ZUG: «Die Klinik ist ein Teil der Gesellschaft»

Die Psychiatrische Klinik Zugersee hat einen neuen Direktor: Heute übernimmt Reto Fausch die Geschäfte in Oberwil. Bald wartet die Klinik mit einem neuen Angebot auf.

Drucken
Teilen
Der neue Klinikdirektor Reto Fausch (rechts) zusammen mit Chefärztin Magdalena Berkhoff und Pflegedienstleiter Daniel Mohr. (Bild Stefan Kaiser)

Der neue Klinikdirektor Reto Fausch (rechts) zusammen mit Chefärztin Magdalena Berkhoff und Pflegedienstleiter Daniel Mohr. (Bild Stefan Kaiser)

Wolfgang Holz

«Ich freue mich, diese neue Aufgabe übernehmen zu dürfen», sagte Reto Fausch gestern. Der 43-Jährige verfügt über mehrjährige Erfahrung im Gesundheitswesen in leitender Funktion. Zuletzt war er acht Jahre lang Leiter des Amts für Gesundheit in Appenzell Ausserrhoden (siehe Box).

Fausch tritt damit heute als CEO das Erbe von Markus Müller an. Letzterer hatte bekanntlich im Frühjahr letzten Jahres als Direktor ad interim die Geschäfte der Psychiatrischen Klinik Zugersee übernommen, nachdem es zu einem Zerwürfnis in der Klinikleitung gekommen war. Nach nur drei Monaten hatte der damals neu installierte Direktor nämlich das Handtuch geworfen. Grund: Offenbar stimmte die «Chemie» in der Klinikleitung nicht, weil unterschiedliche Auffassungen über die Führungs- und Betriebskultur herrschten.

Umbau von Haus F

Nun scheint wieder spürbar Ruhe ins Leitungsteam eingekehrt zu sein, zu dem neben Fausch auch Chefärztin Magdalena Berkhoff sowie der Leiter des Pflegediensts, Daniel Mohr, zählen. «Ich möchte noch mehr über psychische Gesundheit reden», meint Fausch. Denn psychische Gesundheit sei genauso wichtig wie die physische. «Die Klinik ist deshalb Teil der Gesellschaft.» Der Erfolg der offenen Psychiatrie in Oberwil sowie die gute Versorgungssituation in der Klinik, die sich ja im Konkordatsauftrag um Patienten der Kantone Zug, Schwyz und Uri kümmert und derzeit über 124 sehr gut ausgelastete Betten und rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügt, seien weiterhin garantiert.

Und das Angebot der Klinik wird sich im nächsten Jahr noch vergrössern. Denn im umgebauten Haus F können im Sommer 2016 sowohl die Station für Abhängigkeitserkrankungen als auch die Station für Depressionsbehandlung und Psychotherapie neu eröffnet werden – wobei es allein für Alkoholabhängige acht bis zwölf neue Zusatzbetten geben wird. Auch eine Privatstation für zusatzversicherte psychisch Kranke soll eingerichtet werden. «Im neuen Haus F wird eine zeitgemässe Infrastruktur mit Einzelzimmern und ein sehr gutes Behandlungsangebot zur Verfügung stehen», erklärt Fausch.

Dauerthema Burn-out

Gerade Behandlungen von Alkoholabhängigkeit und Depressionserkrankungen gehören zu den zentralen Aufgaben der Psychiatrischen Klinik Zugersee. Ebenso wie die Therapie von Stressfolgeerkrankungen. Stichwort Burn-out. «Heutzutage ist es durchaus akzeptiert, dass ein Manager einmal ein Burn-out hat», schildert Chefärztin Magdalena Berkhoff die gesellschaftliche Wahrnehmung in diesem Bereich und weist daraufhin, dass «Schlafstörungen» zumeist das erste Frühsymptom für eine solche Erkrankung seien. Dabei haben laut Berkhoff auch die Belastung für andere Arbeitnehmer durch den Termindruck und die heutige Geschwindigkeit des Arbeitsprozesses zugenommen. Der dritte grosse Therapiebereich, in dem in Oberwil Patienten behandelt werden, sind Schizophrenie-Kranke.

Grundsätzlich handelt es sich bei der Klinik mit dem schönen Zugersee-Panorama um eine Vollversorgungsklinik, die nur die Forensik und die Kinder- und Jugendpsychiatrie ausschliesst. Dafür werden ambulant täglich, 365 Tage rund um die Uhr, auch Patienten zur «fürsorglichen Unterbringung» aufgenommen.

Viel mehr Patienten

Wie wichtig die Zugerseeklinik für die psychische Gesundheit in der Region ist, zeigt der enorme Zuwachs an Eintritten in Oberwil: Im Jahr 2000 waren es noch 732 pro Jahr, 2014 zuletzt 1284 Eintritte. Dies unterstreicht gemäss der Klinikleitung zum einen, dass psychische Krankheiten zugenommen haben. Zum anderen beweise es vor allem, dass das persönliche und gesellschaftliche Bewusstsein für den Umgang mit psychischen Krankheiten offener geworden sei – mit der Konsequenz, dass sich heutzutage mehr Personen behandeln lassen. Dabei steht es um den Heilungsprozess psychischer Krankheiten offensichtlich nicht schlecht. Berkhoff: «93 Prozent der Personen, die zu uns kommen, geht es nach ihrer Therapie sehr viel besser als bei ihrem Eintritt.»