ZUG: Die letzten Lebenstage in Würde zu Hause verbringen

Seit dem 1. Mai gibt es im Kanton Zug eine kostenlose Notfallberatung für Menschen, die unheilbar krank sind. Das Angebot hat sich schon in anderen Regionen bewährt und entspricht einem zunehmenden Bedürfnis.

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Die neuste Publikation des Amts für Arbeit befasst sich mit der Alterspflege. (Symbolbild)

Die neuste Publikation des Amts für Arbeit befasst sich mit der Alterspflege. (Symbolbild)

Ein unheilbar kranker Mann klagt zu Hause plötzlich über Probleme mit der Atmung. Eine an Lungenkrebs leidende Frau bekommt es mit der Angst zu tun. Zwei Beispiele, wie sie sich täglich irgendwo im Kanton Zug zutragen können. Bis jetzt bleibt in solchen akuten Fällen nur eine Möglichkeit: Die betroffene Person oder andere anwesende Angehörige wählen die aktuelle Notrufnummer 144. Das ist jedoch in den obgenannten Problemen nicht unbedingt die beste Wahl. Denn wenn der Notfalldienst zum Einsatz kommt, führt dies zur Einlieferung ins Spital. Das ist für Menschen, die gerne zu Hause palliativ betreut werden möchten, in der Regel unnötig und zudem kräftezehrend.

Seit dem 1. Mai gibt es nun eine gangbare Alternative. Palliativ Zug (siehe Box), die Organisation Spitex Kanton Zug und die Zuger Ärztegesellschaft bieten mit der Aufschaltung von «Pallifon» neu eine spezialisierte Notfallberatung für Menschen in palliativen Situationen. Dies schreibt Palliativ Zug in einer Mitteilung. Der Service ist für Zuger kostenlos und unter der Telefonnummer 0844 148 148 erreichbar. Die Telefone sind dabei rund um die Uhr bedient. Betreut wird das «Pallifon» von einem speziell geschulten Fachteam der Ärztefon AG, die ihren Sitz in Kilchberg ZH hat.

«Es geht ums Leben und nicht ums Sterben»

«Das ‹Pallifon› soll bestehende Angebote der Grundversorgung wie Hausärzte und Spitex ergänzen, wenn diese nicht erreichbar sind», sagt Peter Frigo. Er ist Präsident von Palliativ Zug. Wichtig ist Frigo dabei die Feststellung, dass «es ums Leben und nicht ums Sterben» gehe. Die Patienten sollen im Leben, das ihnen noch bleibt, fachgerecht betreut werden und weiterhin selbstbestimmt agieren können. Das «Pallifon» entspricht dabei einem wachsenden Bedürfnis in unserer Gesellschaft. «Das neue Angebot trägt dazu bei, dass diese Menschen möglichst lange zu Hause im gewohnten Umfeld betreut werden können», sagt Kurt Frei, Leiter Spezialbereiche der Spitex Kanton Zug. Mit diesem Angebot könne so die Lebensqualität von Palliativpatienten erhöht werden.

Damit könne, so ergänzt Peter Frei von Palliativ Zug, «eine wichtige Lücke im Versorgungsnetz für Palliativ Care in unserem Kanton» geschlossen werden. Dabei ist Palliativ Zug eine Dachorganisation, mit der alle Anbieter von Palliativ Care im Kanton Zug vernetzt werden. Dazu zählen Ärzte, Spitäler, Alters- und Pflegeheime, Spitex, Pro Senectute, Hospiz Zug und die Krebsliga. Oberstes Ziel von Palliativ Zug ist seit der Gründung im Jahre 2008, einen umfassenden Service und einen einfachen Zugang zu diesem Angebot für die letzte Lebenszeit zu ermöglichen. Der Verein führt auch eine Beratungs- und eine Informationsstelle. Klar ist, dass die demografische Alterung und damit auch die Anzahl der Palliativpatienten in den kommenden Jahren stark zunehmen werden.

Heute ist jedoch das Schweizer Gesundheitswesen noch zu stark auf die optimale Versorgung medizinischer Notfälle ausgerichtet. Die Genesung steht für Palliativpatienten aber nicht im Vordergrund.

Auch der Kanton Zug macht beim Angebot mit

Die Finanzierung von «Pallifon» erfolgt durch die gemeinnützige Zürich Park Side Foundation, Projektbeiträge und Spenden. Die Zuger Gesundheitsdirektion beteiligt sich mit einem pauschalen Betrag am Projekt und ermöglicht so den Betrieb des «Pallifons» im Kanton Zug.

Das Angebot ist vor drei Jahren in den Pilotregionen Zimmerberg, Knonaueramt, Höfe, March, Rigi-Mythen und Einsiedeln lanciert worden. Bereits im ersten Jahr ist der Service ­130-mal genutzt worden.

Der Service soll schrittweise auf andere Regionen ausgedehnt werden. Ziel von «Pallifon» ist eine schweizweite Abdeckung.

 

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Hinweis

Mehr Informationen zu Palliativ Care im Kanton Zug finden Sie unter www.palliativ-zug.ch. Detailliertere Auskunft über das Notfalltelefon gibt es auf der Internet-Plattform www.pallifon.ch.