ZUG: Die Lehre bleibt hoch im Kurs

Der Kanton schwimmt in Sachen Berufsbildung gegen den Strom. Die Zahlen offener Lehrstellen sind stabil. Die Konstanz ist aber nicht nur hausgemacht.

Zoe Gwerder
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Die Zahl der offenen Lehrstellen ist im Kanton Zug stabil geblieben. (Symbolbild Neue ZZ)

Die Zahl der offenen Lehrstellen ist im Kanton Zug stabil geblieben. (Symbolbild Neue ZZ)

Zoe Gwerder

Unter anderem mit der Sorge um die Lehrstellen im Kanton Zug hat Bildungsdirektor Stephan Schleiss den Kampf gegen die hohe Gymnasialquote begründet (wir berichteten). Die fast gleichzeitig erschienenen Zahlen des Lehrstellenbarometers des Bundes scheinen dies zu bestätigen. Denn diese zeigen: Schweizweit wird in diesem Jahr jede sechste Lehrstelle nicht mehr besetzt. Entsprechend haben einzelne Unternehmen begonnen, ihr Angebot zu kürzen.

Konstanz im Kanton Zug

Im Kanton Zug sieht dies trotz hoher Gymnasialquote beim Langzeitgymnasium jedoch anders aus. Gemäss den Zahlen des Amts für Berufsberatung gibt es im Kanton Zug rund 1400 Lehrstellen. Davon sind derzeit in etwa gleich viele Stellen noch offen, wie in den beiden Jahren zuvor. 2015 waren kurz vor den Sommerferien noch 256 Lehrstellen offen. In diesem Jahr sind es rund 230. Denen stehen zirka 80 Jugendliche gegenüber, die noch nicht wissen, was sie nach den Sommerferien machen. Grund für die tiefe Zahl offener Ausbildungsplätze sei unter anderem, dass die Anzahl Schulabgänger in etwa konstant bleibe, sagt Urs Brütsch, Leiter des Amts für Berufsberatung. «Der Kanton Zug hat viele Zuwanderer, welche die Zahl der Schulabgänger stabil halten.» Zudem werden rund ein Drittel aller Lehrstellen von Schulabgängern aus anderen Kantonen besetzt. Diese auswärtigen Lernenden sind laut Brütsch wichtig: «Der Kanton Zug hat ein sehr grosses Lehrstellenangebot mit vielen Stellen, die hohe Anforderungen an die Lernenden haben. Diese Stellen könnten wir gar nicht alle mit Zugern besetzen.»

Kanton will Lehre weiter stärken

Obwohl also im Kanton Zug in Sachen Lehrstellen kein direkter Handlungsbedarf besteht, soll eine tiefere Eintrittsquote in das Langzeitgymnasium die Berufslehre weiter stärken, wie Bildungsdirektor Stephan Schleiss sagt. Dies habe zwar erst dritte Priorität, hinter der besten Perspektive für das Kind und dem Profilieren der verschiedenen Bildungswege, dennoch sei es ein wichtiger Punkt, so Schleiss.

Schüler sollen Plan B haben

Jugendlichen, die für diesen Sommer noch keine Lehrstelle haben, rät das Amt für Berufsbildung, sich für Alternativen zu öffnen. Viele der Jugendlichen, die kurz vor den Sommerferien noch immer keine Lehrstelle haben, seien zu stark auf ihren Traumberuf fokussiert, sagt Urs Brütsch. Gemäss dem Amt für Berufsbildung hat es aber noch viele offene Lehrstellen. «Der Traumberuf kann auch auf anderen Wegen erreicht werden», sagt Amtsleiter Urs Brütsch. Wichtig sei, einen Plan B oder C zu haben.