ZUG: Die leeren Häuser ziehen sie an

Während der Sommerferien haben Einbrecher Hochsaison. Gemäss der Polizei werden die Diebe dabei immer dreister.

Samantha Taylor
Drucken
Teilen
Einbrecher versuchen ihr Glück jeweils nur für eine kurze Zeit am selben Objekt. (Symbolbild Keystone/Walter Bieri)

Einbrecher versuchen ihr Glück jeweils nur für eine kurze Zeit am selben Objekt. (Symbolbild Keystone/Walter Bieri)

Die Fensterläden sind geschlossen, die Lichter bleiben aus und die Gärten leer. Dieses Bild zeigt sich aktuell in zahlreichen Wohnsiedlungen im ganzen Kanton. Denn Sommerzeit ist Ferienzeit. Aber nicht nur das. Gerade jetzt – wenn viele Häuser und Wohnungen leer stehen – haben auch Langfinger Hochsaison. Insgesamt 320 Mal wurde laut Kriminalstatistik im vergangenen Jahr im Kanton in Privatwohnungen und -häuser eingebrochen. Gemäss Angaben von Marcel Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, hat sich ein beachtlicher Teil davon in den Sommermonaten ereignet.

Grundsätzlich verzeichnet die Zuger Polizei zwar jeweils im Herbst den Höhepunkt an Einbruchdiebstählen. «Es handelt sich dabei um die bekannten Dämmerungseinbrüche. Doch auch während der Sommermonate sind Langfinger leider sehr aktiv.» Wie viele Diebe sich in diesem Sommer bisher an vorübergehend unbewohnten Häusern zu schaffen gemacht haben, kann Schlatter nicht beziffern. Er mahnt jedoch: «Einbrecher schlagen dort zu, wo sie sich unbeobachtet fühlen.» Im Herbst suchten sie deshalb dunkle Zufahrten und unbeleuchtete Häuser auf. «Im Sommer konzentrieren sie sich auf Liegenschaften, die die Schoten dichtgemacht haben und entsprechend verlassen wirken.»

Mehr Einschleichdiebstähle

Gemäss den Erfahrungen der Zuger Polizei handelt es sich bei den Tätern um ganz unterschiedliche Gruppen. Die Bandbreite reicht laut Schlatter von ausländischen professionellen Banden bis zu einfachen Beschaffungskriminellen. Ausserdem werden die Langfinger immer dreister. Laut der Zuger Polizei haben sie nämlich im vergangenen Jahr nicht nur dann zugeschlagen, als die Hausbewohner verreist waren. Im letzten Sommer verzeichneten die Ordnungshüter zusätzlich viele Einschleichdiebstähle. «Oft liessen Bewohner Tür und Tor offen, während sie im Garten Arbeiten erledigten oder in der Waschküche waren.» Die Wohnungen blieben so ungesichert und unbeaufsichtigt. «Ein leichtes Spiel für Einbrecher.»

Um sich vor solch unangenehmen Überraschungen zu schützen, reichen oft schon kleine Massnahmen, wie gut gesicherte Türen oder Fenster sowie richtig eingesetztes Licht (siehe Box). Das bestätigt auch Polizeisprecher Marcel Schlatter: «Ein Einbruchschutz muss nicht teuer sein.» Denn Einbrecher versuchten ihr Glück jeweils nur für eine kurze Zeit am selben Objekt. «Finden sie innert weniger Minuten oder gar Sekunden keinen Einstieg, ziehen sie weiter», erklärt Schlatter. Zudem empfiehlt die Polizei, die eigene Abwesenheit nicht durch dauernd heruntergelassene Storen, einen überfüllten Briefkasten oder eine entsprechende Mitteilung auf dem Anrufbeantworter, auf Facebook oder mittels Abwesenheitsmeldungen im E-Mail zu verraten.

Sichere Türen


Nur verschlossene Türen aus festem Material und einem gut verankerten Türrahmen sind einbruchhemmend. Dabei müssen nicht nur Haus- und Wohnungstüren gesichert sein, sondern auch Nebentüren wie jene in den Keller oder Estrich. Aussentüren sollten mit einer Mehrfachverriegelung gesichert werden. Bei Wohnungstüren werden sogenannte Mehrpunkteverriegelungen empfohlen. Diese lassen sich nur schwer aufbrechen und können nachträglich eingebaut werden.

Sichere Fenster


Einbrecher schlagen schnell und gekonnt Scheiben ein. Daher empfehlen Experten bei diesen Bereichen eine zusätzliche Einbruchsicherung. Dazu gehören unter anderem bei Fenstern und Fenstertüren abschliessbare Griffe sowie Zusatzschlösser. Zudem sollten Rollläden mittels Schlössern so gesichert werden, dass sie von aussen nicht hochgeschoben werden können. Bei Fenstern und Glastüren ist zudem darauf zu achten, dass Schlüssel nie von innen stecken gelassen werden.

Licht schützt


Ein möglichst lückenlos ausgeleuchtetes Grundstück schreckt Einbrecher ab. Unbeleuchtete Wohnräume locken Diebe hingegen an. Über eine automatische Zeitschaltuhr kann das Haus während Abwesenheiten beliebig beleuchtet werden. Es empfiehlt sich, dunkle Stellen wie Garageneinfahrten, Hauseingänge oder Treppenhäuser gut zu beleuchten. Wirksame Mittel zur Abschreckung von Einbrechern sind zudem sogenannte Schockbeleuchtungen mit Bewegungsmeldern.

Alarmanlagen


Alarmanlagen können im Gegensatz zu mechanischen Sicherungen einen Einbruch nicht verhindern. Allerdings können sie den Einbrecher abschrecken. Gemäss Experten erhöht eine Kombination von Einbruchsicherungen mit Alarmanlagen die Sicherheit. Wer sich eine Alarmanlage anschaffen möchte, der sollte sich fachkundig beraten lassen. Ausserdem müssen bei akustischen Anlagen zwingend die örtlichen Lärm- und Schutzbestimmungen beachtet werden.