ZUG: Die Stadt will velofreundlicher werden

Der Stadtrat hat einen Masterplan Velo erstellen lassen. Erste Punkte draus will er zügig umsetzen. Vor allem aber soll das Papier eine langfristige Wirkung haben.

Samantha Taylor
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Beim Kreisel an der Aabachstrasse sollen Verbesserungen für Velofahrer gemacht werden. (Bild Maria Schmid)

Beim Kreisel an der Aabachstrasse sollen Verbesserungen für Velofahrer gemacht werden. (Bild Maria Schmid)

Zu viele unsichere Übergänge, zu viele mühsame Stellen, zu viele unfertige Verbindungen: Diese Bilanz zog die Fraktion Alternative-CSP des Grossen Gemeinderats bezüglich des Velowegnetzes der Stadt Zug. Ihren Fokus legte sie dabei auf die Verbindungen zwischen den kinderreichen Wohngebieten und den Oberstufenschulhäusern sowie der Musikschule. Ziel sei, dass schon die jungen Zugerinnen und Zuger ans Velo gewöhnt und dazu gebracht werden können, diese Mobilitätsform zu nutzen. Die Motion der Fraktion mit dem Auftrag an die Stadt, die Lücken zu schliessen sowie einen «Masterplan Velo – Bike to School» zu entwickeln, wurde im Herbst 2014 vom Grossen Gemeinderat an den Stadtrat überwiesen. Seit kurzem liegen der Bericht der Stadt und sowie der Masterplan vor.

Erarbeitet hat den Plan einerseits eine Begleitgruppe bestehend aus Vertretern des Kantons, der Stadt, der Motionäre und von Pro Velo. Andererseits wurde ein Bericht bei einem Zürcher Ingenieurbüro in Auftrag gegeben.

Einfache und komplexe Punkte

«Der Stadtrat anerkennt das Velo als wichtiges innerstädtisches Transportmittel», hält die Exekutive in ihrem Bericht ganz grundsätzlich fest. Velofahren sei gesund, kostengünstig und Platz sparend. «Entsprechend soll diese Mobilitätsform gefördert werden», führt der Stadtrat weiter aus. Zu dieser Förderung enthält der Bericht eine aktuelle Bestandesaufnahme der wichtigsten Schulwegrouten mit Lücken und Problemstellen. Dem gegenüber steht ein Massnahmenkatalog – unterteilt in «einfach» und «komplex». Erstere sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre realisiert werden. Dazu zählen beispielsweise das Einfärben der vorhandenen Radstreifen beim Gubelloch, neue Velofurten – also Markierungen – bei mehreren Fussgängerstreifen wie Dammstrasse/Bahnhof, bei der Alpenstrasse Richtung Musikschule, beim Kreisel Aabachstrasse oder beim Kreisel Allmendstrasse. Weiter soll im Bereich der Ägeristrasse/Löberen-strasse und dem Rosenbergweg eine zusätzliche Schutzinsel mit Velofurten für Fussgänger und Velofahrer errichtet oder das Velofahren auf dem Fussweg beim Bundesplatz Richtung Alpenstrasse gestattet werden.

Zu den komplexen Anpassungen zählt unter anderem die Änderung der Vortrittsverhältnisse bei der Kreuzung Gotthardstrasse–Grafenaustrasse oder der Einbau einer Schutzinsel beim Fussgängerstreifen Gubel-/Lauriedstrasse. Diese Punkte will die Stadt in den nächsten zwei bis vier Jahren angehen. Grundsätzlich plant der Stadtrat, die jeweiligen Massnahmen fortlaufend und zusammen mit notwendigen Strassensanierungen umzusetzen.

Lücken schliessen

Welche Kosten diese erste Tranche an Verbesserungen für den Veloverkehr verursachen werden, kann und will der zuständige Stadtrat Urs Raschle nicht sagen. «Dazu ist es noch zu früh», so der Vorsteher des Departements Soziales, Umwelt und Sicherheit. Wichtig sei dem Stadtrat in erster Linie, dass etwas für Velofahrer und zur Verbesserung des durchgängigen Wegnetzes in der Stadt gemacht werde.

Das Papier soll aber genauso eine langfristige Wirkung haben. «Es soll zu einer Bibel werden», betont Urs Raschle und schiebt gleich nach, was er konkret damit meint. «Unser Ziel ist, dass ein gesteigertes Bewusstsein für das Velofahren und den Umgang mit dem Velo entsteht. Es ist ein sehr wichtiges Transportmittel in der Stadt.» Bei Tiefbauarbeiten soll darum künftig immer auch beachtet werden, wie die Situation für die Velofahrer verbessert werden könnte – ohne dass der übrige Verkehr gestört werde. «Der Masterplan soll nachhaltig wirken. Sodass wir, nicht von heute auf morgen, aber mittel- bis langfristig, die heutigen Lücken schliessen können», so Raschle weiter.

«Kein Flickwerk»

Bei den Motionären sind diese Aussagen gerne gehört. «Es ist super, dass die Stadt das Velo als zentrales Verkehrsmittel anerkennt», sagt die grüne Gemeinderätin Tabea Zimmermann Gibson. Und auch der vorgelegte Masterplan erhält Zustimmung. «Die angedachten Massnahmen gehen in die richtige Richtung, und sie sind nötig.» Denn heute funktionierten die Wege für Velofahrer schlicht noch nicht, befindet Zimmermann. «Immer wieder muss man anhalten, absteigen, Umwege machen.» Die Gemeinderätin hofft deshalb, dass die Stadt ihr Versprechen bezüglich der Nachhaltigkeit wahr macht und bei der Umsetzung dran bleibt. Zimmermann: «Wichtig ist, dass es kein Flickwerk gibt, sondern dass ein durchgehendes Wegnetz entsteht, durch das sich Velofahrer sicher und schnell bewegen können.»