ZUG: Die Reiseapotheke aus dem Garten

Ringelblume, wilde Malve und Spitzwegerich, Alkohol und destilliertes Wasser – so die Ingredienzien eines Elixiers für sommerliche Notfälle. Ein Kurs über die alte Kunst der Heilkräuterverarbeitung zeigte, wie man einheimische Pflanzen als Heilmittel anwendet.

Dorotea Bitterli
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Helferin Monika Siegenthaler (Zweite von rechts) zeigt der Kursteilnehmerin Alexandra Meier, wie die Heilmittel gemacht werden sollen (Bild: . Bild: Roger Zbinden (Zug, 10. Juni 2017))

Helferin Monika Siegenthaler (Zweite von rechts) zeigt der Kursteilnehmerin Alexandra Meier, wie die Heilmittel gemacht werden sollen (Bild: . Bild: Roger Zbinden (Zug, 10. Juni 2017))

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

Wie wendet man einheimische Pflanzen aus Garten und Umgebung als Heilmittel an, und wie werden sie verarbeitet? Dies wollten vierzehn interessierte Frauen verschiedenen Alters ­erfahren. Sie fanden sich am Samstagnachmittag im Kompetenzzentrum für klassische Homöopathie SHI ein, um am Heilkräuter-Workshop teilzunehmen.

Claudia Banz, diplomierte Drogistin HF und Geschäftsführerin der Homöosana-Drogerie, führte zunächst in das nötige Grundwissen ein: Sie erklärte den Unterschied zwischen Tinktur – aus getrockneten Pflanzen – und Urtinktur – aus frischen Pflanzen –, referierte über den besten Erntezeitpunkt für Blätter, Blüten, Stängel, Wurzeln oder Rinden, beschrieb die verschiedenen Phasen des Verarbeitungsprozesses und wie Alkohol und Wasser gemischt werden müssen, um die Inhaltsstoffe der kleingeschnittenen Pflanzenteile zu «mazerieren», also auszuziehen.

Danach ging es zum praktischen Teil in den Homöopathie-Garten, wo die Kursteilnehmerinnen staunen konnten über die Vielfalt an Heilpflanzen. Claudia Banz zeigte die länglichen Blätter des Spitzwegerichs, der «Notfallapotheke am Wegrand», die rotvioletten Prachtblüten der wilden Malve und die leuchtend orangegelben Ringelblumen «Calendula». Auf einem Tisch standen braune Fläschchen, Etiketten, Messbecher und Flaschen mit destilliertem Wasser und hochprozentigem Alkohol bereit. Nun ging es ans Zerschneiden, Mörsern, Einmachen und Übergiessen. Gespräche kamen auf über die Verwendung der drei Zutaten. Ruth Hofmann aus Egg im Kanton Zürich erzählte, wie sie in den Ferien nach einem Velosturz stark eiternde Schürfwunden mit Calendula behandelte und wie diese dann innert weniger Tage zuheilten. «Ich gehe nie ohne Calendula aus dem Haus», meinte sie. Marie-Isabelle Bill aus Walchwil berichtete, dass Malvenblätter nicht nur wundheilende Medizin, sondern auch ein feines Gemüse seien: «Meine griechischen und türkischen Freunde verwenden sie in ihren berühmten Mezze, und sie sind sehr lecker!», schwärmte sie. Das Gemisch aus Calendula-Blüten, Malven- und Spitzwegerichblättern eignet sich insbesondere im Sommer für alles, was Desinfektion und Kühlung braucht: Sonnenbrand, kleinere Verbrennungen, Wunden, Zahnentzündungen, Entzündungen der Schleimhäute der Atemwege usw.

Unterschiedliche Beweggründe

Die anwesenden Frauen waren aus verschiedenen Gründen in den Kurs gekommen. Cordula Bärtschi aus Dulliken erzählte, dass sie schon ihr halbes Leben lang phytotherapeutisches Wissen anwende: «Die Bücher von Maria Treben über Pflanzenheilkunde waren für mich eine Offenbarung!», fügte sie hinzu. «Ich habe einen Garten», berichtete Brigitte Andermatt aus Baar, «warum soll ich in die Apotheke gehen, wenn ich die Medizin vor meinem Haus habe?» Und Marie-Isabelle Bill fasste es knapp zusammen: «Sich selber helfen – das ist es!»

Hinweis

Informationen zu den kostenpflichtigen Heilmittelworkshops: www.shi.ch