswagen durch den Laden.

Beispiel Lidl im Fänn in Küssnacht am Rigi im Kanton Schwyz. Auch hier sind die Pforten bis 20 Uhr geöffnet, man kann dort nach ebenfalls 15 Minuten Fahrt sogar gratis parkieren. Und da gibt es noch den Coop in Sins, wo man nicht nur bis 20 Uhr einkaufen, sondern sogar gratis parkieren kann. Für Chamer, Rotkreuzer und Hünenberger eine echte Alternative.

Ein Kundenbedürfnis

«Unsere Erfahrungen zeigen, dass längere Ladenöffnungszeiten zu einer deutlichen Umsatzsteigerung führen», sagt Urs Meier, Mediensprecher von Coop. Wie gross das Plus sei, hänge vom Angebot – Food oder Non Food – sowie vom Verlängerungszeitraum ab. «Samstags von 16 bis 17 Uhr wirkt sich positiver aus als montags von 19 bis 20 Uhr.» Wobei Meier versichert: Die Öffnungszeiten werden nach betriebswirtschaftlichen Kriterien festgelegt. «Insbesondere bis 20 Uhr besteht ein Kundenbedürfnis.» Dass die Coop-Verkaufsstelle in Sins auch viele Zuger zu ihrer Kundschaft zählt, verschweigt man nicht. «Wir sind mit der Entwicklung des dortigen Supermarkts zufrieden. Das Angebot, abends – zum Beispiel auf dem Nachhauseweg von der Arbeit – noch einzukaufen, scheint einem grossen Bedürfnis zu entsprechen.»

Es wird in Schichten gearbeitet

Auch die Lidl-Filiale im Küssnachter Fänn orientiert sich in Sachen Öffnungszeiten an den Wünschen der Verbraucher. «Damit wollen wir unseren Kunden entgegenkommen. Vor allem berufstätige Kunden können von den einzelnen verlängerten Einkaufstagen wie etwa in Küssnacht profitieren», teilt Lidl Schweiz in Weinfelden mit. Dabei halte man sich selbstverständlich an die jeweilige kantonale Gesetzgebung. «Betreffend der Arbeitszeiten wird in unseren Filialen in mehreren Schichten gearbeitet, einen Arbeitstag von 8 bis 20 Uhr gibt es bei Lidl Schweiz grundsätzlich nicht.»

In der Migros-Filiale in Affoltern am Albis, die 75 Mitarbeiter zählt, können die zwei zusätzlichen Stunden Ladenöffnungszeit ebenfalls relativ flexibel ausgeglichen werden, wie Francesco Laratta, Mediensprecher der Genossenschaft Migros Zürich, versichert. In der Säuliämter Gemeinde hat der Grossverteiler vor noch nicht allzu langer Zeit die samstäglichen Öffnungszeiten von 18 auf 20 Uhr verlängert. «Die neuen Öffnungszeiten entsprechen einem Kundenbedürfnis, die Frequenz ist in diesen zwei zusätzlichen Stunden stets gut.»

Auch im Kanton Luzern, wo die Ladenöffnungszeiten noch konservativer sind als in Zug, gehen die Kunden gerne über die Grenze, um länger einkaufen zu können. Am Beispiel Länderpark Stans – der im Vergleich zu Luzern am Samstag zwei Stunden länger geöffnet haben darf, also bis 18 Uhr – ist laut Migros festzustellen, dass die Abendstunden von 16 bis 18 Uhr sehr viele Kunden anzieht – gerade auch solche aus der Stadt und Agglomeration Luzern. «Eine Ausweitung der Öffnungszeiten bedeutet, dass sich die gesamte Ladenöffnungszeit der Filiale verlängert», sagt Rahel Probst, Mediensprecherin der Genossenschaft Migros Luzern. Dies heisse aber nicht, dass die einzelnen Mitarbeitenden länger arbeiten müssten. Dank der Arbeitseinsatzplanung werde sichergestellt, dass die Mitarbeitenden ihren Arbeitseinsatz innerhalb der Regelungen des Gesamtarbeitsvertrags haben: nämlich 41 Stunden pro Woche. «Auch die Ruhe- und Pausenzeiten gemäss Arbeitsgesetz werden eingehalten», so Probst. Es würden dabei tendenziell mehr Personen zum Einsatz kommen.

Eingeschränktes Privatleben

Doch nicht alle sehen die Entwicklung zu längeren Ladenöffnungszeiten so positiv. Max Buholzer, 13 Jahre lang Geschäftsführer des Schweizerischen Detaillistenverbands und derzeit selbstständig im Dienst des gewerblichen Detailhandels, nimmt kein Blatt vor den Mund. «Noch nie hatten die Konsumenten so viele Regale, grosse Kühlschränke und Tiefkühltruhen zu Hause – und doch wollen alle ständig längere Ladenöffnungszeiten. Das ist eine Form der Bequemlichkeit.» Dabei würden die Angestellten immer mehr unter dieser Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten leiden.

«Eine Mitarbeiterin etwa im Fänn in Küssnacht, die wochentags und samstags bis 20 Uhr arbeiten muss, kann nicht mehr am Vereinsleben teilnehmen und muss auch ihr Privatleben einschränken.» Ausserdem würden die Grossverteiler mit immer längeren Ladenöffnungszeiten einen stets grösseren Druck auf die kleinen und mittleren Geschäfte ausüben – die sich so etwas personell nicht leisten könnten. Und Bahnhöfe wie der in Luzern würden sich ja immer mehr in Einkaufszentren verwandeln. «Kurz- bis mittelfristig werden in Zug wohl die Ladenöffnungszeiten ebenfalls verlängert werden – aufgrund der internationalen Kundschaft und wegen der erweiterten Öffnungszeiten in angrenzenden Kantonen», befürchtet Buholzer.

Leergekaufte Regale

Dabei ist in Zug die Avantgarde verlängerter Ladenöffnungszeiten schon auf dem Vormarsch: Die neue Coop-Filiale im Zuger Bahnhof hat zusammen mit dem Aperto täglich bis 22 Uhr geöffnet. Dass hier sonntags und zu später Stunde jeweils Grossandrang herrscht, weiss eine 26-jährige Pendlerin zu berichten: «Die Leute wollen offenbar immer und zu jeder Zeit einkaufen können. Ich habe schon erlebt, dass die Früchte- und Gemüseregale quasi leer waren. Hier herrscht jeweils Hochbetrieb. Aber es ist schon praktisch, wenn man noch kurz etwas Wichtiges braucht.»

Wolfgang Holz

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