ZUG: Die Schreinerzunft steht zur alten Dame

Am Montag kommt Greth Schell – aber was steckt hinter der Fasnachtsfigur?

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Greth Schell und ein Löli. (Archivbild Dominik Hodel/Neue ZZ)

Greth Schell und ein Löli. (Archivbild Dominik Hodel/Neue ZZ)

Im Zuger Brauchtum gehört Greth Schell zu den tragenden Figuren – und dies in doppeltem Sinn. Greth und ihre Löli prägen das Zuger Fasnachtstreiben seit dem 18. Jahrhundert. Andererseits ist Greth jene Gestalt, die ihren angeheiterten Mann in ihrem Korb nach Hause trägt. Begleitet wird sie dabei von seinen Kumpanen, die tanzen und hüpfen. Nach 1875 drohte das Verschwinden der Greth Schell, weil der Brauch nur nachlässig gepflegt wurde. 1887 orientierte der Schreinerzünftler Ferdinand Müller seine Mitmeister über den lamentablen Zustand der Figuren und konnte sie vom Kauf der Figuren überzeugen. Nach anfänglichen Anpassungsproblemen steht die Schreinerzunft bis heute fest zur alten Dame und ihren Begleitern.

Die Lehrerin Margaritha Schell
Die Faszination der Greth Schell beruht teilweise darauf, dass sich mit der ledigen Lehrerin Margaritha Schell, gestorben 1740, eine Person identifizieren lässt, deren Biografie doch recht ungewöhnlich war. Als Frau unterrichtete sie um 1720 eine gemischte Klasse, was den Stadtrat erzürnte. Dieser lobte aber die Gemassregelte auf der anderen Seite für ihre selbstlose Tätigkeit als Grabbeterin zu St. Michael. Die Schreinerzunft gedachte ihrer Leitfigur im Jahr 1921 mit einem Fest unter dem Motto «200 Jahre Greth Schell 1721 bis 1921». In den ersten Jahren lieh die Schreinerzunft die Greth-Schell-Gruppe aus, aber nachdem die Zuger in Küssnacht von der Polizei festgenommen worden waren, wurde darauf verzichtet. So sah man in den letzten Jahren die Gruppe nur bei wenigen Brauchtumsanlässen ausserhalb Zugs. Dieses Jahr jedoch präsentiert sich das Fasnachtssymbol neben dem Hauptbott der Schreinerzunft am 15. Februar schon heute am Umzug der Zunft Letzibuzäli in Zug und morgen am Baarer Umzug.

Apropos Schreinerzunft: Sie feiert heuer ein Jubiläum. Am 29. September 1585 wurde den Tischmachern von Zug durch den Rat die Gründung einer Zunft bescheinigt. Seither haben die Schreiner auch die Drechsler und Küfer in ihre Zunft integriert. Das 425-Jahr-Bestehen wird dieses Jahr mit mehreren Anlässen gefeiert.

Christian Raschle

HINWEIS
Greth Schell-Umzug: Montag, 15. Februar, ab 16 Uhr beim Theater Casino Zug.