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ZUG: Die Kesb sucht neuen Partner

Die Regierung schreibt erstmals das Führen von 400 Kindesschutz­mandaten öffentlich aus. Um Kosten zu sparen.
Samantha Taylor
Manuela Weichelt, Direktorin des Innern: «Wir wissen, wie teuer uns das Führen von Mandaten intern zu stehen kommt.» (Bild Neue ZZ)

Manuela Weichelt, Direktorin des Innern: «Wir wissen, wie teuer uns das Führen von Mandaten intern zu stehen kommt.» (Bild Neue ZZ)

Das Amt für Kindes- und Erwachsenenschutz des Kantons Zug hat für einen Teilbereich ihrer Aufgaben eine neue Lösung. Das geht aus einer öffentlichen Ausschreibung, die am vergangenen Freitag im Zuger Amtsblatt publiziert wurde, hervor. Konkret sucht das Amt per 1. Januar 2017 «eine kompetente und zuverlässige Partnerin oder einen Partner für die Führung von Kindesschutzmandaten». Es handelt sich dabei um 350 bis 400 Dossiers, die von dieser Stelle geführt werden sollen. Angebote können bei der Direktion des Innern schriftlich bis zum 9. Dezember eingereicht werden.

Dass man seitens des Kantons die Betreuung der Mandate quasi outsourced, sei nicht neu, heisst es bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) auf Anfrage unserer Zeitung. Im Gegenteil: Diese Kindesschutzmandate seien bereits heute auf der Grundlage einer Leistungsvereinbarung ausgelagert und würden hauptsächlich von Fachpersonen der Fachstelle Punkto Jugend und Kind und der Kinder- und Jugendberatung Zug (KJBZ) betreut. Da diese Leistungsvereinbarungen per 31. Dezember 2016 enden, sei nun eine öffentliche Ausschreibung nötig geworden. Laut Gabriella Zlauwinen, Amtsleiterin und Präsidentin der Kesb, hat der Regierungsrat die Ausschreibung veranlasst.

Eine Sparmassnahme?

Und genau dieser Punkt ist ein Novum. Denn die Leistungsvereinbarung wurde mit den heutigen Partnern – seit der Einführung der Kesb im Kanton Zug per 1. Januar 2013 – bereits einmal verlängert, damals ohne Submissionsverfahren. Und bereits zuvor, als noch die Gemeinden zuständig waren, hatten die beiden heutigen Partner die Mandate für die Sozialdienste bei sich. «Wir führen schon seit rund 14 Jahren Kindesschutzmandate», sagt Heinz Spichtig, Geschäftsführer von Punkto Jugend und Kind.

Warum also verlängert die Regierung die Leistungsvereinbarung mit den bisherigen Partnern nicht einfach ohne eine öffentliche Ausschreibung? Heinz Spichtig vermutet dahinter das kantonale Sparpaket. «Dass es zu einer Submission kommt, wurde uns im Sommer im Rahmen eines Regierungsratsentscheids kommuniziert. Wir gehen davon aus, dass dieser Entscheid im Rahmen des Entlastungsprogrammes gefallen ist», so der Geschäftsführer. Die Regierung wolle wohl überprüfen, ob man die Leistungen günstiger einkaufen könne. «Diesen Entscheid gilt es zu akzeptieren», lässt sich Spichtig dazu knapp verlauten.

Interne Lösung möglich

Aus der Gerüchteküche ist ebenfalls zu vernehmen, dass die Ausschreibung mit dem regierungsrätlichen Sparkurs zusammenhängt. Konkret heisst es, dass die Regierung auf eine öffentliche Ausschreibung gepocht habe, weil die heutigen Partner zu hohe Kosten verursachen würden. Eine Lösung, bei der der Kanton die Mandate selbst führen würde, wäre kostengünstiger. Die zuständige Direktorin des Innern, Manuela Weichelt, hält sich dazu mit Aussagen zurück. Zwar habe man sich durchaus aus Kostengründen für eine öffentliche Ausschreibung entschieden. Dass die heutigen Partner aber zu teuer seien, will die Regierungsrätin so nicht bestätigen. «Es gibt bei der Kesb keine lange Tradition dieser Zusammenarbeit», so Weichelt. Man wolle deshalb überprüfen, was man auf dem Markt alles geboten bekomme. «Ausserdem wissen wir, wie teuer uns das Führen der Mandate intern zu stehen kommen würde. Von diesem Betrag gehen wir aus», so Weichelt. Würde man keine entsprechenden Angebote erhalten, werde die Kesb die Mandate zu sich nehmen.

Wie viel der Kanton heute an die beiden Partner für die bezogenen Leistungen bezahlt, will weder Manuela Weichelt noch eine der beiden Fachstellen transparent machen. Die einzige Zahl, die dazu zu finden ist, sind rund 2,4 Millionen Franken. So viel weist die Fachstelle Punkto in ihrer Jahresrechnung 2014 als «Beiträge der Direktion des Innern» aus. Darin enthalten sind jedoch nicht allein die Mittel für die Führung von Mandaten, sondern auch die Beiträge für andere Leistungen wie etwa für die Mütter- und Väterberatung oder die Familienberatung.

80 Mandate

Sowohl Manuela Weichelt wie auch Gabriella Zlauwinen betonen, dass die Ausschreibung noch einen weiteren Grund habe. Denn ab 2017 wird auch die Zahl der zu führenden Mandate pro Arbeitskraft angepasst. So sollen per 1. Januar mit 100 Stellenprozent 80 Kindesschutzmandate geführt werden. «Das sind sehr viele Mandate, und die Fachstellen werden wohl Mühe haben, dies abzudecken», sagt Weichelt, und weiter: «Wir werden auch in diesem Punkt schauen, was wir für Angebote erhalten, und uns dann entscheiden.»

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