ZUG: Die Rote vom Zugersee

Die «Casa Rossa» wurde im toskanischen Renaissance-Stil für einen Zuger Kaufmann und Apotheker gebaut von den Architekten Dagobert Keiser und Richard Bracher.

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Nicht in der Toskana, sondern in der Stadt Zug befindet sich diese in den Jahren 1919 und 1920 gebaute Villa. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Nicht in der Toskana, sondern in der Stadt Zug befindet sich diese in den Jahren 1919 und 1920 gebaute Villa. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Ein Bijou das ist die mediterranes Flair ausstrahlende Villa noch heute. Die fast 100-jährige «Casa Rossa» an der Artherstrasse 29 in Zug liegt erhöht in einem malerischen Garten, mit bester Sicht auf den Zugersee. Der historischen Anlage, die im Laufe der Zeit leicht gelichtet wurde, verleihen die beiden Rosskastanien auf der Terrasse und die riesige Rotbuche ein unverwechselbares Gepräge. Das zweigeschossige Gebäude mit elf Zimmern wurde 1919 bis 1920 von den Architekten Dagobert Keiser und Richard Bracher für den Kaufmann und Apotheker Ernst Wyss erbaut. Interessant ist dabei, dass die beiden Zuger unter anderem auch das 1909 eröffnete Theater Casino geplant hatten und die Bauausführung – wie bei der «Casa Rossa» – damals ebenfalls Johann Landis oblag.

Ihren Namen bekam die Villa wegen der rot verputzten Fassade. Den toskanischen Renaissance-Stil unterstreichen an Fassade und Walmdach die Sgraffitodekorationen von Heinrich Appenzeller. Mit der speziellen Stucktechnik hat er Fensterbekrönungen, Gesimse und Eckquader ausgeführt.

Im Innern ist es dank grossen Fenstern und Flügeltüren, die im Parterre in den Garten und im oberen Stock auf die Balkone ringsherum führen, sehr hell. Die Stukkaturen von Franz Kalb, der auch das Familienwappen über der Garage schuf, verschönern die Decke der Stube, deren Schmuckstück der Kachelofen von Hafnermeister Josef Keiser ist. Wer sich genau umsieht, der entdeckt, dass die Türen auf der Stubenseite kunstvolle Schnitzereien aufweisen und viel älter sind als die Gegenseiten.

Das Haus wird dank Nutzungsrecht von Gabriela Wyss bewohnt. 1967 war sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann Joachim Wyss eingezogen. In den letzten Jahren organisierte die 91-Jährige hier kulturelle Anlässe. Sie wünscht sich, dass das Haus später der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, und schwärmt: «Das Haus strahlt noch immer einen Zauber aus, hier ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen.»

Unter Schutz gestellt

Das Gebäude befindet sich im Besitz der Hürlimann-Wyss-Stiftung, es wurde vor einigen Jahren aussen saniert und innen umfangreich restauriert. Der Regierungsrat hat die «Casa Rossa» im Jahre 1989 als lokales Baudenkmal geschützt. «Stukkaturen, Malereien, Schreiner- und Schlosserarbeiten fügen sich zu einem einheitlich entstandenen, für die Zeit und die beteiligten Architekten charakteristischen Ganzen», schrieb Heinz Horat, der damalige Denkmalpfleger, im «Tugium» 6/1990.

Zur Bedeutung der «Casa Rossa» für den Kanton sagt Franziska Kaiser, Denkmalpflegerin und stellvertretende Amtsleiterin: «Der italienische Stil ist für Zug einzigartig. Das auch architekturgeschichtlich wichtige Gebäude ist Teil der repräsentativen Bauten an der Artherstrasse und liegt an einer wichtigen Achse.»

Monika Wegmann

Hinweis

Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr oder weniger auffälligen Details mit kulturellem Hintergrund im Kanton Zug nach.