Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZUG: «Die Graugänse fressen und verkoten alles»

Die Zahl der Graugänse im Kanton soll stark reduziert werden von heute 140 auf 20 bis 40 Tiere. Dies vor allem mit dem Griff in ihre Nester. Zum Verhängnis wird den Tieren unter anderem ihre Gefrässigkeit.
Samantha Taylor
Graugänse auf einer Wiese im Gebiet Dersbach/Freudenberg.

Graugänse auf einer Wiese im Gebiet Dersbach/Freudenberg.

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Sie können Wachhunde oder auch mal Rasenmäher sein. Im Kanton Zug sind sie aber inzwischen vielerorts zu einem Ärgernis geworden. Die Graugänse. Bis 140 dieser Wasservögel bevölkerten die letzten Jahre die Ufer des Zugersees. Das sind zu viele, findet das kantonale Amt für Wald und Wild und erhält dafür auch die Zustimmung des Bundesamtes für Umwelt. Darum soll die Population der Graugänse reguliert und langfristig auf 20 bis 40 Tiere gesenkt werden. «Bei diesem Zielbestand handelt es sich nicht um ein eigentliches Reduktionsziel», erklärt Martin Ziegler, Abteilungsleiter beim Amt für Wald und Wild. Vielmehr sei dies eine Populationsgrösse, die erhalten werden soll und deren verursachte Schäden «tragbar» seien.

Die Schäden, das ist denn auch der Grund, warum die Zahl der Gänse im Kanton reduziert werden soll. Die Gefrässigkeit der Tiere sowie ihr Kot machen einerseits der Landschaft und andererseits der Landwirtschaft zu schaffen. «Trotz Schutz- und Fördermassnahmen haben sich die ökologisch sehr wertvollen Seeschilfflächen in den letzten zwei Jahrzehnten stark reduziert», sagt Ziegler. Vor allem am Westufer des Zugersees, im Gebiet Dersbach, Freudenberg, Zweiern, wo sich die Tiere hauptsächlich aufhalten, ist der Schilfbestand in dieser Zeit um zwei Drittel zurückgegangen. «Ein Grund dafür liegt eben auch bei den Graugänsen, die sich von den jungen Trieben ernähren», sagt Ziegler.

Täglich zwischen 50 und 100 Tiere zu Besuch

Ebenfalls keine Freude an den Wasservögeln, die sich laut Martin Ziegler auch sehr häufig an Land aufhalten, haben die Landwirte in den betroffenen Gebieten. Laut Ziegler schädigen sie frisch angesäte Ackerbauflächen «schnell und effizient». «Sie fressen eine Fläche von 100 mal 100 Meter in zwei bis drei Tagen kahl.» Und wer so viel frisst, der produziert auch eine ordentliche Menge Kot.

Das weiss Richard Suter. Er bewirtschaftet eine 50 Hektar grosse Fläche im Oberfreudenberg 2 im Ennetsee und bekommt täglich Besuch von den Gänsen – und das nicht zu knapp. «Ich zähle regelmässig zwischen 50 und 100 Tiere. Es sind aber auch immer mal wieder über 100 Gänse auf dem Land», sagt Suter. Das Hauptproblem sei dabei die grosse Zahl der Vögel. «Sie fressen und verkoten alles, und je mehr es sind, umso grösser sind die Schäden», so Suter. Das Problem mit den Ausscheidungen: Verkotetes Gras ist als Futter kaum mehr brauchbar und sollte nicht mehr an Kühe oder andere Nutztiere verfüttert werden, da es eine leicht giftige Wirkung hat. Sein Vorgänger, so Suter, habe deswegen auch schon Probleme mit Kühen gehabt.

Der Landwirt begrüsst deshalb – wie andere Bauern auch –, dass der Kanton den Bestand der Graugänse, die hier eigentlich nicht heimisch sind, regulieren will. «Den Tieren fehlen die natürlichen Feinde. Ich bin froh, wenn etwas unternommen wird», sagt Suter.

Wie ein natürlicher Prozess

Im wahrsten Sinne des Wortes eingreifen will der Kanton vor allem bei den Nestern. Diesen sollen Eier der Gänse zur Regulierung des Bestandes entnommen werden. Die Massnahme orientiert sich laut Martin Ziegler an natürlichen Prozessen. «Sie ist für die Tiere nicht problematisch. Dachse, Füchse und Greifvögel entnehmen ebenfalls Eier aus Nestern», erklärt er. Daneben sollen aber auch sogenannte Interventionsmassnahmen zur Vergrämung, also zur Abschreckung, möglich sein. Mit anderen Worten: Es könnten auch Tiere geschossen werden, maximal bis zu 10 Prozent.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kanton zu solchen Mitteln greift. Diese Regulierungsmassnahmen werden bereits seit 2013 durchgeführt. In diesem Jahr habe man den Bestand mit der Entnahme von Eiern bei gut 100 Tieren stabilisiert. «Die Graugans ist eine langlebige Art. Das bedeutet, dass die Wirkung der Massnahme verzögert eintritt und erst in den kommenden Jahren ein verstärkter Rückgang zu erwarten ist», sagt Martin Ziegler. Geschossen wurde in den letzten Jahren kaum ein Tier. Gemäss Martin Ziegler war es seit 2010 nur eines.

Naturschutz trägt Regulierung mit

Dass die Massnahmen nun wieder Thema werden, hängt damit zusammen, dass die rechtskräftige Verfügung dafür nur für fünf Jahre galt. Die neue soll nun bis Ende Dezember 2023 gelten. Der Kanton will auch weiterhin vor allem auf die Entnahme der Eier aus den Nestern setzen. Dabei erhält er Unterstützung von Naturschutzorganisationen. Sie wurden bereits bisher in die Planung einbezogen und waren beim Griff ins Nest häufig dabei. Das soll auch weiterhin so bleiben.

Maya von Dach, Medienverantwortliche von Birdlife Zug, sagt zu dieser Art der Regulierung: «Wir können diese Massnahme mittragen. Wir sind der Meinung, dass es beim Natur- und Vogelschutz nicht in erster Linie darum geht, alle Tiere zu schützen, sondern darum, den natürlichen Lebensraum zu erhalten.» Insbesondere heimische Tierarten sollen eine Chance haben, dies bedinge auch, dass Eindringlinge, wenn sie überhandnehmen, massvoll reduziert würden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.