ZUG: «Die Reform ist auf gutem Weg»

Armee-Chef André Blattmann sprach zu den Zuger Offizieren. Nicht allen gefiel sein Bild der «neuen» Schweizer Armee.

Charly Keiser
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Daniel Gruber (links) übergibt unter den Augen von Armee-Chef André Blattmann seinem Nachfolger Danilo Schwerzmann den Postfachschlüssel und einen Speicherchip. (Bild Stefan Kaiser)

Daniel Gruber (links) übergibt unter den Augen von Armee-Chef André Blattmann seinem Nachfolger Danilo Schwerzmann den Postfachschlüssel und einen Speicherchip. (Bild Stefan Kaiser)

Charly Keiser

Am Donnerstag fand im Casino Zug die 171. Generalversammlung der Offiziersgesellschaft Zug (OGZ) statt. Dabei gab Oberstleutnant Daniel Gruber nach sieben Jahren das Präsidium der OGZ an Major Danilo Schwerzmann ab. Die Versammlung schlug Gruber einstimmig in den Zentralvorstand der Schweizerischen Offiziersgesellschaft vor, wo er sich als Vizepräsident ab März dieses Jahres einbringen will.

Doch warum braucht es überhaupt eine Offiziersgesellschaft? «Es geht primär darum, dass Wissen und Erfahrung ausgetauscht werden», erklärt Daniel Gruber. «Und zwar zwischen den jungen und alten Offizieren sowie von uns Milizoffizieren hin und zurück zum professionellen Teil der Armee und den sicherheitspolitischen Kommissionen sowie den verantwortlichen Politikern.» Dabei gehe es um viel Know-how – und sowohl um technische wie taktische Aspekte. Das Einbringen der Miliz sei ein Vorteil, der weltweit fast einzigartig sei und sich in der Vergangenheit auch bestens bewährt habe, erklärt Gruber. Denn anders als die Profis seien die Milizoffiziere keine Lobbyisten. «Weder intern noch extern. Wir können uns voll und ganz für die Belange der Schweizer Armee und des Volks einsetzen, ohne auf irgendjemanden Rücksicht nehmen zu müssen.»

«Eine richtige Soldatenfrau»

Der Aufwand als Präsident der OGZ sei vor allem in Jahren mit Armeeabstimmungen gross, beantwortet Gruber die entsprechende Frage. So habe er in den vergangenen zwei Jahren sicherlich ein 20- bis 30-Prozent-Pensum für das Präsidium der OGZ leisten müssen. «In einem normalen Jahr braucht es in etwa ein 5- bis 10-Prozent-Pensum.» Den grossen Einsatz habe er nur dank seiner Frau geschafft, schwärmte Gruber in seiner Abschiedsrede vor dem Plenum. «Sie ist eine richtige Soldatenfrau. Sie hat mir in der schwierigen Zeit den Rücken frei gehalten.» Nach der einstimmigen Wahl des neuen Präsidenten, der Wahl mit Applaus der übrigen Vorstandsmitglieder und dem Vorschlag für Gruber in den Zentralvorstand ohne Gegenstimme und Enthaltungen, referierte Armee-Chef André Blattmann.

Zahlreiche Friedenseinsätze

Er sei bereits zum zweiten Mal Gast an der Zuger GV, begann Blattmann. «Dies dank Daniel Gruber, der mich ein weiteres Mal eingeladen hat. Ich bin heute gerne hier in Zug», ergänzte der Chef der Schweizer Armee. Ganz besonders darum, weil es sich um eine Milizveranstaltung handle.

Blattmanns Ausführungen drehten sich zuerst um die Friedenseinsätze der Schweizer Armee, die mit dem Gipfeltreffen von Ronald Reagan und Michail Gorbatschow im November 1985 in Genf begonnen haben. «Solche subsidiären Friedenseinsätze, bei denen sie die Sicherheit garantiert, leistet unsere Armee heute in grosser Anzahl.» So sei die Armee jährlich beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Einsatz, und erst vor kurzem hätten über 3000 Soldaten die OSZE-Konferenz in Basel erfolgreich gesichert. «Unsere Soldaten haben alle Aufträge top erfüllt», schwärmte Blattmann. Was früher als ausserordentlich angeschaut worden sei, erachte man heute als selbstverständlich, lobte er die zahlreichen und erfolgreichen Einsätze weiter.

Fehlende Worte

Nicht allen Offizieren gefielen diese Sätze. «Mir fehlten die Worte Kampf, Kampfkraft, Verteidigung, Kampfführung, Abwehr, Abwehrdispositiv, Kampfinfrastruktur», monierte einer.

Blattmanns grosse Botschaft an die Zuger Offiziere lautete, dass die Weiterentwicklung der Armee (WEA) auf gutem Kurs sei. Es werde viel darüber diskutiert, was er als vorteilhaft erachte. «Denn nur so können wir ein Optimum erreichen.» Die Armee sei beliebt, fügte Blattmann an. «So haben 400 000 Leute gezahlt, damit sie unsere Flugzeuge anschauen konnten.» Die Zustimmung des Volks zur Armee sei beachtlich, konstatierte er weiter und wies auf die schwierige Sicherheitslage hin. Konflikte, Krisen und Katastrophen seien das, was die Schweizer Armee bewältigen können müsse. Er zeigte auf, wie die Annektion der Krim vonstatten gegangen ist, und fragte rhetorisch. «Was muss die heutige Armee können?»

5 Milliarden für 100 000 Soldaten

Blattmann wies auf kritische Infrastruktur hin. «Wenn zum Beispiel der Bahnhof Olten ausgeschaltet ist, läuft nicht mehr viel. Darum müssen wir zu unserer Infrastruktur Sorge tragen, sie gut beschützen.» Es brauche aber auch eine Reserve, um den Gegner wieder rauszuputzen, betonte Blattmann und resümierte: «Wir brauchen eine Armee, die auf die drei Bedrohungen reagieren kann.» Es sei ehrlicher, von einer Armee mit 100 000 statt 200 000 Soldaten zu sprechen, die für die zur Verfügung stehenden 5 Milliarden Franken zu haben sei. Denn nur voll ausgerüstete Soldaten seien brauchbar. «Das Parlament spricht Geld, wenn es notwendig ist, Sicherheit und Freiheit zu verteidigen und zu bewahren», zeigte sich Blattmann überzeugt und warnte: «Ich glaube, die Schönwetterperiode ist vorbei. Paris war ein Vorgeschmack auf das, was uns bald blühen könnte.»

Landammann Heinz Tännler überbrachte die Grussworte des Regierungsrats und dankte den Offizieren für ihr Engagement. «Sicherheit ist ein grosses Gut. Und das Sicherheitsempfinden ist auch dank Ihnen so gross», lobte Tännler.